Sparen
Sparen bedeutet heute etwas auf sie Seite legen, um für die Zukunft zu sorgen. Nach dem Krieg bedeutete Sparen etwas anderes. Man sparte nicht für die Zukunft, sondern man war gezwungen zu sparen, um überleben zu können. Es gab immer zu wenig zu essen, man wurde nie satt. Nie gab es Süßigkeiten, meistens sehr einfache Gerichte aus Kartoffeln, Bohnen oder Getreide.
Sparküche
Sparen betraf nach dem Krieg besonders die Frauen, die die Familie zu versorgen hatten und mit dem Wenigen, das vorhanden war, auskommen mussten. Alles, was essbar war, wurde verwertet. Aus der Not entstanden neue Rezepte: Frauen lernten Kuchen ohne Eier und Fett oder mit Trockenei und Trockenmilch zu backen. Man sammelte essbare Kräuter und Pflanzen und bereitete Salat aus Wiesenkräutern, Brennesseln, Löwenzahn und Gänseblümchen. Sogar verdorbene Produkte wie verschimmeltes Brot wurden gegessen und Apfelschalen oder Gemüseabfälle wurden noch für Tee oder Suppen verwendet.
Sparrezept
Sparrezept Apfelschnitten (1946)
Sparrezept Apfelschnitten (1946)
Äpfel, auch wurmige, werden gut gewaschen, nicht geschält, in messerdicke Scheiben geschnitten, das Wurmige herausgenommen, auf dünnen Hanfspagat aufgefädelt und im Schatten trocknen gelassen.
(Aus: Die Frau, Nr. 28/1946 – zitiert nach: Die Sinalco-Epoche, S. 146)
Am Land ging es den Leuten etwas besser als in der Stadt, denn dort wurde auf Feldern Gemüse angebaut und man konnte von den nahen Bauern Brot, Fleisch und Milch kaufen. Auch in der Stadt nutzte man die wenigen Grünflächen und Parks für den Anbau von Gemüse.
Aus Alt mach Neu
Häufig wurden Abfallprodukte oder kaputte Dinge nicht weggeworfen, sondern für ganz neue Zwecke verwendet oder umgebaut: Aus alten Autoreifen aus Gummi wurden Sandalen angefertigt, Helme von Soldaten verwendete man als Kochtopf, altes Bettzeug wurde zu Schürzen umgenäht. Es wurden sogar Hochzeits- und Ballkleider aus Fallschirmstoff genäht. Selbstgenähte Hosen aus alten Decken kratzten an den Beinen und die selbstgestrickten Pullis waren zuvor schon mehrmals aufgetrennt und wieder zu neuer Mode verarbeitet worden.
Sparen und Verzichten
Das Leben nach dem Krieg war hart: Die Menschen mussten auf sehr viele Dinge verzichten. Oft standen nicht einmal die lebensnotwendigsten Produkte zur Verfügung. Der Traum von einem besseren Leben ging erst nach Jahren in Erfüllung und bedeutete viel Verzicht für die einzelnen Menschen.
Wenn du noch Großeltern hast oder ältere Leute kennst, dann hast du bestimmt schon einmal gemerkt dass sie sehr sparsam sind und versuchen, nichts zu verschwenden. Viele ältere Menschen haben diese Tugend in dieser schweren Zeit gelernt und haben ihr Leben lang nie aufgehört zu sparen.






