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12. Februar 1934

Hotel Schiff – 12. Februar 1934


Um 7 Uhr morgens versucht eine Polizeieinheit im Hinterhof des Hotels Schiff an der Landstraße in Linz, wo sich die Zentrale der Sozialdemokratischen Partei Oberösterreichs befindet, eine Waffensuche durchzuführen, gerät aber in das MG-Feuer aus einem Fenster im ersten Stock. Gleichzeitig dringen zwei Kriminalbeamte in die Räumlichkeiten ein und verhaften mit Richard Bernaschek den Landesleiter des Schutzbundes und zwei weitere Führungspersönlichkeiten. Sein engster Vertrauter Otto Huschka wird an der Promenade verhaftet. Damit ist der Schutzbund schon am Beginn der Kämpfe geschwächt. Bernaschek kann zuvor darüber noch seine Einheiten telefonisch alarmieren. Somit werden die am Vortag bereitgestellten Waffen an den vorgesehenen Positionen aus den Verstecken ausgegeben. Am Tag davor informiert Bernaschek mittels Briefkurier die Wiener Parteileitung, dass er bei weiteren Waffensuchen Widerstand leisten wird und ersucht, dass sich auch die Wiener auf einen vereinbarten Nachrichtentext hin anschließen und den Generalstreik ausrufen mögen.

Richard Bernaschek

geb. 1888 in Budapest, gest. 1945 im KZ Mauthausen

geb. 1888 in Budapest, gest. 1945 im KZ Mauthausen
Stammt wie sein Bruder Ludwig, der von 1945 bis 1969 Landeshauptmannnstellvertreter war, aus einer politisch aktiven Familie. 1900 kommt er nach Linz, lernt das Schlosserhandwerk und tritt bald der Sozialdemokratischen Partei bei. Nach dem Fronteinsatz und italienischer Kriegsgefangenschaft kehrt er 1919 nach Linz zurück und wird hier die „rechte Hand“ von Richard Strasser, dem Organisator des zunächst (1917) noch illegalen Arbeiterrates, als dessen Landesobmann er 1919 bis 1923 fungiert.
Beim Arbeiterrat führt er bis 1921 die bewaffneten Bataillone, geht anschließend nach Holland und wird 1923 für den Aufbau des Linzer Schutzbundes zurückgerufen. Seit 1926 ist er dessen militärischer Leiter, dann auch Landesleiter. Nach seiner Verhaftung kann Bernaschek bald fliehen. Nach seiner Verhaftung am 12. Februar 1934 gelingt ihm die Flucht nach Deutschland, wo ihn vorübergehend die Ideologie des Nationalsozialismus beeindruckt. Nach einer Odyssee über die Tschechoslowakei, Moskau, abermals Prag und Paris kehrt er 1939 nach Linz zurück und ist hier im Widerstand tätig. Unter dem Verdacht, am Hitler-Attentat 1944 beteiligt zu sein, wird er verhaftet, in das KZ Mauthausen gebracht und dort am 18. April 1945 ermordet.


Der Rest ist Österreich. Geschichte der Republik. Ausstellung im Nordico. Museum der Stadt Linz vom 3. Februar-18. April 2010

   

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