Wissenschaft und Dichtung zur Zeit der Renaissance in Oberösterreich
Die Wissenschaftler zur Zeit der Renaissance waren oft in vielen Gebieten gebildet: Sie kannten sich im Bereich der Naturwissenschaften (Botanik, Astronomie u. a.) aus, waren Juristen und beherrschten mehrere Sprachen – darunter natürlich die Gelehrtensprache Latein, denn fast alle wissenschaftlichen Werke wurden in dieser Sprache verfasst. Außerdem waren sie Dichter und Musiker und manchmal auch Theologen. Das Ziel war, ein besonders vielseitig, universal gebildeter Mensch zu sein (italienisch: uomo universale).
In Linz gab es in der Renaissance keine Universität wie in Wien, wo sich viele Wissenschaftler tummelten. Dennoch kamen vor allem in der Anfangszeit der Renaissance viele Gelehrte nach Linz, lebte Kaiser Friedrich III. doch von 1489 bis 1493 ständig im Linzer Schloss. Und auch sein Sohn und Nachfolger Kaiser Maximilian I. war öfter in der Stadt zu Gast.
Zwei der bekanntesten Gelehrten, die in Linz anzutreffen waren, sind Johannes Reuchlin und Conrad Celtis:
Johannes Reuchlin beherrschte das Hebräische perfekt und schrieb bekannte Lehrbücher für diese Sprache.
Conrad Celtis (Er hieß eigentlich Bickl oder Pickl – es war damals Mode, sich als Gelehrter lateinische Namen zu geben.) dichtete und schrieb Theaterstücke, von denen auch eines im Linzer Schloss aufgeführt wurde. Celtis wurde von Kaiser Friedrich III. sogar zum Dichter gekrönt; diese Auszeichnung wurde nur den besten Literaten überreicht. Einen Dichter mit einem Lorbeerkranz zu krönen, war bereits bei den Römern Sitte; und weil in der Renaissance die Antike in vielen Berichen als Vorbild diente, übernahm man auch diesen Brauch. Überhaupt orientierten sich die Dichter besonders an den Werken der Römer und Griechen und verwendeten nicht nur Themen aus der Antike (z. B. über Götter), sondern versuchten auch die Sprache aus dieser Zeit besonders nachzuahmen, denn gedichtet wurde häufig in Latein.
Aber auch in Oberösterreich geborene Wissenschaftler machten Karriere.
So wurde der aus Grein an der Donau stammende Arzt Johannes Tichtel ein angesehener Professor an der Universität Wien. Und Johannes Stöberer (lateinisch: Stabius), geboren in der Gegend von Steyr, stieg sogar zum Hofhistoriografen (Geschichtsforscher und -schreiber) bei Kaiser Maximilian I. auf.
Besonders gefördert wurde die Bildung auch in den evangelischen Schulen in Oberösterreich. Ein Absolvent der evangelischen Landschaftsschule in Linz wurde später zu einem bedeutenden Dichter: der vom Schloss Piberstein (Mühlviertel) stammende Christoph von Schallenberg. Er studierte in der Folge u. a. in Italien (Padua, Bologna, Siena), was bei Adeligen zur Zeit der Renaissance besonders „in“ war. Christoph von Schallenberg verfasste Gedichte in Deutsch und Latein und übersetzte italienische Lieder ins Deutsche.






