Befreiung und Kriegsende – Einleitung


Als ab dem 30. April 1945 die ersten amerikanischen Truppen in Oberösterreich einrückten, kamen sie in ein zerstörtes Land, trafen auf Menschen, die nach den schrecklichen Erlebnissen des Krieges demoralisiert, verzweifelt, jeder Hoffnung beraubt waren. Die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten hatte überall sichtbare Spuren hinterlassen. Chaos, Auflösung und Rechtlosigkeit herrschten. Den Menschen fehlte das Notwendigste zum Überleben: Nahrung, Kleidung, Wohnung, Arbeit. Die Infrastruktur war zerstört, die Wirtschaft lag am Boden. Oberösterreich beherbergte mehr als doppelt so viele Menschen als vor Kriegsbeginn: zu den rund 900.000 Einheimischen kamen mindestens noch einmal so viele Flüchtlinge, Umsiedler, Vertriebene, Verschleppte, insgesamt Menschen aus mehr als 25 Nationen. Sie alle mussten mit dem Notdürftigsten versorgt werden.

Oberösterreich war im Vergleich zu den anderen österreichischen Bundesländern das Land mit der relativ und absolut größten Anzahl an Flüchtlingen. Es war auch das einzige Bundesland, das durch eine Zonengrenze in zwei von einander hermetisch abgeschnittene Teile getrennt war. Während die Sowjets im Mühlviertel einzogen und dort die zehnjährige „Russenzeit“ begann, wurde das Gebiet südlich der Donau amerikanische Besatzungszone. Die Angst vor einer Teilung wie in Deutschland war bis zum Abschluss des Staatsvertrages allgegenwärtig.

Zu den wichtigsten Anliegen der ersten Nachkriegszeit zählten die Versorgung der Bevölkerung, die Repartriierung bzw. Ansiedlung der Flüchtlinge, der Wiederaufbau der Wirtschaft, die Wiederherstellung der staatlichen Ordnung und des Verwaltungsapparates sowie eine umfassende Entnazifizierung und Demokratisierung des Landes.


Verwendete Literatur siehe Bibliografie.
Redaktionelle Bearbeitung: Elisabeth Kreuzwieser, 2005

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