Forum OÖ Geschichte

Die Geschichte der Literatur in Oberösterreich. Von den AnfÀngen der deutschsprachigen Literatur bis ins 21. Jahrhundert


Das forum oö geschichte bietet einen Themenrundgang zur Musikgeschichte Oberösterreichs. Nach dessen Ausarbeitung entstand der Plan, der Musik- eine kleine Literaturgeschichte Oberösterreichs folgen zu lassen, die einen kompakten Überblick ĂŒber die Entwicklung der deutschsprachigen Dichtung von ihren AnfĂ€ngen im frĂŒhen Mittelalter bis zur Gegenwart gibt.
Konzipiert wurde der Rundgang in enger Kooperation mit dem StifterHaus. Zentrum fĂŒr Literatur und Sprache in Oberösterreich. In der Folge haben sich 22 Germanistinnen und Germanisten zusammengefunden, um dieses Vorhaben umzusetzen.

1500 Jahre Literaturgeschichte
Die AnfĂ€nge der Literaturproduktion liegen in den Klöstern des Landes und gerade Oberösterreich kann auf eine stattliche Zahl solcher geistlichen und spirituellen Zentren verweisen. Bei diesen literarischen AnfĂ€ngen handelte es sich vorerst um Glossen und punktuelle EintrĂ€ge in lateinischen Handschriften, sukzessive etablierte sich eine eigene religiöse Literatur, nicht nur, aber besonders in Latein. Doch im Laufe des Mittelalters begann sich auch eine profane Dichtung zu entwickeln. Im oberösterreichischen Raum ist hier u. a. der so genannte DonaulĂ€ndische Minnesang zu erwĂ€hnen. Die immer selbstbewusster auftretenden Laien schufen in weiterer Folge primĂ€r fĂŒr einen stĂ€dtischen Rezipientenkreis bestimmte Literatur, wenngleich im Land ob der Enns wenige urbane Zentren im eigentlichen Sinne bestanden. So sind hierzulande auch Spuren des Meistersanges evident.

Die beginnende Neuzeit brachte vermehrt wissenschaftliche Werke hervor und Linz wurde, dank des kaiserlichen Hofes, zu einem Tummelplatz humanistisch Gebildeter. In der Folge der Reformation, die in Oberösterreich besonders viele AnhĂ€nger gewann, wurde die protestantische Landschaftsschule zu einem wichtigen Bildungszentrum im Land. Die Gegenreformation machte das Land wieder katholisch. Nun sollten die Menschen zum „wahren“ Glauben zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Gerade das barocke Drama bzw. das Schultheater verdankt diesem Umstand seine Verbreitung. Auf das Zeitalter des Barock folgte die AufklĂ€rung mit der Betonung der Vernunft.

Die AufklĂ€rung lĂ€utete auch den Übergang zur Literatur des 19. Jahrhunderts ein, die von einer Vielfalt an unterschiedlichen Strömungen geprĂ€gt war. Viele dieser in der Literaturgeschichte erwĂ€hnten Richtungen –  wie Klassik sowie zuvor Sturm und Drang oder die Romantik – sind hierzulande aber nicht evident. Dennoch spielte sich das literarische Leben in Oberöstereich nicht völlig abseits der großen „BĂŒhne“ ab; so sind in den hier entstandenen Werken zweifelsohne EinflĂŒsse des Biedermeier oder des Realismus auszumachen.
In dieser Zeit wirkte auch der wohl bedeutendste Literat Oberösterreichs: Adalbert Stifter.
Zudem entwickelte sich besonders ab dem 19. Jahrhundert eine reiche Tradition an Mundartdichtung.
Die zweite HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet von Literatur im Spannungsfeld zwischen Konservativismus und Liberalismus und war beeinflusst von deutschnationaler Gesinnung. Dagegen sorgten literarische GĂ€ste fĂŒr den Kontakt zur literarischen Welt „draußen“ und Strömungen wie Symbolismus oder Expressionismus.

In der Zeit des Nationalsozialismus fanden sich unter den Schriftstellerinnen und Schriftstellern zahlreiche AnhĂ€nger dieser menschenverachtenden Ideologie. Die Jahre nach 1945 brachten aber auch im Bereich der Literatur keine eindeutige ZĂ€sur, sondern ein weiteres Wirken von Dichtern, die mit dem Nationalsozialismus sympathisieren. Dennoch oder gerade deshalb setzten sich in der Folge völlig neue Strömungen durch: So stand die Dichtung im Spannungsfeld zwischen „TrĂŒmmerliteratur“ und Traditionalismus und brachte etwa auch sprachexperimentelle Phasen. Die Literatur um 2000 kennzeichnet nun ein breites Spektrum von halbdokumentarischer ErzĂ€hlprosa bis zur Wiederkehr des Mythischen.

Forschung und Vermittlung
Nicht vergessen werden dĂŒrften die Literaturwissenschaft sowie die Vermittlung von Literatur aus und in Oberösterreich, der sich u. a. mehrere Autorenvereinigungen widmen. Als ein wichtiges Zentrum zur Literatur- und Sprachforschung in Oberösterreich hat das StifterHaus einen fixen Platz gewonnen. Nicht zuletzt erfĂŒllen hier auch die Bibliotheken als „Literaturspeicher“ eine wichtige Funktion.

Alle diese Aspekte kommen im literturgeschichtlichen Themenrundgang zur Sprache, wobei diese primĂ€r anhand einzelner dichterischer Persönlichkeiten aufgezeigt werden, die exemplarisch fĂŒr ihre Zeit und ihr literarisches Umfeld stehen. Umfangreiches Bildmaterial und ausgewĂ€hlte Textbeispiele sowie zahlreiche Literatur- und Linktipps runden die Darstellung ab.

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