Baiern und Awaren
Als das Gebiet des heutigen Oberösterreich von den Römern verlassen wurde, siedelten sich hier im Laufe der folgenden 100 Jahre nach und nach andere Völker wie Goten, Franken oder Langobarden an. Vor allem aber siedelten germanische Stämme im Alpenvorland: die Baiern (Bajuwaren). Woher die Baiern kamen, ist nicht geklärt; sie werden ab dem 6. Jahrhundert in den Quellen erwähnt. In Ostösterreich ließen sich die aus Asien stammenden Awaren nieder. Außerdem siedelten slawische Bevölkerungsgruppen in der Steiermark, in Kärnten, Teilen Salzburgs sowie im südlichen Oberösterreich und im heutigen Mühlviertel.
Im 7. und 8. Jahrhundert dehnte sich das Herzogtum der Baiern schließlich bis jenseits der Enns aus und umfasste somit weite Teile des heutigen Oberösterreich. Östlich davon lag das Reich der Awaren.
Eine wichtige Gestalt für Oberösterreich ist der Baiernherzog Tassilo, der 777 das Benediktinerkloster Kremsmünster gründete. Es ist das älteste heute noch bestehende Kloster in Oberösterreich. Die Klöster wurden wichtige Bildungszentren, an denen die Mönche prachtvolle Handschriften niederschrieben (z. B. den Codex Millenarius aus Kremsmünster). Ebenfalls aus Kremsmünster kommt der berühmte Tassilokelch, der mehr als 1200 Jahre alt ist.
Bayern war allerdings kein selbstständiges Land, vielmehr gehörte es zum Frankenreich, das von Karl „dem Großen“ (768–814) aus dem Geschlecht der Karolinger regiert wurde. Tassilo versuchte aber, seinen Einfluss im oberösterreichischen Raum immer mehr auszudehnen. Dies führte zu einer Auseinandersetzung zwischen Tassilo und Karl, dem Herrscher des Frankenreiches. Tassilo verlor den Streit und musste zur Strafe ins Kloster eintreten, wo er 794 starb. Nach dem Sieg über Tassilo konnte Karl die Awaren erobern und so ein Reich Richtung Osten ausdehnen.
Aus dieser Zeit – dem Ende des 8. Jahrhunderts – stammt auch die bekannte Martinskirche in Linz. Diese wurde in den folgenden Jahrhunderten aber mehrmals umgebaut.







