Joachim Enzmilner – Graf von und zu Windhaag


Katholische Erziehung

Joachim Enzmilner (Enzmillner), geboren am 21. Februar 1600 in Babenhausen (Schwaben), erlangte als Stipendiat der streng katholischen Fugger an den Jesuitenschulen in Dillingen und Augsburg eine gediegene Ausbildung und wohl auch seine konfessionelle Festigung. Die Promotion zum Doktor iuris erfolgte 1626 an der Universität Wien. Ab 1624 war er – vielleicht durch Vermittlung der Jesuiten – im Dienste der Stände des Landes ob der Enns, 1627 deren Syndicus (Rechtsanwalt).
Sein Engagement bei der Reformationskommission in Oberösterreich, beim Bauernkrieg 1626 und 1628 bei der Rückstellung der Pfandherrschaft der Bayern in Oberösterreich an Kaiser Ferdinand II. brachte ihm 1629 die Erhebung in den Adelstand. Entsprechende Einkünfte erlangte er als Advokat, der das Vermögen ausgewanderter protestantischer Adeliger verwaltete.

Herrschaft Windhaag
Bereits 1636 konnte er so die oberösterreichische Herrschaft Windhaag (Bezirk Perg) um ca. 50.000 Gulden erwerben, wobei vor allem darauf hinzuweisen ist, dass 1630 der Schätzwert von einer Kommission, an der Enzmilner vielleicht selbst beteiligt war, mit 89.500 Gulden festgelegt worden war.

Strenger Gegenreformator
Von 1637 bis zu seinem Tod im Jahre 1678 war Enzmilner Rat und Regent der niederösterreichischen Stände, war ab 1641 Angehöriger des niederösterreichischen Ritterstandes und wurde 1651 in den Freiherrenstand erhoben. In das Jahr 1651 fiel auch seine Bestellung als Reformationskommissär für das Viertel ober dem Manhartsberg (Waldviertel), 1656 wurde er Generalkommissar für Niederösterreich.
Das Auftreten von Enzmilners Reformationskommission im Jahre 1652 soll einen solchen Schrecken unter den lutherischen Bauern hervorgerufen haben, dass der Großteil unter Zurücklassung von Hab und Gut entfloh. Der Übereifer Enzmilners bei der Zwangsbekehrung der Bevölkerung stand im Widerspruch zur Regierung, die eher auf eine allmähliche Bekehrung setzte. Weitere Gütererwerbungen Enzmillners, meist unter ihrem Schätzwert („Notverkäufe“), folgten. Zu den größten Erwerbungen zählten u. a. die Herrschaft Großpoppen bei Allensteig (1656) und die Herrschaft Rosenburg (1658).
1669 wurde Enzmilner schließlich in den Reichs- und erbländischen Grafenstand erhoben (seine Herrschaft Windhaag wurde Grafschaft). In seinen Herrschaftsgebieten, die er in der Topographia Windhagiana verzeichnen ließ, hatte er u. a., von den profanen Bauten abgesehen, zahlreiche Kirchen und Kapellen erneuert. Vor allem aber hatte er das Schloss Windhaag zwischen 1642 und 1648 neu erbaut und mit einer exquisiten Bibliothek sowie zahlreichen Kunstwerken ausgestattet. Eine großzügige Stipendienstiftung hat von seinen Werken die Zeiten überdauert.

Eva Magdalena Enzmilner

Mit Maria von Kirchstetten (Eheschließung 1627) hatte er 15 Kinder. Das einzige überlebende Kind Eva Magdalena (geb. 1629) aus dieser Ehe trat 1647/1648 gegen den Willen ihres Vaters in Tulln in das Dominikanerinnenkloster ein. Die Mutter zerbrach am „Verlust“ ihrer einzigen Tochter. Der Vater starb am 21. Mai 1678; auch er konnte letztlich die Weigerung der Tochter nicht verkraften, sein Werk fortzuführen. Vielmehr ließ sie dessen liebstes (und auch bedeutendstes) Werk, das neue Schloss in Windhaag, abreißen und errichtete aus dem Baumaterial in der Nähe eine Kirche und ein Dominikanerinnenkloster. Dieses Kloster wurde bald nach seiner Errichtung durch einen Brand zerstört, aber wieder aufgebaut und 1782 schließlich aufgehoben. Als Eva Magdalena im Jahre 1700 starb, war das ungeheure Vermögen zur Gänze aufgebraucht, das ihr im Jahre 1600 geborener Vater angehäuft hatte.

Verlorene Erinnerungen

Ein Marmorhochgrab in der Pfarrkirche zu Münzbach (Bezirk Perg) zeigt den Ort der Bestattung Joachim Enzmillners mit seiner ersten Frau Maria (Ab 1661 war er mit seinem vormaligen Mündel Maria Gräfin von Sprinzenstein verheiratet.).
Weder von seinem Vermächtnis zur Ausbildung der Jugend (Stipendienstiftung) noch von seiner Bibliothek, die heute Bestandteil der Wiener Universitätsbibliothek ist, hat sich eine breite Erinnerung erhalten, eher davon, dass er dem negativen Element der Rekatholisierung einen nachhaltigen Namen gegeben hat. Joachim Enzmillner, „der aus Niederösterreich die ruchlose Ketzerei vertrieben hatte“ (Grabinschrift) zeigt ein Porträt im heutigen Pfarrhof von Windhaag bei Perg – angespannt und glücklos.


Autor: Johannes Ebner, 2010

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