Landwirtschaft im Mittelalter
Das Alltagsleben im Frühmittelalter spielte sich vor allem am Bauernhof ab, da der Großteil der Bevölkerung bäuerlichen Tätigkeiten nachging.
In einer Handschrift aus Salzburg, die um 818 entstand (heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien), ist uns ein einzigartiger Bilderzyklus mit Darstellungen von bäuerlichen Tätigkeiten im Jahreskreis erhalten. Sie geben uns einen guten Eindruck darüber, was der durchschnittliche Bauer arbeitete. Diese Abfolge ist mit Sicherheit auch für den oberösterreichischen Raum zutreffend.
| Arbeiten im Jahreskreis: |
| Im Jänner wurde Feuer gemacht, um der Kälte zu widerstehen. |
| Im Februar sorgte man sich um Vögel, die Eier legten. |
| Im März kamen die Schlangen wieder hervor, das Sprossen in der Natur beginnt. |
| Im April wachsen Kräuter, Bäume beginnen zu grünen. |
| Im Mai wurden Blumen ausgesät. |
| Im Juni pflügte man die Brachfelder mit dem von Rindern gezogenen Hakenpflug. |
| Im Juli begann man mit der Heuernte. |
| Im August wurde das Getreide mit der Sichel geerntet. |
| Im September wurde für das Wintergetreide ausgesät. |
| Im Oktober wurden die Weintrauben geerntet und gekeltert. |
| Im November wurden Schweine für die Schlachtung gemästet. |
| Im Dezember wurden Schweine geschlachtet und weiterverarbeitet. |
Grundeinheit in der Landwirtschaft war die Hufe (davon leiteten sich die Familiennamen Hofer und Huber ab), von der ein Bauer mit seiner Familie zumindest theoretisch leben konnte. Im Frühmittelalter war das heutige Oberösterreich noch sehr dünn besiedelt. Unter der bäuerlichen Bevölkerung dominierten Einzelhöfe oder Gehöftgruppen. Mit den Rodungswellen des Hochmittelalters ging jedoch eine stärker planmäßige Anlage bäuerlicher Siedlungen einher.
Die Leistungen der hörigen Bauern umfassten Arbeiten bei der Rodung, der Bestellung des Feldes, beim Ernten, Dreschen, beim Weinbau, bei der Viehhaltung, Schafschur oder Jagd. Des Weiteren musste für den Grundherrn Getreide gemahlen, Bier gebraut oder Brot gebacken werden. Auch Spinnen, Weben, Schreinern und Töpfern gehörten zu den Pflichten. Zudem waren als Frondienst Wege zu erhalten sowie Burgen und Kirchen zu errichten oder zu reparieren. Schließlich wurden Bauern auch zum Transport grundherrschaftlicher Güter mit ihrem eigenen Lastenwagen gezwungen.
Die Bauern konnten im Hochmittelalter auf einige technische Neuerungen zurückgreifen, die die Bebauung von Ackerland deutlich erleichterten: Als neue Anspannvorrichtung für die Zugtiere setzte sich das Kummet durch: ein steifer, gepolsterter Ring, der den Tieren um den Hals gelegt wurde. Als Zugtiere dienten vor allem Zugochsen, später auch Pferde. Mit dem neuen Räderpflug wurde die tierische Zugleistung stärker für das Pflügen des Bodens nutzbar. Immer mehr Pflugteile wurden zudem aus Eisen angefertigt, was die Leistung und die Lebensdauer der Gerätschaften steigerte.
Seit der Karolingerzeit setzte sich auch die Dreifelderwirtschaft durch, bei der die Felder im Dreijahresrhythmus (Wintergetreide – Sommergetreide – Brache/Grünland) bewirtschaftet wurden. So konnten die Erträge gesteigert werden. In den Dörfern wurde die Dorfflur in drei Großfelder aufgeteilt, an denen alle Bauern des Dorfes gleichmäßig beteiligt waren.
Vor allem die Zeit zwischen 1000 und 1300 war auch von einem relativ günstigen Klima geprägt. Durch dieses so genannte hochmittelalterliche Klimaoptimum waren die Erträge auch in Regionen mit rauerem Klima - etwa im Mühlviertel - gut genug, um Überschüsse zu erwirtschaften. Generell ist im Hochmittelalter ein Trend hin zum Getreide und weg von der Viehzucht zu bemerken.
Mit den technischen Veränderungen waren die Bauern im Hochmittelalter in der Lage, den zusätzlichen Bedarf an Nahrung zu decken – zwischen 1000 und 1340 war die Bevölkerung Mittelalters fast auf das Dreifache angestiegen, besonders in den Städten. Die soziale und wirtschaftliche Lage der Bauern im Hochmittelalter war auf diese Weise eher günstig, aber auch die Grundherren profitierten von den reichen Erträgen, wodurch der höfische Lebensstil erst finanziert werden konnte.
Um 1300 trat aber eine allmähliche Klimaverschlechterung ein. Dies zog Versorgungskrisen und Hungersnöte nach sich, von denen vor allem die ärmere Bevölkerung betroffen waren.
Auf den Feldern wurden mehrere Getreidesorten (Gerste, Dinkel, Roggen und Hafer) angebaut. Getreidebrei dürfte daher zu den wichtigsten Nahrungsmitteln gehört haben. Zudem wurden Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine (jeweils deutlich kleiner als heute) gehalten. Dazu kamen der Anbau von Gemüse (Kraut, Kohl, Rüben) und Obst (mehrere Apfelsorten). Außerdem wurde Bier gebraut und in mehreren Gegenden Oberösterreichs, etwa im Raum Eferding und im Machland, auch Wein angebaut.






