Forum OÖ Geschichte

Ars Electronica Festival


Am 18. September 1979 fand im Rahmen des Internationalen Brucknerfestes zum ersten Mal das Ars Electronica Festival statt, das mit der ersten Linzer Klagwolke zu Anton Bruckners 8. Symphonie eröffnet wurde.

Die Idee und das Konzept zum neuen Ars Electronica Festival entstand in Kooperation von Brucknerhaus – LIVA mit dem damaligen Chef Dr. Horst Stadlmayr, dem Intendanten des ORF-Landesstudios Oberösterreich Dr. Hannes Leopoldseder, dem Elektronikmusiker Hubert Bognermayr, dem Musikproduzenten Ulli A. RĂŒtzel sowie dem Autor und Wissenschaftler Herbert W. Franke. Bereits am Beginn standen die wesentlichen inhaltlichen SĂ€ulen des neuen Festivals fest: Kunst, Technologie und Gesellschaft und deren Stellung zueinander.
Gerade die neuen digitalen Medien, welche die Kunst zu beeinflussen begannen, und das sich aufgrund revolutionĂ€rer Informationstechnologien neu entwickelnde Kommunikationsmodell gaben die Impulse fĂŒr das weltweit einzigartige Festivalformat.

Suche nach kultureller IdentitÀt
Dabei bildete die Ars Electronica einen Meilenstein bei der Suche nach der kulturellen IdentitĂ€t der Industriestadt Linz. Wichtige Impulse kamen zuvor vom Bau des Linzer Brucknerhauses, aber auch von der 1968er-Bewegung, forderten doch die Jugendlichen der Stadt eine Öffnung der sich nicht gerade innovativ gebĂ€rdenden Linzer Kulturszene. Die „Crossover-Initiative“ der Linzer Stadtwerkstatt, gegrĂŒndet 1979, sowie der seit 1984 existierende Posthof entstanden aus diesem Umfeld heraus.

„Forum Metall“
Als einer der VorlĂ€ufer der Ars Electronica kann das „Forum Metall“ gelten, welches 1977 ins Leben gerufen wurde. Dabei wurden im Linzer Donaupark Metallskulpturen von international renommierten KĂŒnstlern aufgestellt. Mit dieser Freiluftausstellung, die im Wesentlichen bis heute besteht, sollte das gerade in Linz vorhandene Spannungsfeld zwischen Industrie und Kunst sinnfĂ€llig zum Ausdruck gebracht werden. Markantestes Objekt dabei war die so genannte Linzer Nike, die am GebĂ€ude der Linzer KunstuniversitĂ€t am Hauptplatz von der Architektengruppe Hausrucker & Co. installiert wurde. Die Skulptur sorgte fĂŒr große Aufregung und wurde zwei Jahre spĂ€ter abgebaut. Dennoch wurde sie zu einem wichtigen Markenzeichen des Ars Electronica Festivals.

Kunst und Gesellschaft
1980 wurde das Konzept der Ars Electronica als Technologiefestival mit den Schwerpunkten Kunst und Gesellschaft konkretisiert, wobei eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Zukunft stets ein Anliegen war.

FĂŒnf zentrale Aspekte lassen sich dabei herausschĂ€len, wobei in den ersten Jahren der inhaltliche Schwerpunkt auf der Musik lag:

   

Soziokulturelle Animationsprojekte, z. B. Stahlsymphonie von Klaus Schulze (1980) mit musikalisch aufbereiteten Aufnahmen von ArbeitsgerĂ€uschen aus der VÖEST, die 1982 am Hauptplatz uraufgefĂŒhrte Linzer Stahloper von Giorgio Battistelli, die weiterhin veranstaltete Klangwolke oder Mach-Mit-Konzerte (z. B. 1982)

 

Elektronische Musikperformances und der „Große Preis“ der Ars Electronica

 

Workshops und Symposien, die aktuelle Themenfelder im wissenschaftlichen Kontext abhandeln und sich differenziert mit der Zukunft beschÀftigen sollten

 

Ausstellungen

 

Schachcomputer-Weltmeisterschaften in Linz

 

Eine wichtige Neuorientierung des Festivals fand 1986/87 statt, als Peter Weibel zum kĂŒnstlerischen Berater des Festivals bestellt wurde. So war ab 1987 jedes Festival einem eigenen Thema gewidmet. Ein Schwerpunkt verlagerte sich zu Symposien, die sich vermehrt mit dem theoretischen, kĂŒnstlerischen und philosophischen Umfeld der Computerkultur auseinandersetzten. In dieser Zeit begann sich das Festival auch zusehends international zu etablieren. Weibel wirkte bis 1995, seit 1996 leitet Gerfried Stocker, der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Ars Electronica Center, das Ars Electronica Festival kĂŒnstlerisch.

Die bisherigen Themen des Ars Electronica Festivals:

Jahr

Thema

1987

Der freie Klang

1988

Kunst der Szene

1989

Im Netz der Systeme

1990

Digitale TrÀume, virtuelle Welten

1991

Out of Control

1992

Endo Nano

1993

Genetische Kunst, kĂŒnstliches Leben

1994

Intelligente Ambiente

1995

Welcome to the Wired World

1996

Memesis

1997

Flesh-Factor

1998

Infowar

1999

Life Science

2000

Next Sex

2001

Takeover

2002

Unplugged

2003

Code – The Language of our Time

2004

Timeshift – The World in 25 Years

2005

Hybrid – Living in Paradox

2006

Simplicity – The art of complexity

2007

Goodbye Privacy

Großer Preis
Der Große Preis entwickelte sich aus der Tatsache heraus, dass die Ars Electronica schon in ihren Anfangsjahren Auftragswerke vergab, welche sich mit der IdentitĂ€t von Linz als Kultur- und Industriestadt auseinandersetzen sollten. Zudem sollte der im Rahmen des Festivals ausgeschriebene Preis gewĂ€hrleisten, den direkten Anschluss an die Kunstschaffenden nicht zu verlieren, die den Computer als universelles Gestaltungsmedium ihrer Arbeit einsetzen.

Schwerpunkt elektronische Musik
Zu Beginn stand vor allem die Musik – elektronische Instrumente und Computermusik – im Zentrum, wobei die Topstars aus der Szene der elektronischen Musik prĂ€sent waren. In diesem Umfeld entstand eine „Kunst fĂŒr alle“ in Form von Angeboten zum Mitmachen, (Klang-) Installationen bzw. Klang erzeugenden Musikinstrumenten u. v. m. Interessierte sollten an neu kreierte Musikinstrumente herangefĂŒhrt werden. Der dafĂŒr vergebene Preis stand unter einem bestimmten Thema und wurde jĂ€hrlich zuerkannt.

Inhaltliche Neuorientierung
1984 wurde der Große Preis zum letzten Mal fĂŒr das originellste Klanginstrumentarium der Computermusik vergeben, da sich die Computertechnologie rasant verĂ€nderte und Softworte zur Klangrealisation immer mehr den Markt zu dominieren begann. Außerdem wurde die Konzentration auf Klang erzeugende Instrumente als inhaltliche EinschrĂ€nkung des Kunstfestivals gesehen. Der Preis wurde aus dem Gesamtkonzept der Ars Electronica herausgenommen und vermehrt auf die Aspekte der Computerkunst und die (von der Computerentwicklung erfasste) Videoszene bezogen. 1986 fanden im ORF Landesstudio in Linz auch erstmals Computerkulturtage statt.

Prix Ars Electronica
1987 wurde schließlich vonseiten des ORF-Landesstudios Oberösterreich begonnen, den internationalen Prix Ars Electronica ins Festival einzubringen. Obwohl im Umfeld der Ars Electronica initiiert, bestand der Prix als eigenstĂ€ndige BeschĂ€ftigung mit der Computerkultur in den Bereichen Computergrafik, -musik und -animation. Als Auszeichnungen wurden drei Goldene Nicas verliehen.

Aufgrund der hohen Dynamik der Medienkunst wurden und werden die Kriterien fĂŒr die Kategorien den aktuellen gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen entsprechend immer wieder angepasst, um den neuen Anforderungen entsprechen zu können.

1990 kam beim Prix Ars Electronica die Sparte Interaktive Kunst dazu, 1995 wurde der Bereich Grafik als „abgeschlossen“ bezeichnet und durch die Kategorie World Wide Web, 1997 durch die Kategorie .net ersetzt. Heute zĂ€hlen die Kategorien .net und Digital Musics zu den Königsdisziplinen.
Auch die Jugend wird mit der seit 1998 verliehenen Goldenen Nica in der Kategorie U19 eingebunden.

Heute bildet der Prix Ars Electronica gemeinsam mit dem Festival Ars Electronica, dem Ars Electronica Center und dem Ars Electronica Futurelab die SĂ€ulen der Ars Electronica Linz GmbH. Der Prix wird gemeinsam von der 1995 gerĂŒndeten Ars Electronica Center (AEC) Betriebsgesellschaft mbH, dem ORF Oberösterreich und dem Brucknerhaus Linz in Zusammenarbeit mit dem OK Offenes Kulturhaus veranstaltet – 1997 wurde in Kooperation mit dem Prix Ars Electronica auch erstmals eine umfassende Ausstellung im Offenen Kulturhaus in Linz prĂ€sentiert. Die Goldenen Nicas werden jĂ€hrlich innerhalb des Festivals Ars Electronica im Rahmen einer Gala vergeben. Der Prix Ars Electronica ist eine der wichtigsten Auszeichnungen fĂŒr KreativitĂ€t und Pioniergeist im digitalen Medienbereich.

Zurzeit wird er in folgenden Kategorien vergeben:

   

Interactive Art

 

Digital Musics

 

Hybrid Art

 

Digital Communities

 

u19 – freestyle computing

 

Media.Art.Research Award

 

Ars Electronica Center (AEC)
Am 19. MĂ€rz 1992 beschloss die Stadt Linz den Bau des Ars Electronica Centers als „Museum der Zukunft“, das neue MaßstĂ€be bei der Vermittlung von Kunst und Technologie setzen sollte, sowie als international orientiertes Medienquartier. Im Oktober 1993 erfolgte der Spatenstich, 1996 die Eröffnung. 2007 wurde einer großer Umbau sowie eine großzĂŒgige Erweiterung des AEC begonnen. Am 2. JĂ€nner 2009 wurde das runderneuerte und großzĂŒgig ausgebaute Haus als eine der Attraktionen des EuropĂ€ischen Kulturhauptstadtjahres eröffnet.
Im AEC „Museum der Zukunft“ werden vor allem interaktive Installationen prĂ€sentiert, die aus einer kĂŒnstlerisch motivierten Herangehensweise resultieren. Dabei legt man auch Wert auf eine altersgerechte Vermittlungsarbeit.

Das im AEC ansĂ€ssige Futurelab hat sich zur Aufgabe gemacht, die neuen Spannungsfelder zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft zu bearbeiten und in dieser Kreativwerkstatt das Analytische und Experimentelle eines Labors mit dem KĂŒnstlerisch-Kreativen eines Ateliers zusammenzufĂŒhren, wovon zahlreiche Projekte zeugen. Dies entspricht auch der Tendenz seit den 1990er Jahren sich im Rahmen des Ars Electronica Festivals von Großereignissen abzuwenden und vielmehr eine ganzjĂ€hrige PrĂ€senz des Unternehmens zu gewĂ€hrleisten.

Klangwolke

Die Klangwolke stand am Beginn der Ars Electronica und sollte dem Festival besondere Aufmerksamkeit verleihen. Die Verbindung zwischen dem Ars Electronica Festival und dem Linzer Brucknerfest mit der Klangwolke ist bis heute geblieben.

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Die Klangwolke stand am Beginn der Ars Electronica und sollte dem Festival besondere Aufmerksamkeit verleihen. Die Verbindung zwischen dem Ars Electronica Festival und dem Linzer Brucknerfest mit der Klangwolke ist bis heute geblieben.
WĂ€hrend 1979 die Musik vom Band kam, wurde bereits 1980 ein Konzert des Bruckner Orchesters unter Theodor Guschlbauer live aus dem Brucknerhaus ins Freie ĂŒbertragen. Das Spielen der Musik Bruckners im Rahmen der Klangwolke fĂŒhrte anfangs zu Diskussionen ĂŒber das Demokratisieren von klassischer Musik. Kann Bruckners Musik fĂŒr Menschen aufgefĂŒhrt werden, die im Donaupark flanieren? Nicht unerheblich war dabei das Auftreten der Wiener Philharmoniker unter Lorin Maazel, die 1982 Bruckners Musik zur Klangwolke zu Gehör brachten und damit viel zur Akzeptanz der AuffĂŒhrung klassischer Musik im Rahmen der Klangwolke beitrugen. Gerade diese kulturelle Großveranstaltung kann in Linz wohl auch als ein wichtiges Element im Bereich ‚Kultur im öffentlichen Raum’ und InterdisziplinaritĂ€t gelten.

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Der Text wurde auf Basis von Peter Kramls Beitrag ĂŒber die AnfĂ€nge der Ars Electronica bis zum Jahre 2000 verfasst (Siehe Literatur).

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