Burgen in Oberösterreich
Von den Burgen aus wurde die nähere oder weitere Umgebung verwaltet. Die Besitzer der Burg hatten Macht über das umliegende Land und dessen Bevölkerung. Burgen boten den Menschen aber auch Schutz im Falle von Kriegen oder Überfällen. Auf den Burgen lebten oft die so genannten Ministerialen; das waren halbfreie Dienstleute, die als berittene Kämpfer oder Beamte immer wichtigere Aufgaben übernahmen. Häufig erhielten sie vom Grundherren auch Land übertragen. So konnten sie selbst zum niederen Adel und (ab dem 12 Jahrhundert) zu Rittern aufsteigen.
Beispiele früher Burgen (9.–11. Jahrhundert) in Oberösterreich sind so gut wie keine erhalten, waren die ersten Burgen doch zum Großteil aus Holz errichtet. Reste davon werden aber manchmal von Archäologinnen und Archäologen freigelegt. Später begann man Burgen aus Stein zu errichten; von solchen Bauten sind meist noch Reste zu finden und bei besser erhaltenen Anlagen lassen sich sogar die Grundrisse der Burgen nachvollziehen. So besaßen etwa die Burgen von Windegg (Gemeinde Schwertberg) und Spielberg (Stadtgemeinde Enns) eine Ringmauer (Bering) mit einem quadratischen Bergfried (Hauptturm), einen Wohnbau und eine Burgkapelle.
Die Burg Ruttenstein (Gemeinde Pierbach) aus dem späten 13. Jahrhundert vermittelt einen schönen Eindruck von einer mittelalterlichen Adelsburg. Sie weist einen fünfeckigen Bergfried, einen zweigeschoßigen Palas (herrschaftliches Wohngebäude) sowie einen Wohnturm mit beheizbaren holzverkleideten Stuben auf. Solche Burgen hatten also mehrere, teilweise turmartige Wohngebäude. Derartige Burgenbauten waren „Multifunktionsgebäude“, die mehrere Aufgaben erfüllten: Sie waren wehrhaft (dicke Mauern, Bergfried), boten Wohnraum für Adel und die Bediensteten (oft mehrere Wohngebäude) und dienten der Repräsentation der Besitzer (Palas).
Besonders beeindruckend waren die Burg Neuhaus an der Donau oder die Burg der mächtigen Grafen von Schaunberg (bei Eferding). Beide Burganlagen besaßen großflächige Vorburgen, die nicht nur die Wirtschaftseinrichtungen – wie im Fall von Schaunberg einen Stall und einen Getreidespeicher mit Mühle und Teich – enthielten, sondern mit großen Turmbauten, Torhäusern und massiven Mauern auch Macht demonstrierten. Außerdem wollte man etwaige Angreifer auf Distanz halten. Schaunberg verfügte zudem sogar über eine mehrgeschoßige Burgkapelle und einen Palas mit drei Stockwerken.
Im späten Mittelalter entwickelten sich dann auch schlossartige Anlagen wie die Greinburg in Grein an der Donau. Auf der anderen Seite kam es ab dem 15. Jahrhundert zum besseren Schutz vor dem Beschuss mit den neuen Feuerwaffen wieder zu einer Befestigung der Burgen mit Erdwällen, wie dies in der Anfangszeit des Burgenbaus üblich war. So entstanden richtige Festungen. Ein hervorragendes Beispiel dafür stellt das Linzer Schloss dar. Dieses zeigt aber auch, dass die Entwicklung zur Festung als reinem Militärbau bzw. zum Schloss als repräsentativem Wohnbau nicht immer getrennt passierte. Vielmehr sind beim Linzer Schloss festungs- und schlossartige Elemente an einem Bauwerk anzutreffen.
LINKTIPP: Auf der Seite www.burgenkunde.at kannst Du viele Burgen und Schlösser in Oberösterreich bzw. Österreich und teilweise auch in Deutschland ausfindig machen.








