Kirchenpolitisches Konzept Kaiser Joseph II. („Josephinismus“)


Entstehung von Landesbistümern
Wesentliches Moment der josephinischen Reformen waren die Schaffung von Landesbistümern und unter anderem die Gründung der Diözese Linz (einschließlich des Innviertels) in den Jahren 1783/85 durch die Abtrennung vom Bistum Passau nach mehr als 1000-jähriger enger Verbindung. Der erste Linzer Diözesanbischof war Ernest Johann N. von Herberstein (1783/85–1788).

Klosteraufhebungen
Nach diesem herben Schnitt folgte die Reduktion der Klosterlandschaft (im „Klostersturm“ wurden 2/3 der Klöster aufgehoben).

Aufgehobene Männerklöster
Augustiner Chorherren: Suben (1784)
Benediktiner: Gleink (1784), Garsten (1787)
Zisterzienser: Baumgartenberg (1784), Engelszell (1786)
Minoriten: Enns (1784), Wels (1784), Linz (1784)
Franziskaner: Grein (1784), Pupping (1785)
Kapuziner: Ried i. I. (1784), Braunau (1785), Freistadt (1785), Linz-Urfahr (1785), Wels (1785), Steyr (1786)
Paulaner: Oberthalheim (1784)
Dominikaner: Münzbach (1784), Steyr (1785)
Aufgehobene Frauenklöster
Dominikanerinnen: Windhaag b. Perg (1782)
Cölestinerinnen: Steyr (1782)
Ursulinen: Steyr (1784)

Die Cölestinerinnen und Ursulinen in Steyr sind nur als eine Niederlassung zu werten, da erstere zunächst auf die Regel der Ursulinen verpflichtet und dann doch aufgehoben wurden.

Dem Klostersterben fielen in der Folge zum Opfer
Augustiner Chorherren: Waldhausen (1792), Ranshofen (1811)
Benediktiner: Mondsee (1791)
Kapuziner: Schärding (1813)

Unter Joseph II. kam es mit der Errichtung von cirka 120 neuen Pfarrsprengeln zu einer starken Verdichtung des Pfarrnetzes und einer entsprechenden Ausstattung mit Personal und Finanzmitteln der aufgehobenen Klöster (staatliches Interesse an Schule, Armenwesen und Matrikenführung [Dokument: 2.000 KB]. Auch das Schulwesen erfuhr Ausbau und Hebung.

Josephs kirchenpolitisches Konzept umfasste weiters die Einschränkung der zahlreichen kirchlichen Feiertage sowie des Aufwandes für den Kult.

Toleranzpatent
Das von Kaiser Joseph II. am 13. Oktober 1781 erlassene Toleranzpatent 1781 erlaubte Protestanten sowie den nicht unierten Griechisch-Orthodoxen die freie Religionsausübung. Zudem durften diese Kirchen und Schulen errichten, wobei die Kirchenbauten über keinen Turm, keine Glocken sowie keinen Eingang von der Straße her verfügen durften. So ermöglichte Joseph II. wieder evangelisches Glaubensleben und somit die Gründung von Pfarren. In Oberösterreich gab es neun „Toleranzgemeinden“: Eferding, Goisern, Gosau, Neukematen, Rutzenmoos, Scharten, Thening, Wallern und Wels.
Mit dem Toleranzpatent beendete der Kaiser die Zeit der Gegenreformation (seit etwa 1600). 1782 erließ Joseph II. zudem ein Toleranzpatent für die Wiener Juden.

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