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Stationen im Leben Adalbert Stifters


Oberplan und KemsmĂŒnster (1805–1826)

Adalbert Stifter, geboren am 23. Oktober 1805 in Oberplan (heute: HornĂ­ PlanĂĄ, Tschechische Republik), war das erste von fĂŒnf Kindern der Eheleute Magdalena (geb. Friepes), Tochter eines Oberplaner Fleischhauers, und des FlachshĂ€ndlers Johann Stifter. Die Lebensgrundlage der Familie bildeten der Flachshandel und eine kleine Landwirtschaft, in der die Großeltern mitarbeiteten. Neben dem Besuch der Schule half der lebhafte und aufgeweckte Bub auf den Feldern mit.
Am 21. November 1817 wurde der Vater wĂ€hrend einer GeschĂ€ftsfahrt von einem umstĂŒrzenden Wagen erschlagen. Dieses UnglĂŒck erschĂŒtterte den 12-JĂ€hrigen so sehr, dass er nicht mehr weiterleben wollte. Plötzlich war Adalbert fĂŒr das wirtschaftliche Überleben der Familie mitverantwortlich. Dass er trotz der prekĂ€ren wirtschaftlichen Lage in das Gymnasium des Stiftes KremsmĂŒnster eintreten konnte, verdankte er der Beharrlichkeit des Friepes-Großvaters.
Stifter bewĂ€hrte sich als ausgezeichneter SchĂŒler und neben der humanistisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung lernte er eine neue Seite der Natur kennen: Im Kontrast zum kargen Waldland seiner Oberplaner Heimat breitet sich um KremsmĂŒnster ein weithin fruchtbares Bauernland aus, das allmĂ€hlich in die Vorberge der Alpen ĂŒbergeht. Diese Landschaft wurde neben dem Böhmerwald zum Schauplatz mehrerer seiner ErzĂ€hlungen.

Wien und Friedberg (1826–1848)

In Oberplan und KremsmĂŒnster war Stifter in feste Ordnungen eingebunden. Auf ein Leben in der Großstadt war er aber nicht vorbereitet. In den ersten Wiener Jahren bot das Jusstudium, das allerdings seinen Neigungen nicht entsprach, einen gewissen Halt. Mit mehr Anteilnahme hörte er Vorlesungen ĂŒber Mathematik, Physik und Astronomie, was nicht zuletzt der Persönlichkeit des aus Friedberg stammenden Professors Andreas von Baumgartner (1793–1865) zu verdanken war.
Trotz einer umfangreichen HauslehrertĂ€tigkeit, die den Lebensunterhalt sichern musste, versuchte sich Stifter schon wĂ€hrend des Studiums als Landschaftsmaler, verfasste Gedichte und las Jean Paul (1763–1825).

Im Sommer 1827 lernte der Fanny Greipl (1808–1839), die Tochter eines wohlhabenden LeinwandhĂ€ndlers aus Friedberg, kennen. Die zuerst als Freundschaft angebahnte, aber bald zur leidenschaftlichen Liebe gesteigerte Beziehung wurde wegen der UnschlĂŒssigkeit Stifters, sich ernsthaft um einen bĂŒrgerlichen Beruf zu bewerben, von den Eltern des MĂ€dchens unterbunden.
Doch Stifter warb, obwohl er in Wien seit lĂ€ngerer Zeit in ein LiebesverhĂ€ltnis mit der Putzmacherin Amalia Mohaupt (1811–1883) verstrickt war und ihr die Ehe versprochen hatte, am 20. August 1835 in einem Bekenntnisbrief noch einmal vergeblich um Fanny. Die unerreichbare Fanny – sie hatte 1836 einen Beamten geheiratet und starb 1839 bei der Geburt ihres ersten Kindes – wurde Stifters „ewige“ Geliebte und lebt in der Literatur weiter. Amalia wurde 1837 Stifters Ehefrau, die ihm den Haushalt fĂŒhrte.

Die Liebe zu Fanny und die gleichzeitige Beziehung zu Amalia wurden begleitet von Freundschaften Stifters zu um mehrere Jahre jĂŒngeren Adeligen. Stifter schrieb an sie mehrseitige schwĂ€rmerische Briefe im Stile Jean Pauls und schuf sich in einem unaufhörlichen Schreibprozess eine Welt, in der er sich aufgehoben fĂŒhlte. Trotz dieser schriftstellerischen Ambition verstand er sich zu dieser Zeit aber noch als Landschaftsmaler, verkaufte Bilder an Bekannte und beteiligte sich 1839 mit fĂŒnf GemĂ€lden an der „Akademie-Jahresausstellung“.

Erst 1840 trat er mit der ErzĂ€hlung Der Condor an die Öffentlichkeit. Er hatte Erfolg und publizierte nun Jahr fĂŒr Jahr in Zeitschriften, TagebĂŒchern und Almanachen; er wurde stĂ€ndiger Autor des vornehm ausgestatteten Taschenbuches Iris, herausgegeben von Gustav Heckenast. Insgesamt erschienen von April 1849 bis Oktober 1848 vierundzwanzig ErzĂ€hlungen.
Gleichzeitig zu den aktuellen Neuerscheinungen in Journalen wurden die schon bekannten ErzĂ€hlungen fĂŒr eine Buchausgabe mit dem Titel Studien umgearbeitet. Daneben ĂŒbernahm Stifter die Redakteursstelle fĂŒr den von Heckenast geplanten Sammelband Wien und die Wiener und schrieb dafĂŒr neben einer Vorrede dreizehn BeitrĂ€ge.

Stifters finanzielle Lage verbesserte sich zusehends und so bestand die Aussicht, sich als freier Schriftsteller erfolgreich zu behaupten, zumal er auch außerhalb Österreichs bekannt geworden war. Zudem war er ein angesehener Hauslehrer, der einen Sohn Klemens von Metternichs unterrichtete. Stifter etablierte sich in Wiener KĂŒnstlerkreisen, wurde mit Franz Grillparzer (1719–1872) bekannt, verkehrte im literarischen Salon der Baronin Henriette Pereira (1780–1859) und Betty Paoly (1814–1894) fĂŒhrte ihn in das Haus der FĂŒrstin Maria Anna Schwarzenberg (1768–1848) ein.

Obgleich Stifter gemeinsam mit den Dichtern Franz Grillparzer (1791–1872), Nikolaus Lenau (1802–1850), Anastasius GrĂŒn (1806–1876) und Friedrich Halm (1806–1871) eine Eingabe fĂŒr Pressefreiheit und Milderung der Zensur unterschrieb und die Ereignisse der Revolution im MĂ€rz 1848 mit Begeisterung begrĂŒĂŸte, beunruhigte ihn bald die Rhetorik der Journalisten, die er fĂŒr demagogisch hielt. Im weiteren Verlauf der Revolution sah er dann nur mehr einen Ausbruch sinnloser Gewalt und einen Aufstand des Pöbels.

Linz (1848–1868)

Die Sommermonate 1845 bis 1847 hatte Stifter in Linz verbracht. Reisen nach Oberplan und ins Salzkammergut bzw. nach Hallstatt brachten ihm Anregungen fĂŒr die ErzĂ€hlung Der beschriebene TĂ€nnling (die in Oberplan spielt) und fĂŒr die ErzĂ€hlung Der Heilige Abend (bekannt geworden unter dem Namen Bergkristall). Im Mai 1848 zog sich Stifter aus dem unruhigen Wien erneut nach Linz zurĂŒck und mietete eine Wohnung in einem 1844 erbauten Haus an der DonaulĂ€nde. Was als Provisorium gedacht war, blieb der Wohnsitz Stifters bis zu seinem Lebensende. Heute ist in diesem Haus das Adalbert-Stifter-Institut untergebracht.

Zur Sicherung seines Lebensunterhaltes ĂŒbernahm Stifter fĂŒr den liberal gesinnten oberösterreichischen Landesstatthalter Alois Fischer (1796–1883) journalistische Arbeiten, redigierte die Amtliche Linzer Zeitung und machte mit einer Artikelserie ĂŒber Schule und Erziehung als PĂ€dagoge auf sich aufmerksam. Da er schon in Wien im Kreise der Schulreformer bekannt war, wurde ihm die Stelle eines Inspektors der oberösterreichischen Volksschulen zugesprochen. Die definitive Ernennung traf allerdings erst 1850 ein. Das hatte unangenehme Folgen: Stifter wollte in seinem Lebensstil nicht hinter den bĂŒrgerlichen Honoratioren der Stadt zurĂŒckstehen und gab dafĂŒr so viel Geld aus, dass das endlich ausbezahlte Beamtengehalt die inzwischen angehĂ€uften Schulden nicht abdecken konnte. Finanzielle Miseren wurden fortan sein stĂ€ndiger Lebensbegleiter.

Als Stifter endlich seine TĂ€tigkeit als Schulrat aufnehmen konnte, bemĂŒhte er sich mit Erfolg um die Verbesserung der Lehrerausbildung und der -besoldung. Er erreichte die Renovierung oder den Neubau von SchulhĂ€usern, grĂŒndete und organisierte die Oberrealschule in Linz (heutiger „Nachfolger“ BRG Fadingerstraße) und legte zahlreiche VorschlĂ€ge zur Verbesserung des Unterrichts vor. Doch 1855 erhielt die Kirche wieder die Oberaufsicht ĂŒber das Schulwesen, wodurch Stifters TĂ€tigkeitsbereich empfindlich eingeschrĂ€nkt wurde. Zudem entzog man ihm die Aufsicht ĂŒber die Realschule und ein zusammen mit Johannes Aprent (1823–1893) zusammengestelltes Lesebuch wurde nicht approbiert. Die nun ungebliebte AmtstĂ€tigkeit ließ fĂŒr die schriftstellerische Arbeit weniger Zeit, als Stifter ursprĂŒnglich gedacht hatte; dazu kamen das Amt des oberösterreichischen Landeskonservators – hier setzte er sich fĂŒr die Renovierung des gotischen Altars in Kefermarkt ein – und seine AktivitĂ€ten im Oberösterreichischen Kunstverein.

Witiko
und die spĂ€ten ErzĂ€hlungen (vor allem die Erweiterung der ErzĂ€hlung Die Mappe meines Urgroßvaters) wurden einem von stĂ€ndiger Geldknappheit, von Krankheit und EnttĂ€uschungen heimgesuchten Leben abgerungen. Schon 1850/51 sah sich Stifter auch zu seinem Nachteil gezwungen, die Rechte fĂŒr die Studien und Bunte Steine zu verkaufen. StĂ€ndig auf VorschĂŒsse von noch nicht abgeschlossenen oder nur geplanten Werken angwiesen, hoffte er auf einen Lotteriegewinn und spekulierte verlustreich mit Aktien.
Reizbarkeit, Unbeherrschtheit beim Essen und Trinken, UnglĂŒcks- und TodesfĂ€lle verdunkelten den Linzer Alltag, der auch durch eine finanziell aufwĂ€ndige Reise nach Triest – Stifter begeisterte sich dort beim Anblick des Meeres – nicht aufgehellt werden konnte. Dem Ehepaar Stifter gelang es auch nicht, die Ziehtochter Juliane – eine Nichte Amalias – in die Familie zu integrieren. Bereits 1851 unternahm sie einen Fluchtversuch; 1859 verließ sie das Haus und wurde vier Woche spĂ€ter tot aus der Donau geborgen.

Stifter erkrankte, sein unheilbares Leiden konnte durch drei Kuren in Karlsbad und durch Aufenthalte in der Einsamkeit in LackenhÀuser (Bayerischer Wald) und in Kirchschlag nur gemildert, aber nicht geheilt werden.
In seinen letzten Lebensjahren verwendete Stifter einen großen Teil seiner Energie fĂŒr seitenlange Briefe an Amalia. Er schrieb sie fĂŒr eine Veröffentlichung, in der er das Bild eines sorgenden Ehemannes in idealer Übersteigerung zeichnete und ein Familienheil beschrieb, das ihm im Leben versagt war.

Der durch eine Grippe geschwÀchte Dichter durchschnitt sich mit dem Rasiermesser den Hals und starb zwei Tage spÀter am 28. JÀnner 1868.

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