Forum OÖ Geschichte

Der Martyrertod des hl. Florian


Der Landesheilige Oberösterreichs
Florian, dessen Todestag sich im Jahr 2004 zum 1700. Mal jĂ€hrte, ist im Ostalpenraum wahrscheinlich der bekannteste Heilige. Die hĂ€ufigsten Darstellungen zeigen ihn gekleidet als römischer Soldat oder Ritter, der aus einem KĂŒbel Wasser auf ein brennendes GebĂ€ude schĂŒttet. Vielfach hat er als weiteres Attribut einen MĂŒhlstein, der auf seine Hinrichtung hinweist. Als Schutzheiliger gegen Feuer- und Wassergefahren ist er u.a. Patron der Rauchfangkehrer, Hafner, Bierbrauer und der Feuerwehren.

Der Heilige lebte in der römischen Provinz Noricum an der österreichischen Donau und hier werden drei Orte mit ihm besonders in Verbindung gebracht: Ovilavis (Wels) als möglicher Dienstort, Cetium (St. Pölten) als Wohnort Florians nach seiner Pensionierung und Lauriacum (Enns/Lorch) als Ort seines Martyriums.

Christenverfolgungen
Der hl. Florian als erster und einziger namentlich bekannter und historisch fassbarer frĂŒhchristlicher Martyrer auf dem Gebiet des heutigen Österreich, wurde wĂ€hrend der letzten und grĂ¶ĂŸten Christenverfolgung der Antike hingerichtet. Die von den Kaisern Diocletian und Maximian durchgefĂŒhrten umfangreichen Reformen des Römischen Reiches waren begleitet von einer Art religiöser Restauration. Das als staatsbĂŒrgerliches LoyalitĂ€tszeugnis angesehene und geforderte Opfer an die Reichsgötter und die Kaiser lehnten die Christen freilich als unvereinbar mit ihrem Glauben ab. Das erste gegen die Christen gerichtete Edikt vom 23. Februar 303 befahl die Zerstörung der Kirchen, die Auslieferung der christlichen BĂŒcher und die Entfernung aller Christen aus dem Staatsdienst. Das zweite und dritte Dekret betrafen die Angehörigen des Klerus. Sie sollten eingesperrt und zum Opfer gezwungen werden. Der vierte Erlass vom Februar oder MĂ€rz 304 wandte sich dann gegen alle glĂ€ubigen Christen: er verordnete Opferzwang fĂŒr alle. Wenn das verlangte Opfer verweigert wurde, drohten Folter und Bergwerksarbeit oder Hinrichtung. Diocletian hatte diese Anordnung auf seiner Reise von Oberitalien auf die Balkanhalbinsel veröffentlichen lassen, das erklĂ€rt die rasche Umsetzung in diesem Gebiet, wie die zahlreichen Martyrien des Jahres 304 zeigen. Da die beiden Kaiser am 1. Mai 305 zurĂŒcktraten, kann mit gutem Recht 304 als Todesjahr Florians erschlossen werden.

Die lateinischen Texte einer Passio (Leidensgeschichte) und eines Elogiums (Eintragung am entsprechenden Todestag) im Martyrologium Hieronymianum berichten ĂŒber sein Martyrium. Die ZuverlĂ€ssigkeit dieser Quellen und die historische Existenz Florians wurden um 1900 vehement bestritten, stehen heute aber außer Zweifel.

Passio Floriani – Die Leidensgeschichte des hl. Florian
„Als in jenen Tagen der Befehl der gotteslĂ€sternden Kaiser nach Noricum ripense gekommen war, das unter der Verwaltung des praeses Aquilinus stand, begab sich dieser in das Lager Lauriacum und begann sogleich energisch Christen aufzuspĂŒren. Vierzig dieser Heiligen wurden ergriffen, gefoltert und in den Kerker geworfen.“

Der Statthalter kam also, wohl aus Ovilavis, nach Lauriacum und leitete persönlich die Untersuchung beim Vorgehen gegen die Christen. Ob tatsÀchlich vierzig wegen ihres Glaubens in Haft genommen wurden, ist unsicher, die Zahl könnte ebenso nur symbolisch aufzufassen sein. Es ist anzunehmen, dass es sich um Bewohner der Stadt Lauriacum oder deren Umgebung gehandelt hat.

„Der in (oder vielleicht besser bei) der Stadt Cetium lebende Florianus, er war ex principe officii, hörte von den Ereignissen in Lauriacum. [
] Er verabschiedete sich von den Seinen, machte sich auf den Weg“ und begab sich dorthin, um den Christen beizustehen.

Der Titel des ĂŒber den ungefĂ€hr hundert Beamten der zivilen Statthalterkanzlei stehenden höchsten Zivilverwaltungsbeamten der Provinz Noricum ripense war princeps officii praesidis. Florian war der Formulierung der Passio zufolge ein nicht mehr im Amt befindlicher Vorstand der Kanzlei des praeses. Die dort mit Verwaltungsaufgaben beschĂ€ftigten Beamten kamen aus den Truppeneinheiten der Provinz. Das trifft wohl auch auf Florian zu. Vor seiner TĂ€tigkeit als „Landesamtsdirektor“ wird er in einem der Kastelle oder im Legionslager von Lauriacum seinen Dienst, bestimmt aber nicht als einfacher Soldat, getan haben. Meist wurden die Truppen aus den Provinzen, in denen sie stationiert waren, ergĂ€nzt, somit könnte Florian aus Noricum stammen. Doch lĂ€sst sich ĂŒber seine Herkunft nichts sagen. Es ist anzunehmen, dass sich Florian aufgrund seiner frĂŒheren hohen Stellung in der Verwaltung erhoffte, etwas fĂŒr die in Lauriacum eingesperrten Christen erreichen zu können. Doch darin hatte er sich grĂŒndlich getĂ€uscht.

„Als er aber in die NĂ€he von Lauriacum gekommen war und die BrĂŒcke, auf der man den Fluss zu ĂŒberschreiten pflegte, betreten hatte, begegnete er seinen ehemaligen MilitĂ€rkameraden. 
 Er sagte zu ihnen: Auch ich bin ein Christ. Geht zum Statthalter und meldet ihm, dass ich Christ bin und dass ich da bin.“

Um weitere Christen aufzuspĂŒren hatte der praeses Soldaten der legio II Italica ausgeschickt. Nachdem Florian sich ihnen als Christ zu erkennen gegeben hatte, nahmen sie ihn fest und fĂŒhrten ihn zum Statthalter. Aquilinus forderte Florian zunĂ€chst wohlwollend zum Opfer auf, damit er nicht mit den VerĂ€chtern der kaiserlichen Befehle gestraft werde. Da er das aber entschieden ablehnte, ließ ihn der praeses mit KnĂŒppeln schlagen und ihm mit spitzen Eisen die SchulterblĂ€tter brechen, doch Florian bekannte sich weiter zum christlichen Glauben.

Schauplatz dieser dramatischen Ereignisse könnte prinzipiell das Forum von Lauriacum gewesen sein, das im Bereich des heutigen Friedhofs um die Basilika St. Laurenz zu lokalisieren ist. Wahrscheinlich fand das Verhör jedoch im ZentralgebĂ€ude des Legionslagers statt. Die ausfĂŒhrlichen Dialoge dieses Abschnittes der Passio und die Gebete sind nicht authentisch, sondern typische Elemente der hagiographischen AusschmĂŒckung.

„Schließlich verurteilte ihn der Statthalter zum Tod, indem er anordnete, Florian am 4. Mai zum Ennsfluss zu fĂŒhren und von der BrĂŒcke zu stĂŒrzen. Sie banden einen Stein um seinen Hals. Nach einem langen Gebet stĂŒrzte ihn ein junger Mann von der EnnsbrĂŒcke in den Fluss, wobei ihm die Augen brachen, was alle Umstehenden sahen.“ Das Urteil wurde demnach unverzĂŒglich vollstreckt. Die Todesart ist fĂŒr die diocletianische Verfolgung nicht ungewöhnlich, im pannonischen Raum gibt es Parallelen. Auf diese Weise sollten die Körper gĂ€nzlich verschwinden, die Verehrung der Martyrer an ihren GrĂ€bern damit verhindert werden.
Als Ort der Hinrichtung Florians ist die römische BrĂŒcke ĂŒber die Enns genannt, die sĂŒdlich der heutigen EisenbahnbrĂŒcke lokalisiert werden kann.

Die Schilderung von Auffindung und Beisetzung des Heiligen ist legendenhaft mit Wundern ausgeschmĂŒckt. Florian erschien einer Frau namens Valeria und sie bestattete ihn wegen der heftigen Christenverfolgung heimlich und in großer Eile an einem versteckten Ort. Ob der Leichnam Florians tatsĂ€chlich gefunden wurde, ist fraglich, da er mit einem Stein um den Hals in die Enns gestĂŒrzt worden war.
Der Tradition nach erhebt sich die heutige Basilika St. Florian ĂŒber seinem Grab.

Das Ende der Christenverfolgungen
Bereits sieben Jahre nach dem Tod Florians endeten die Christenverfolgungen. Kurz vor seinem Tod hob Kaiser Galerius am 30. April 311 alle Maßnahmen gegen die Christen auf und erließ ein Toleranzpatent. Zwei Jahre spĂ€ter erklĂ€rten die Kaiser Constantin und Licinius in der sogenannten MailĂ€nder Übereinkunft das Christentum zur religio licita, zur erlaubten, staatlich anerkannten Religion. Dieses Ereignis wird als constantinische Wende bezeichnet: bisher verboten und verfolgt, wurden die Christen nun den anderen Religionsgemeinschaften rechtlich gleichgestellt, in der Folge immer mehr begĂŒnstigt.

40 namenlose Martyrer
Im Zuge von Renovierungsarbeiten der St. Laurentius-Kirche in Lorch wurde am 12. Oktober 1900 in der Mensa des heute nicht mehr bestehenden gotischen Hochaltares eine schmucklose Steinkiste aus heimischem Sandstein entdeckt, die neben menschlichen Knochen auch Tierknochen und Holzkohle beinhaltete, die ein nur mehr fragmentarisch erhaltenes Gewebe bedeckte. Die Gebeine wurden, da es sich nicht nachweisen ließ, dass es sich tatsĂ€chlich um Reliquien handelt, auf Anordnung des Linzer Diözesanbischofs Franz Doppelbauer aus dem Altar entfernt und am Friedhof begraben. Nach einer erneuten Bergung 1944 ruhten sie hinter dem Marienaltar im sĂŒdlichen Seitenschiff der Laurentius-Kirche im antiken Steintrog. Die von mindestens 31 Personen stammenden Langknochen wurden als Überreste der 40 namenlosen Martyrer, der GefĂ€hrten des hl. Florian gedeutet, und befinden sich seit 1968 im neuen Hauptaltar der St. Laurenz-Basilika in Enns-Lorch.

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