Private und öffentliche Räume auf Burgen


Die reichen Adelsfamilien des Landherren- und Ritterstandes ließen im Spätmittelalter auf ihren Burgen jeweils eigene Gebäude für das Wohnen, Wirtschaften und die Repräsentation errichten.

Für Empfänge und Feste gab es einen oder mehrere Säle. An diese angeschlossen oder in eigenen Gebäuden befanden sich beheizbare Stuben und daneben (oder darüber) gelegene (Schlaf-)Kammern. Von diesen führte zumeist ein kurzer Weg zur Burgkapelle.

Wer in die privaten, „geheimen“ Wohnräume vorgelassen wurde, durfte sich zum engeren Kreis um den adeligen Herrn und seine Familie zählen. Alle anderen mussten draußen bleiben. Da die Privaträume meist in den oberen Geschossen waren, mussten Besucher zum Burgherrn „hinaufsteigen“.

Räumliche Ausstattung der Burgen

Burg Beschreibung
Burg Ruttenstein, Gem. Pierbach, OÖ um 1300; Plangrundlage: OÖLA Auf Burg Ruttenstein gab es um 1300 zumindest zwei beheizbare und holzisolierte Stuben: die große Stube unter dem Saal diente vermutlich als Aufenthalts- und Essraum des Burgpersonals ("Hofstube"), der kleine Wohnraum im Turm mit darüber befindlicher Kammer als der private Rückzugsbereich der Burgherrenfamilie. Der Wohnturm hatte einen direkten Zugang zu Kapelle und Saal.
Burg Losenstein, Gem. Losenstein, OÖ um 1300; Plangrundlage: OÖLA Die um 1300 von den Herren von Losenstein ausgebaute Burg besaß mehrere Wohnbauten: am Zustieg zur Burg in einer Vorburg ein Wohngebäude mit Stube vermutlich für die Pflegerfamilie und in der Hauptburg zwei Wohnhäuser mit holzisolierten, beheizbaren Stuben, zusätzlich einen Palas, der im Erdgeschoß über eine große Küche und im 1. Obergeschoß über einen großen Saal mit schönen gotischen Fenstern verfügte.
Burg Pürnstein, Gem. Neufelden, OÖ um 1450; Plangrundlage: OÖLA Im um 1450 errichteten „Neuen Schloss“ von Pürnstein gab es im zugangsseitigen Flügel einen großen Saal mit kleiner Küche zum Warmhalten der Speisen. Die eigentliche Küche lag im Wirtschaftstrakt zwischen Saalbau und Wohnflügel. Die übereinander liegenden privaten Wohngemächer – Stube und Kammer – waren über eine Freitreppe vom Hof aus erreichbar, ebenso die Empore der Burgkapelle.
Burg Schaunberg, Gem. Hartkirchen, OÖ, um 1350/1400; Plangrundlage: OÖLA Unter den mächtigen Grafen von Schaunberg wurde die gleichnamige Stammburg in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts monumental ausgebaut: In der Hauptburg entstand gleich neben dem Burgtor ein großer Palas. Daran schloss Richtung Osten das Wohngebäude an. Von dort aus erreichte man auf kurzem Weg durch den Burghof die große Kapelle.
Burg Lobenstein, Gem. Zwettl an der Rodl, OÖ, um 1300; Plangrundlage: OÖLA Die kleine Burg Lobenstein verfügte über einen nur noch in Ansätzen nachvollziehbaren Wohnbau im tiefer gelegenen Burghof und einen sechseckigen Wohnturm auf einem Felskopf mit Küche im 2. Obergeschoss, darüber die Stube und zuoberst mutmaßlich die Schlafkammer.
Burg Prandegg, Gem. Schönau, OÖ, um 1500; Plangrundlage: OÖLA Unter den Walchen wurde um 1500 die ehemals kleine Burganlage massiv ausgebaut. Zusätzlich zu einer älteren Stube in der Kernburg entstand an der Südwestecke der neuen Hauptburg ein großes Wohngebäude mit großen Fenstern und Holzvertäfelung. Die Küche befand sich im gegenüberliegenden Nordtrakt. Als Kapelle diente weiterhin ein hoher Raum am westlichen Ende der Kernburg, wobei vermutlich kurzzeitig ein weiterer Kapellenraum nördlich des neuen Wohnbaus geschaffen wurde.

Der Rundgang basiert auf der Dauerausstellung im Oö. Burgenmuseum Reichenstein in Tragwein, das am 21. April 2013 eröffnet wurde.

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