Mittelalterforschung
Im 17. Jahrhundert begannen Wissenschaftler, sich mit dem Mittelalter zu beschäftigen. Sie setzten sich besonders intensiv mit alten Schriften (Schriftenlehre = Paläografie) und Urkunden (Urkundenlehre = Diplomatik) auseinander. Außerdem interessierten sich die Forscher über Jahrhunderte vor allem für die Mächtigen des Mittelalters (Kaiser, Könige, Päpste, Herzöge). Besonders eifrig in der Forschung waren dabei die Jesuiten; diese beschäftigten sich u. a. mit so genannten Heiligenviten aus dem Mittelalter. Dabei handelt es sich um Erzählungen über das Leben (lat. vita) von Heiligen (Man nennt solche Erzählungen auch Legenden).
Erst seit etwa 50 Jahren beschäftigen sich die Historikerinnen und Historiker z. B. auch mit der Kindheit im Mittelalter, dem Alltag der Bauern oder mit Außenseitern in den Städten. Heute nimmt die Mittelalterforschung (Mediävistik) in der Wissenschaft eine wichtige Stellung ein.
Bedeutend sind für die Mittelalterforschung auch die Ergebnisse der Archäologie, werden in den letzten Jahrzehnten doch vermehrt nicht nur Gräber und Bauten aus der Römerzeit, sondern auch aus dem Mittelalter freigelegt (z. B. Reste von bäuerlichen Siedlungen oder Burgen). Aufgrund der ergrabenen Gebäudereste und Gegenstände kann man einiges über den Lebensalltag der Menschen erfahren. Auch aus literarischen Werken ist manches über das Leben im Mittelalter, die damalige Kleidung, die Speisen oder Sitten und Gebräuche herauszlesen. So erzählt etwa Wernher der Gartenaere (14. Jahrhundert) über den jungen Helmbrecht, der nicht Bauer werden will und sich stattdessen den Raubrittern anschließt. In dem Werk beschreibt Wernher z. B. Kleidungsstücke sehr genau.
In der Mittelalterforschung sind daher nicht nur Historikerinnen und Historiker tätig, sondern u. a. auch Archäologinnen und Archäologen oder Fachleute aus der Germanistik (= Wissenschaft über die deutsche Sprache und Literatur).





