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Oberösterreich: Vom Bauernland zum Industrieland


Weniger Landwirtschaft – mehr Industrie

Vor und während dem Zweiten Weltkrieg waren in Oberösterreich sehr viele Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt gewesen, weil die meisten Arbeiten händisch verrichtet werden mussten. Als nach dem Krieg aber auch bei den Bauern der Einsatz von Maschinen und Kunstdünger selbstverständlich wurde, brauchte man dort einerseits weniger Arbeitskräfte. Andererseits gab es in den Städten bereits während dem Zweiten Weltkrieg durch den Ausbau der Industrie einen großen Bedarf an Arbeitern. So wurde aus dem oberösterreichischen Bauernland wurde zunehmend ein Industrieland. Heute sind die größten oberösterreichischen Industriezweige die Eisen- und Stahlerzeugung (Linz), die Fahrzeugindustrie (Steyr), die Maschinen- und Stahlbauindustrie sowie die Aluminiumindustrie (Ranshofen).

Verstaatlichung der Industrie
In den Jahren 1946 und 1947 wurden in Österreich die größten Betriebe und auch Banken verstaatlicht. Das heißt, sie gingen in den Besitz des Staates Österreich über. Die Österreichische Industrie Aktiengesellschaft („ÖIAG“) war oberstes Organ der verstaatlichten Industriebetriebe Österreichs. Durch die Teilnahme am Marshallplan gelang es, die oberösterreichischen Industriebetriebe wiederherzustellen und zu international erfolgreichen Unternehmen zu machen. Bis zur Mitte der 1960er Jahre entwickelten sich die verstaatlichten Betriebe sehr gut. Aber in den 70er und 80er Jahren kam es zu einer großen Krise dieser Betriebe, die schließlich ihre Privatisierung zur Folge hatte.
Als Beispiel soll die VOEST als ein wichtiger oberösterreichischer Industriebetrieb kurz vorgestellt werden:

Die VÖEST
Für Oberösterreich ist der Aufschwung der Eisenindustrie in den 1950er Jahren von besonderer Bedeutung. Bombenangriffe hatten die VÖEST (= Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke), die während dem Krieg den Namen „Hermann Göring Werke“ trugen, fast vollständig zerstört. Man überlegte sogar, den Betrieb nicht mehr aufzubauen. Schließlich entschied man sich doch für die Wiederinstandsetzung des Unternehmens. 1946 wurde die VÖEST verstaatlicht. Mit dem LD-Verfahren wurde im Jahr 1949 eine neue Methode erfunden Stahl zu erzeugen. 

Unter anderem führte diese Erfindung führte zu einer überaus positiven Entwicklung des Unternehmens, weil dieser qualitätsvolle Stahl in den nächsten Jahren zu einem der wichtigsten Exportartikel Österreichs wurde. Der Erfolg der VÖEST lässt sich auch an den Arbeitsplätzen ablesen: Zwischen 1945 und 1950 stieg die Zahl der Mitarbeiter von 3000 auf 9000 an. Das war damals sehr viel. Heute haben die VÖEST-Konzerne mehrere tausend Mitarbeiter. Die Produktion von Eisen und Stahl ist noch immer die Haupttätigkeit der VÖEST: Aus Kohle und Erz wird in den Hochöfen das Roheisen gewonnen, welches in den Gießereien zu Formen gegossen oder im Walzwerk zu Blech weiterverarbeitet wird.

Die weitere Entwicklung der oberösterreichischen Wirtschaft und der VÖEST wird später in einem eigenen Rundgang vorgestellt.