Die Äbte von Kremsmünster – exponierte Hoffnungsträger der Kaiser


Erhard Voit

Bei der Rekatholisierung des Landes spielten die Klöster als spirtuelle Zentren des Landes bzw. deren Äbte eine wichtige Rolle. Doch die Personaldecke war hierorts dünn und die Position gerade des Stiftes Kremsmünster für das Kaiserhaus zu wichtig um die Bestellung von Äbten irgendwelchen politischen Unwägbarkeiten zu überantworten.
So postulierten 1571 die Mönche von Kremsmünster auf Weisung Maximilians II. Erhard Voit als Abt. Geboren im Jahre 1543 in Cannstatt am Neckar, war er bereits 25-jährig Abt von Lambach geworden. Als Kremsmünsterer Abt wurde ihm die Administratur der Klöster Traunkirchen und Schlierbach übertragen, beide Klöster waren längst entvölkert. Nach dem plötzlichen Tod des 45-jährigen Abtes Erhard (1588) wurde der Nachfolger ebenfalls vom Kaiser bestimmt – und Johann Spindler 1589 als Abt installiert.

Johann Spindler

Der 1546 im Bistum Eichstätt geborene Johann Spindler war zunächst Professe in Melk und von 1574 bis 1589 Abt in Garsten. Durch den Nachlass von Steuerrückständen und die Öffnung der befestigten Klosteranlagen für die Landbevölkerung in der Türkengefahr zeigte er politisches Geschick und konnte im Zweiten Bauernaufstand (z. B. 1596) Plünderungen verhindern. Doch bereits 1600 verstarb er.

Alexander a Lacu

In der Nachfolgeregelung musste man noch weiter ausgreifen. Wie in der Folgezeit auch im Niederkirchenwesen war man mitunter auf welsche Kandidaten (aus dem romanischen Sprachraum) angewiesen. Alexander a Lacu wurde 1550 in Lugano geboren. Einer ausgezeichneten Universitätsbildung in Pavia, Freiburg im Breisgau und in Rom am Germanicum (römische Ausbildungsstätte für Führungskräfte der deutschen Kirche) folgte eine Professur und sogar die Funktion des Rektors an der Wiener Universität. Zwischenzeitlich wurde er Zisterzienser und Abt von Wilhering (1587). Eine päpstliche Dispens ermöglichte Alexander a Lacu den Übertritt zu den Benediktinern und die Berufung als Abt von Garsten im Jahre 1599. Damit noch nicht genug! 1601 wurde er als Abt von Kremsmünster installiert; dieses Stift hatte er bereits ein Jahr zuvor „administriert“. Ihm traute man offensichtlich die Festigung der katholischen Sache zu.
1606 legte a Lacu den Grundstein zum Kapuzinerkloster in Linz, 1607 führte er in Kremsmünster die Fronleichnamsbruderschaft ein, die sich als innere Festigung der öffentlich-katholischen Glaubensdemonstration erweisen sollte.
Der Pileus spei (Pileus = Scheitelkäppchen) in der heutigen Schatzkammer des Stiftes Kremsmünster zeigt, dass die Verleihung der Kardinalswürde nur sein früher Tod verhinderte. Alexander a Lacu starb 1613 in Linz. 1604 hatte er – wohl in Erinnerung an seine italienische Herkunft in Kremsmünster – einen „wälischen“ (welschen) Garten anlegen lassen.

Anton Wolfradt

Sein Nachfolger Anton Wolfradt gehörte bereits der nächsten Generation an (geb. 1581 in Köln). Er studierte wie sein Vorgänger am Germanicum in Rom (römischen Ausbildungsstätte für Führungskräfte der deutschen Kirche), war aber ein offensichtlich begeisterter Zisterzienser. Als solcher wurde er 1612 Abt von Wilhering. Sein Lebensweg war allerdings ebenfalls von kaiserlichen Wünschen diktiert.
Bereist ein Jahr danach, im Juli 1613, wurde er vom Kaiser als Abt nach Kremsmünster berufen, mit päpstlicher Erlaubnis wurde er Benediktiner. Ein Jahrzehnt später fungierte er als Hofkammerpräsident (1623-1630). 1630 wurde er darüber hinaus Bischof von Wien, mit päpstlicher Zustimmung „unter Beibehaltung der Abtei Kremsmünster“. In das Jahr seiner Bischofsweihe (1631) fällt auch die Erhebung in den Reichsfürstenstand.
Während seiner Amtszeit erhöhte sich der Personalstand des Klosters von 20 auf 60, sodass das Gymnasium und die Stiftspfarren zum größten Teil wieder mit Mönchen besetzt werden konnten. Das von Wolfradt administrierte ehemalige Nonnenkloster Schlierbach wurde 1620 Zisterziensern aus dem Stift Rein übergeben. 1619 war Wolfradt auch Administrator von Gleink; Martinsberg (Pannonhalma) verdankte ihm die Wiederherstellung als Benediktinerabtei.
1628 übernahm Wolfradt als des Kaisers Vertreter das verpfändete Land ob der Enns aus der Hand der bayerischen Verwalter. Ihm soll auch die (rasche) Beilegung des Bauernaufstandes von 1632 zu danken gewesen sein. Zur Erhaltung und Sicherung des katholischen Glaubens hatte Anton Wolfradt die Grundherrschaften Scharnstein (1625), Kremsegg (1627), Pernstein (1630) erworben.

In seiner Amtszeit erhielt auch die Stiftskirche von Kremsmünster ein frühbarockes Kleid, als Wiener Bischof begann er, das bischöfliche Palais (Bischofshof) in Wien zu errichten. Als Anton Wolfradt 58-jährig am 1. April 1639 in Wien verstarb, kam wie bei seinem Vorgänger Alexander a Lacu der Tod einer Kardinalsernennung zuvor.


Autor: Johannes Ebner, 2010

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