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An der Grenze

An der Grenze


Am Morgen des 24. Oktober 1956 wurde den Wiener Behörden der Ausbruch der Revolution in Budapest bekannt, am Abend des selben Tages gab das Innenministerium die ersten Weisungen: Verstärkung des Grenzschutzes entlag der 393 km langen Grenze zu Ungarn, Wahrung der Neutralität, Schutz von Asylswerbern nach den Bestimmungen des Völkerrechts. Schon am 26. Oktober leiteten österreichische Hilfsorganisationen ihre Hilfsmaßnahmen im Umfang eines Katastrophenschutzeinsatzes ein. Etwa zur selben Zeit wurden die ersten Flüchtlinge im Burgenland gemeldet, meist Kommunisten, die man in Eisenstadt unterbrachte.

Vorerst stieg die Zahl der Flüchtlinge nur langsam an. Als aber am 4. November die Sowjets zu ihrem entscheidenden Angriff ansetzten, kam es zu einer wahren Flut an Menschen. Bei Klingenbach überschritten schon am 4. November 4000 Flüchtlinge die Grenze, durch Andau kamen bis Ende Dezember 45.000. Trotz aller Bemühungen, die Flüchtlinge sofort aus der Grenzregion wegzuführen, sammelten sie sich in den Grenzorten zu tausenden. Sie wurden aufgenommen und untergebracht wo immer es nur möglich war: in Schulen, in Gasthöfen, in Privatquartieren, ja selbst in Scheu-nen. Angesichts der Lage weiteten der Staat und die (inter)nationalen Hilfsorganisation ihre Leistungen in bis dahin nicht gekannter Weise aus, das Burgenland glich geradezu einem Heerlager.

Der Zustrom an Flüchtlingen hielt unvermindert an, bis ab etwa Mitte Dezember das von Gnaden der Sowjets regierende Kadar-Regime Zug um Zug wiederum einen Eiserner Vorhang aufrichtete. Von da an ging die Zahl an Flüchtlingen im Burgenland schlagartig zurück, im Jänner 1957 überschritten 12.862 Personen die österreichische Staatsgrenze, im Juni 1957 gerade noch 50. Ab Dezember 1956 versuchten dann auch ca. 20.000 Ungarn die Flucht über Jugoslawien. Trotz der zumeist geradezu chaotischen Zustände in den burgenländischen Grenzgemeinden, trotz des alltäglichen Zusammenbruchs der Infrastruktur, trotz der fortwährenden Überlastung von Behörden, Bevölkerung und Hilfsorgani-sationen blieb kein Flüchtling in Österreich unversorgt. Und entgegen aller Behauptungen der nationalen wie internationalen kommunistischen Presse gegen Österreich wahrte das Land strikte Neutralität: Österreich bot alle ihm zur Verfü-gung stehenden Mittel auf,die teritoriale Unversehrtheit seines Staatsgebietes zu wahren, allen Flüchtlingen wurde in gleicher Weise Asyl gewährt, waren es Revolutionäre oder Parteigängern des KP-Regimes.

Fotos: © UNCHR, Österreichisches Bundesheer

   

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Quelle: Nordico. Museum der Stadt Linz