Die wichtigsten Stationen im Leben Anton Bruckners


Anton Bruckner wurde am 4. September 1824 in Ansfelden als Sohn des dortigen Schulmeisters Anton (1791–1837) und dessen Frau Theresia (geb. Helm, 1801–1860) geboren. Das dörfliche Lehrermilieu mit den üblichen Verbindungen zur Kirchenmusik sowie die besonders nach dem Tod des Vaters finanziell angespannte Lebenssituation waren frühe Prägungen. Sie schlugen sich nicht bloß in der ersten Berufswahl nieder, sondern bestimmten auch Bruckners Verhältnis zu Karriere, Ruhm und Geld in späteren Jahren.

Sängerknabe in St. Florian
Nach dem Unterricht in Orgelspiel und Generalbass bei seinem Cousin und Firmpaten Johann B. Weiß in Hörsching wurde Bruckner 1837 im Stift St. Florian als Sängerknabe aufgenommen, wo er unter anderem Orgelunterricht von Anton Kattinger erhielt. Dieser Ortswechsel bedeutete eine Horizonterweiterung im räumlichen – architektonische „Weite“ in Bezug auf die Symphonik – und geistigen Sinne sowie eine Vertiefung des katholischen Glaubens, die sich später auch im kompositorischen Schaffen auf semantischer Ebene äußern sollte.

Lehrerberuf
Der Familientradition folgend schlug Bruckner die Schullaufbahn ein, besuchte in den Jahren 1840/41 die Linzer Präparandie (Lehrerbildungsanstalt), an der Johann August Dürrnberger als Musiktheoretiker wirkte, und begann in den Dörfern Windhaag bei Freistadt und Kronstorf als Schulgehilfe. In Windhaag konnte er praktische Erfahrungen im Kirchendienst und in der Volksmusik („Tanzlgeig’n“) sammeln. In diese Zeit fielen außerdem seine ersten kirchlichen Gebrauchskompositionen, unter ihnen die Windhaager Messe in C-Dur und zwei Asperges (Gesänge zum Versprengen des Weihwassers). In der Handschrift des ersten notierte er zum ersten Mal: „Anton Bruckner m.p.ria. Comp[onist]“. Diese Selbsteinschätzung stand in direktem Zusammenhang mit dem Unterricht in Klavier, Orgel und Musiktheorie bei Leopold von Zenetti in Enns, der seinen Schüler mit den Wiener Klassikern und Schubert vertraut machte und ihn gezielt auf eine Tätigkeit als Organist vorbereitete.

Zweiter Aufenthalt in St. Florian
Die Konkursprüfung in Linz ermöglichte Bruckner ab Herbst 1845 eine Stelle als Lehrer in St. Florian. Daneben bildete er sich konsequent weiter, so erhielt er 1850 provisorisch die Stelle des Stiftsorganisten. In der Wiener Piaristenkirche Maria Treu legte Bruckner vor Ignaz Assmayr, Simon Sechter und Gottfried Preyer 1854 erfolgreich eine Orgelprüfung ab; im Jahr darauf begann er sein „Fernstudium“ bei Sechter. Zugleich absolvierte er die Hauptschullehrerprüfung in Linz. Aber auch die kompositorische Tätigkeit kam in der zweiten St. Florianer Zeit nicht zu kurz (Requiem d-Moll, Missa solemnis b-Moll).

Domorganist in Linz
Nach zwei Probespielen in Linz wurde Bruckner im Januar 1856 als Dom- und Stadtpfarrorganist definitiv angestellt. Das neue Umfeld bot ihm vielfältige Impulse. Neben Erfolgen als Kirchenkomponist – besonders hervorzuheben ist die Uraufführung der Messe d-Moll 1864 – standen Erfahrungen mit dem Musiktheater (besonders das Erlebnis Richard Wagner), die Chortätigkeit bei der Liedertafel Frohsinn, aber ebenso weitere musikalische Studien. Nach dem Abschluss des Unterrichts bei Simon Sechter studierte Bruckner bei Otto Kitzler, der Richard Wagners Tannhäuser in Linz zur Erstaufführung brachte. Unter Kitzlers Anleitung versuchte sich der junge Komponist in symphonischen Formen (u. a. Studiensymphonie f-Moll).

Von 1863 bis 1865 war Ignaz Dorn Bruckners neuer Lehrer, der ihn endgültig für die Musik der „neudeutschen“ Richtung (Richard Wagner, Franz Liszt) gewann. Dorn bekräftigte den symphonischen Weg und verfolgte die Arbeit an der Ersten Symphonie mit (1866). Bruckner trat in dieser Zeit ebenso mit Gebrauchsmusik für Männerchor hervor.

Kuraufenthalt in Bad Kreuzen
1867 geriet Bruckner aufgrund jahrelanger beruflicher Anspannungen und Interessenskonflikten bezüglich des Karriereverlaufs, vielleicht auch in Verbindung mit einem abgelehnten Heiratsantrag, in eine ernste Nervenkrise, die einen Aufenthalt in der Kuranstalt Bad Kreuzen notwendig machte. Unmittelbar nach seiner Rückkehr begann er seine Arbeit an der Messe f-Moll, mit der er eine neue Form der symphonisch dimensionierten Kantatenmesse vorlegte. Zugleich war diese Messe ein wichtiges Dokument auf seinem künstlerischen Weg nach Wien.

Hoforganist und Professor in Wien
Mit der 1868 erfolgten Ernennung zum „exspectirenden k. k. Hoforganisten“ und dem Anstellungsdekret als Professor für Harmonielehre, Kontrapunkt und Orgelspiel am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde hatte Bruckner einen Status erreicht, der ihm nun seinen „Lebensberuf als Symphoniker“ (Eigenzitat) ermöglichen sollte. Wenn auch in den frühen Wiener Jahren die Organistentätigkeit im Vordergrund stand, widmete er sich trotz umfangreichen Arbeitspensums (Privatunterricht, Funktionen in der Hofmusikkapelle, Auftritte in England und Frankreich als Orgelimprovisator) immer mehr dem symphonischen Schaffen. Hiefür kehrte er als Ferienkomponist im Sommer immer wieder nach Oberösterreich zurück, denn im Stadtpfarrhof Steyr fand er die notwendige Abgeschiedenheit. Daneben hielt er sich regelmäßig im Stift St. Florian auf und war familiär mit Vöcklabruck verbunden, da seine Schwester Rosalia den dortigen Stadtgärtner Johann Nepomuk Hueber geheiratet hatte.

Internationaler Durchbruch
Mit der erfolgreichen Uraufführung der Siebenten Symphonie 1884 in Leipzig gelang Bruckner der internationale Durchbruch. Hatten der Lehrauftrag für Harmonielehre und Kontrapunkt an der Wiener Universität (1875) und die Ernennung zum wirklichen Hofkapellmitglied (1878) wichtige Stationen in der Künstlerkarriere bedeutet, stellte die Verleihung des Ehrendoktorates der Wiener Universität (1891) zweifelsfrei einen Höhepunkt dar. In den späten Jahren konnte sich der Komponist auf Grund finanzkräftiger Förderer sowie Ehrengaben von öffentlicher Seite verstärkt auf sein Schaffen konzentrieren und erhielt mehrere Auszeichnungen (u. a. Ritterkreuz des Franz-Josephs-Ordens, Ehrenmitgliedschaften von Vereinen, Ehrenbürgerschaft von Linz).

Beisetzung in St. Florian
Bruckner starb am 11. Oktober 1896 in Wien im „Belvedere-Stöckl“ und wurde vier Tage später wunschgemäß im Stift St. Florian in der Gruft unterhalb der Orgel beigesetzt.

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