Der Hausruck als Grenze - Einleitung


"Landler/Bandler - Innviertler/Rindviertler"


Sonderausstellung im Kulturgut Hausruck
in Kooperation mit der OÖ. Landesausstellung 2012
6. Mai bis 4. November 2012

kuratiert von Mag. Irene und Christian Keller


Innviertler und Hausruckviertler, beide Bewohner desselben Bundeslandes Oberösterreich, und doch spürt man selbst heute noch in Bemerkungen über den "Anderen" oft Vorbehalte und Vorurteile. Redet man mit älteren Menschen aus der Hausruckregion, so wissen sie meist viel zu erzählen von spektakulären Raufereien und von Spottversen, die man gegeneinander gesungen hat. Wenn eine von drüben einen von herüben heiratete, warnte man meist vor unliebsamen Charaktereigenschaften der oder des Auserwählten. Dies ist auch heute noch so, wie wir aus Erfahrung berichten können, auch wenn die Warnungen heute vielleicht nicht mehr so ganz ernst gemeint sind.

Auch wenn es vielen nicht mehr bewusst ist, zwischen Innvietel und Hausruckviertel bestand über lange Zeit eine Grenze und Grenzen setzen sich immer im Bewusstsein der Menschen fest, lassen den Anderen zum Fremden, Gefährlichen, "Ausgegrenzten" werden.

600 Jahre lang war der Hausruck Grenze zwischen Bayern und Österreich und zuvor trennte er den Traungau vom Mattig- und Rotagau. Viele blutige Auseinandersetzungen prägten die Geschichte der Menschen auf beiden Seiten des Hausrucks und verschärften die Gegensätze zwischen ihnen immer mehr. Die verschiedene Geschichte bildete unterschiedliche Charaktereigenschaften bei den Menschen aus, die auch nicht verschwanden, als 1779 das Innviertel zu Österreich kam.

Diese erste Ausstellung des Vereins "Kulturgut Hausruck" soll die wechselvolle Geschichte der Hausruckregion und ihrer Bewohner erzählen, die "Hassliebe" zwischen Inn- und Hausruckviertlern verständlich machen und zeigen, dass die unüberwindbarsten Grenzen nicht zwischen den Ländern, sondern in unseren Köpfen verlaufen.

Irene und Christian Keller

Aus dem Vorwort zur Begleitpublikation "Keller, Irene und Christian: Der Hausruck als Grenze. Auszug aus der Geschichte des ehemaligen Grenzgebietes Bayern/Österreich. Begleitkatalog zur Ausstellung "Landler/Bandler - Innviertler Rindviertler. Der Hausruck als Grenze" im Kulturgut Hausruck und "Burgen, Kriege, Landgericht", im Schloss Starhemberg in Kooperation mit der Oberösterreichischen Landesausstellung 2012. Ried im Innkreis 2012."


"Der Hausruck als Grenze" - Ausstellungsdokumentation im forum oö geschichte

Bereits die zweite von Mag. Irene und Christian Keller aus Geboltskirchen kuratierte Ausstellung ist es nun, die wir im forum oö geschichte im Rahmen einer Dokumentation im Digitalen Ausstellungsarchiv Oberösterreich archivieren und präsentieren dürfen. Für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung bei der Aufbereitung der Materialien möchten wir uns ganz herzlich bedanken!

Die Ausstellung "Der Hausruck als Grenze" im Kulturgut Hausruck widmete sich dem Thema der Grenze sowohl aus historischer Perspektive, als auch aus aktueller Sicht. Und in keiner oberösterreichischen Region scheint dieses Thema gewichtiger zu sein als in der wechselhaften Grenzregion von Bayern und Österreich, wo sich die staatliche Zugehörigkeit erst herausprägen musste bzw. sich mehrmals änderte.

Dass derartige Prozesse keineswegs friedlich verlaufen, steht außer Frage, jedoch lässt sich kaum die Grausamkeit und Erbittertheit der Kampfhandlungen erahnen, die in dieser Region schon vom Mittelalter bis zur Landwerdung Oberösterreichs und darüber hinaus belegt sind: Immer wieder kam es zu gegenseitigen Einfällen, Eroberungen und Verwüstungen zwischen Oberösterreichern und Bayern und umgekehrt - mit vielen Opfern auf beiden Seiten.

In der frühen Neuzeit folgten zahlreiche Aufstände der lutherischen Bauernschaft gegen die religiöse Unterdrückung und bayerische Besatzung, deren bekanntester – jedoch bei weitem nicht Einziger – als der „Oberösterreichische Bauernkrieg 1626“ in die Geschichte einging. Weitere Kriege folgten mit dem Spanischen und dem Österreichischen Erbfolgekrieg im 18. Jahrhundert, über die wir interessante Details vor allem durch die Niederschriften von Johann Georg Adam von Hoheneck kennen. An Oberösterreich fiel der überwiegende Teil des Innviertels, der ursprünglich zu Bayern gehörte, erst im Zuge der Beendigung des Bayerischen Erbfolgekrieges mit dem Frieden von Teschen im Jahr 1779.

Aber noch ein weiteres Mal kam es zu einer Veränderung: Nach den Franzosenkriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Innviertel und ein Teil des Hausruckviertels 1810 erneut dem bayerischen Gebiet zugeschlagen. Erst 1816 kam das Innviertel im Zuge der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress endgültig zum Kaisertum Österreich.

Diese laufenden Grenzverschiebungen, die natürlich auch in entsprechenden Befestigungs- und Verteidigungsanlagen ihren baulichen Niederschlag fanden, sind auch in zahlreichen zeitgenössischen Karten und Plänen dokumentiert, die in der Ausstellung zu sehen waren.

Vor allem aber auch bei den Menschen haben diese Grenzverschiebungen und -konflikte ihre Spuren hinterlassen, wobei der Dialekt eines der augenscheinlichsten Merkmale ist, an dem Trennendes festgeschrieben wird. Aber auch in den Hofformen und der Tracht lassen sich Eigenschaften festmachen, die eher typisch innviertlerisch bzw. bayerisch oder typisch hausruckviertlerisch sind. All diese Aspekte wurden in der Ausstellung "Landler/Bandler - Innviertler/Rindviertler | Der Hausruck als Grenze" reflektiert und luden zur Auseinandersetzung ein.

Der letzte Raum der Ausstellung lebte vorwiegend von gestalterischen Elementen, die den Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern verdeutlichen sollten, dass sich die Grenzen vorwiegend in den Köpfen der Menschen - als Ausdruck der Angst vor Fremdem, Unbekanntem - abspielen und diese sich oft nur schwer zu durchbrechen sind.

Elisabeth Kreuzwieser, im Dezember 2016


Dokumenation zur Ausstellung "Landler/Bandler - Innviertler/Rindviertler. Der Hausruck als Grenze" im Kulturgut Hausruck und Schloss Starhemberg, in Kooperation mit der OÖ. Landesausstellung 2012.

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