Bildende Kunst und Baukunst zur Zeit der Renaissance in Oberösterreich
Auch die Architekten, Bildhauer und Maler der Renaissance nahmen sich die Antike zum Vorbild. Der Übergang von der Kunst des Mittelalters zu jener der Renaissance ging aber nicht plötzlich vonstatten, sondern vollzog sich langsam.
In der Renaissance rückte der einzelne Mensch, das Individuum, in den Mittelpunkt. Das hatte zur Folge, dass die Künstler versuchten, die Menschen möglichst naturgetreu darzustellen, so wie sie sind. Manchmal folgte man dabei aber auch einem Ideal und man zeigte die Menschen so, wie sie sein sollten: Der ideale Mensch, die ideale Schönheit wurde zum Thema in der Kunst. Das kannten bereits die Künstler der Antike und die Zeit der Griechen und Römer galt ja in der Renaissance als Vorbild.
Nun entstanden auch immer mehr Portraits von Adeligen und reichen Bürgern. Man war selbstbewusst und stolz auf seine Leistungen und seinen Reichtum und stellte diese auch gerne zur Schau: Ruhm und Ehre zu erlagen, war für die Menschen der Renaissance wichtig. So schuf man in manchen Schlössern sogar ganze Ahnengalerien, wie z. B. im Schloss in Eferding.
Für die Verstorbenen ließen Adelige und Reiche auch besonders prunkvolle Grabmäler oder Gedenktafeln (lateinisch: Epitaphe), z. B. aus Marmor, anfertigen, die ebenfalls oft die Verstorbenen zeigen. Man wollte an die Toten und an ihre Leistungen, die sie zu Lebzeiten erbracht hatten, erinnern. In Oberösterreich sind besonders viele dieser Grabsteine von evangelischen Adeligen erhalten. Die Darstellungen und Inschriften weisen oft darauf hin, dass die Verstorbenen Anhänger Martin Luthers waren.
| INSCHRIFT VOM GRABSTEIN DES HANNS WINTER IN ENNS, 1554 |
„Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und dem Menschen, nämlich der Herr Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat zu der Erlösung.“ |
Doch nicht nur die Menschen, auch die Natur versuchte man genau so zu malen, wie sie ist. Nicht umsonst entstanden in der Renaissance immer wieder Landschaftsdarstellungen. Naturgetreue Darstellungen von Menschen und Landschaften kannte man dagegen im Mittelalter nicht.
Eine wichtige Neuerung in der Malerei war das Entdecken der Zentralperspektive, mit deren Hilfe man dreidimensionale Objekte z. B. auf der Leinwand möglichst naturgetreu darstellen kann. So konnte man nun dem Betrachter bei der Darstellung von Gebäuden den Eindruck von Räumlichkeit vermitteln. Auch die Größenordnungen (Proportionen) zwischen einzelnen Personen und Gegenständen wurden nun mehr der Wirklichkeit angepasst, alles wirkt nun realistischer.
Die Menschen, die über genügend Geld verfügten, ließen sich in den Städten schöne Wohnhäuser bauen. Auch der Stadtturm von Enns wurde in der Renaissance errichtet. Besonders aber ordneten Adelige den Bau von Schlössern an. Eines der bekanntesten Schlösser in Oberösterreich aus dieser Zeit ist das Seeschloss Ort in Gmunden. Die Gebäude wirken nach außen sehr wuchtig, aber schlicht, dagegen verfügen sie im Inneren meist über besonders schöne Innenhöfe mit Bogengängen, so genannte Arkaden. Einen sehr schönen Arkadenhof findest du auch in der Greinburg in Grein an der Donau und im Landhaus in Linz. Dort steht auch der so genannte Planetenbrunnen, der vermutlich um das Jahr 1530 entstanden ist. Der Aufsatz aus Bronze zeigt sechs Personen, die für die sechs damals bekannten Planeten unseres Sonnensystems stehen (Uranus, Neptun und Pluto wurden erst später entdeckt.).







