Forum O√Ė Geschichte

St√§dtegr√ľndungen und -erweiterungen des Mittelalters in Ober√∂sterreich


Nach dem römischen Abzug im 5. Jahrhundert wanderten die Baiern in den Bereich des heutigen Oberösterreichs ein und vermengten sich dort mit der ansässigen Bevölkerung. Die bairische Neubesiedelung und Herrschaftsbildung ging friedlich vor sich. Ortsnamen, die auf -ing und/oder mit einem Personennamen enden, gelten als typisch bairische Ortsnamen: Schärding (Scardo), Leonding (Liutmunt) oder Hörsching (Herigis).
Im späten 10. Jahrhundert verdichtete sich das Ortsnetz im gesamten Alpenvorland. Manche Gegenden waren genauso dicht besiedelt wie heute, allerdings konnten sich in den folgenden Jahrhunderten nur die wenigsten Siedlungen bemerkenswert vergrößern.

Die sp√§teren wichtigen St√§dte des Hoch- und Sp√§tmittelalters hatten im Fr√ľhmittelalter eine verh√§ltnism√§√üig geringe Bedeutung: Enns und Steyr befanden sich beide an der Reichsgrenze und wurden fr√ľh befestigt. Linz scheint im 10. Jahrhundert als offizieller Marktort und Zollstation auf. Wels, eine ehemalige r√∂mische Provinzhauptstadt, verlor stark an Bedeutung. Die heutigen St√§dte Braunau, Eferding, Freistadt, Gmunden, Sch√§rding und V√∂cklabruck waren im Fr√ľhmittelalter durchwegs recht unbedeutende Siedlungen.

Das 12. und vor allem das 13. Jahrhundert brachten eine Welle von Stadtgr√ľndungen mit sich. Beim Neu- und Ausbau von Siedlungen und St√§dten gab es aber oft erhebliche Probleme und Schwierigkeiten. Zun√§chst musste die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Rohstoffen sichergestellt werden. Die entsprechenden Arbeiten mussten vom Grundherrn finanziert, organisiert und √ľberwacht werden. Neu angelegte Stadt- und Marktsiedlungen besa√üen neben der √ľblichen zentralen Wirtschafts- auch eine Wehrfunktion. Die gr√∂√üere Zahl von B√ľrgern, die hier Besitz und Heimat hatten, garantierte eine st√§rkere Verteidigungskraft als die relativ geringe Besatzung einer Burg.

Unter den Babenbergern bl√ľhten zuerst St√§dte im heutigen Nieder√∂sterreich auf (Krems, Tulln, St. P√∂lten und Wien), etwas sp√§ter griff diese Entwicklung auch auf Ober√∂sterreich √ľber (Linz und Wels). Im 13. Jahrhundert erreichte das Wachstum der St√§dte seinen H√∂hepunkt. Auf der einen Seite √§nderte sich das Erscheinungsbild vieler St√§dte erheblich, indem sie mit einer Mauer umgeben und/oder erheblich erweitert wurden, auf der anderen Seite wurde ihr rechtlicher Status festgelegt (Stadtrecht, Privilegien [Privileg = Sonder-, Vorrecht]). F√ľr diese Bl√ľtezeit der St√§dte war vor allem die Tatsache entscheidend, dass die Babenbergerherz√∂ge die wichtigsten Orte in ihre Hand bekamen und somit vor allem unter Herzog Leopold VI. eine entscheidende F√∂rderung einsetzen konnte.

In Oberösterreich kann man diese Entwicklung besonders gut am so genannten Städteviereck nachvollziehen: 1212 wird Enns das Stadtrecht verliehen, Wels wird 1222 zur Stadt, Linz und Steyr werden 1236 bzw. 1252 civitas (Stadt) genannt. Diese Stadtrechtsurkunden regelten viele Fragen des städtischen Rechts, der Verfassung und der Verwaltung. Die Städte im Donauraum erreichten in dieser Zeit auch jene Bevölkerungszahl, die oftmals bis zum Beginn der so genannten industriellen Revolution im 19. Jahrhundert erhalten blieb.

Im 14. Jahrhundert gab es in den meisten St√§dten Ober√∂sterreichs neben dem Stadtrichter, der vom Stadtherren eingesetzt wurde, einen Stadtrat. Dieser bestand aus acht oder zw√∂lf Personen (abh√§ngig von der Stadtgr√∂√üe). Sp√§ter ging aus diesem Rat der B√ľrgermeister hervor. Stadtrichter und Stadtrat √ľbernahmen wichtige Aufgaben. Auch einige Bereiche der Rechtsprechung wurden den St√§dten √ľbertragen. Erstmals wurde es auch einfachen B√ľrgern m√∂glich, hohe politische √Ąmter zu bekleiden.

Handwerker und B√ľrger schlossen sich zu Z√ľnften bzw. Zechen zusammen, um ihre Anliegen und Forderungen besser durchsetzen zu k√∂nnen. Dar√ľber hinaus errichtete man Spit√§ler, Siechenh√§user und Stadtschulen. Die Stadt verstand sich also als Gemeinschaft, die bestm√∂glich f√ľr jeden einzelnen B√ľrger sorgte.

Alle der sieben so genannten landesf√ľrstlichen St√§dte ‚Äď Freistadt, Linz, Wels, V√∂cklabruck, Gmunden, Steyr und Enns ‚Äď hatten im 15. Jahrhundert ca. 2000 Einwohner und besa√üen eine √§hnliche wirtschaftliche Bedeutung. Erst mit der Erhebung von Linz zur Hauptstadt des F√ľrstentums ob der Enns 1490 √§nderte sich diese Situation. Zuvor suchten politische Unruhen und kriegerische Auseinandersetzungen das heutige Ober√∂sterreich heim: Hussitenkriege in B√∂hmen, Erbstreitigkeiten im Hause Habsburg und Grenzstreitigkeiten mit den Ungarn. Die St√§dte gewannen in dieser unruhigen Zeit aufgrund ihrer guten Befestigungen an Bedeutung. Stadtmauer und Burg bildeten den Kern der Stadtbefestigungen und wurden regelm√§√üig repariert und ausgebaut. Kaiser Friedrich III., der Ende des 15. Jahrhunderts l√§ngere Zeit in Linz residierte, kam den wichtigen St√§dten finanziell recht entgegen, was zu einer sehr positiven Entwicklung der ober√∂sterreichischen St√§dte f√ľhrte.

 

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