Bauernaufstände in Oberösterreich – Einleitung


Oberösterreich kann als das Land der Bauernkriege bezeichnet werden. In der historischen Literatur gilt das Land ob der Enns als jene Region, aus der zwischen dem späten Mittelalter und dem frühen 19. Jahrhundert die größte Zahl derartiger Auseinandersetzungen bekannt ist. Für den Zeitraum von 1356 bis 1849 hat man mindestens 62 Auseinandersetzungen zwischen den bäuerlichen Untertanen und ihren Obrigkeiten gezählt, davon allein 14 Erhebungen im 16. Jahrhundert. Besonders blutig waren die Kämpfe des Jahres 1626.
Das Umschlagen von hinhaltendem Widerstand zu offener Revolte konnte viele Ursachen haben. Immer aber stand dahinter, dass sich die Bauern in ihren tradierten Rechten beschnitten fühlten. Während die meisten Forderungen der Bauern die als ungerecht empfundenen Abgaben, Steuern und Robotleistungen sowie die Freiheit der Religionsausübung betrafen, vertraten manche Bauernführer doch auch ein revolutionäres Programm: die Neugestaltung der Staatlichkeit, die Abschaffung der weltlichen Obrigkeit der Geistlichen, die Reform der Gerichtsbarkeit sowie der Armenfürsorge und die Einschränkung der großen Kapitalisten. In der Zeit der Reformation spielten auf jeden Fall auch religiöse Motive eine nicht unwesentliche Rolle, vor allem der Aufstand des Jahres 1626 war primär gegen die harten Maßnahmen im Zuge der Gegenreformation gerichtet. So darf die forcierte Rekatholisierung der weitgehend protestantischen Bevölkerung ab dem Ende des 16. Jahrhunderts sogar als unmittelbarer Auslöser der Erhebungen gelten. Und die bayerische Besatzung im Land ob der Enns ab dem Jahr 1620 tat ein Übriges.
Im Hinblick auf die Ständelehre, die ihre Bedeutung bis zum Ende des 18. bzw. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht wesentlich eingebüßt hatte, stellten Revolten jedweder Art aber ein Auflehnen gegen die göttliche Ordnung dar und waren somit verwerflich.


Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Landa, 2010

 

 

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