Die Altsteinzeit in Oberösterreich


Die Menschen kamen aus Afrika. In mehreren Wellen, wie man inzwischen weiß. Die ältesten Funde von Vormenschen stammen aus 4 bis 5 Millionen Jahre alten Erdschichten. Erst für die Zeit vor etwa 30.000 bis 60.000 Jahren sind erste menschliche Spuren in Oberösterreich nachweisbar.

Homo habilis und Homo erectus
Vor 3,7 bis 3,9 Millionen Jahren ging ein erwachsener Vormensch mit einem Kind an der Hand durch die vulkanische Asche Tansanias: Ihre Fußspuren haben sich erhalten. 3,5 Millionen Jahre alt sind die Reste der „Lucy“, die in Äthiopien entdeckt wurden. Vor etwa 2 Millionen Jahren gab es die ersten Menschen, die Steinwerkzeuge herzustellen in der Lage waren. Nach derzeitigem Stand der Kenntnis ist für den Homo habilis („der geschickte/fähige Mensch“, ca. 2,5 bis 1,4 Mio. Jahre vor unserer Zeit) der Gebrauch von Werkzeugen sicher nachgewiesen. Der Homo erectus – dessen Bezeichnung („der aufrechte Mensch“) irreführend ist, da schon seine Vorgänger aufrecht gingen – zählt zu den Frühmenschen.
Die ältesten Funde solcher Frühmenschen sind 1,3 bis 1,8 Millionen Jahre alt. Ihre Ausbreitung erstreckte sich über die gesamte Alte Welt, vom „Pekingmenschen“ im Osten bis zum „Heidelberg- Menschen“ im Westen. Ihr Gehirnvolumen erreichte etwa drei Viertel der heutigen Menschen, war aber um 60 Prozent größer als das eines Homo habilis. Der Homo erectus beherrschte bereits das Feuer. Vor etwa drei bis vier Jahrhunderttausenden wurde er in Europa vom Vorneandertaler abgelöst.

Neandertaler
In der Zeit von ca. 300.000 bis ca. 30.000 vor unserer Zeit lebte von Europa bis in den Mittleren Osten der Neandertaler (Homo Neanderthalensis). Dieser Menschentyp unterschied sich vom modernen Menschen durch den kleineren, aber robusteren Körperbau. Die Neandertaler waren nachweislich in soziale Gefüge eingebunden, bestatteten ihre Toten und stellten qualitativ hochwertige Steinwerkzeuge her.

Was mit dem Neandertaler passiert ist, weiß man nicht. Vom modernen Menschen (Homo sapiens), von dem alle heutigen Menschen stammen, trennte sich seine Entwicklung wohl schon vor mehr als 600.000 Jahren. Ob Vermischungen mit den modernen Menschen, die sich vor 40.000 Jahren (Homo sapiens sapiens) wieder von Afrika aus in Europa auszubreiten begannen und die Neandertaler quer über Europa bis zuletzt Südspanien verdrängten, stattgefunden haben oder aus welchen Gründen der Neandertaler ausgestorben ist, ist unsicher.
Hat der moderne Mensch den Neandertaler ausgerottet? Aufgrund welcher Überlegenheit, wo doch der Neandertaler deutlich robuster gebaut war, kein kleineres Gehirnvolumen besaß und aller Wahrscheinlichkeit nach an das eiszeitliche Klima im Norden besser angepasst gewesen sein müsste als der aus Afrika kommende Homo sapiens sapiens? Vor 27.000 Jahren jedenfalls gab es keine Neandertaler mehr. Derzeit ist ganz unklar, welche Vorgänge dabei eine Rolle spielten und wie die Verbreitung des modernen Menschen vor sich ging. Es gibt viele „missing links“.

Eiszeiten
Vor rund 900.000 Jahren begann eine Periode der Weltgeschichte, die mit den vier Eiszeiten Günz, Mindel, Riß und Würm nur unzulänglich beschrieben wird. Es war eine Abfolge von sehr viel mehr einander abwechselnden Kalt- und Warmperioden. Die letzte Eiszeit, das Würm, begann vor etwa 120.000 Jahren. Ihr war die Riß-Würm-Warmzeit vorausgegangen (130.000 bis 120.000 Jahre vor uns), in der es zu einem plötzlichen Abschmelzen der riesigen, in der Riß-Eiszeit entstandenen Gletscher in Mitteleuropa auf ungefähr das heutige Niveau gekommen war.

Im ersten Abschnitt der darauf folgenden Würm-Eiszeit, der bis vor 65.000 Jahren dauerte, wechselten Kalt und Warmphasen relativ rasch. Während des Mittelwürm, zwischen 64.000 und 31.000 v. Chr., kam es zu einer Warmphase, die nach einem bedeutenden Fundplatz in der der 1950 Meter hoch gelegenen Ramesch-Höhle bei Spital am Pyhrn im Toten Gebirge als Ramesch-Interstadial bezeichnet wird. Dort wurden die bislang ältesten Nachweise von Menschen in Oberösterreich gefunden. Es konnten neben einer Unzahl von Höhlenbärenknochen auch grob zugerichtete Steingeräte sicher gestellt werden, die aus der Zeit von 65.000 bis 30.000 vor unserer Zeit stammen und von Jägern und Sammlern zurückgelassen wurden, die in diese Höhe vorstießen. Es waren Neandertaler, die sich als geschickte Jäger auszeichneten. Höhlenbärenjäger waren sie wahrscheinlich nicht. Der Großteil der Nahrung war wohl pflanzlich und wurde gesammelt. Es war wärmer als heute. Die Baumgrenze lag um mehrere 100 Meter höher als heute.

Als es vor 30.000 Jahren erneut markant kälter wurde, mag das das Ende der Neandertaler bedeutet haben. Zwischen 34.000 und 10.000 v. Chr. währte die bislang letzte große Vereisung, die im Flachland Mitteleuropas die Mammutsteppen entstehen ließ. Um 12.000 bestand die Vegetation in Österreich aus einer baumfreien Tundra. Es war im Jahresmittel um 6 bis 8 Grad kühler als heute. Vor etwa 10.000 bis 12.000 Jahren endete mit der Würm-Eiszeit die bislang letzte große Vereisung. Die Tier- und Pflanzenwelt änderte sich grundlegend. Die Großsäuger, Mammut, Wollnashorn, Riesenhirsch, Ren, Steppenwisent, Moschusochse, Saigaantilope, wanderten ab oder starben aus.

Am Beginn des Spätglazials waren Skandinavien und Finnland noch vollständig von Eis bedeckt. Die Ostsee gab es noch nicht oder sie war völlig vereist. Der Meeresspiegel lag um etwa 90 Meter unter dem heutigen Niveau. Zwischen England und dem Kontinent gab es noch eine Landbrücke. Ab 12.000 v. Chr. begann sich am Südrand des nordischen Eises der baltische Eissee zu bilden. Der Meeresspiegel stieg. Um 7500 v. Chr. entstand eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee. Um 6400 v. Chr. bildete sich der Ärmelkanal.

Dann wurde es allmählich wärmer und milder. Die Gletscher gingen zurück. Eine Kräuter-Grassteppe erstreckte sich über Österreich. Dann bildete sich in der leichten Erwärmung des Spätglazials eine „Parktundra“ mit Kiefern und Birken. Um etwa 8.000 v. Chr., also vor 10.000 Jahren, endete auch bei uns die Eiszeit und das heutige Vegetationsmuster entstand.

Klimawandel

Die nunmehr fast vier Millionen Jahre dauernde Geschichte der Menschheit ist eingebettet in sehr langfristige Klimaschwankungen, in Kalt- und Warmperioden, die mit dem gängigen Begriff „Eiszeiten“ und „Zwischeneiszeiten“ zusammengefasst werden. Die bislang letzte Kaltzeit begann vor ca. 120.000 Jahren. Vor 10.000 Jahren endete der letzte große Vereisungszyklus, der archäologisch mit dem Ende der so genannten Altsteinzeit zusammenfällt. Die Tier- und Pflanzenwelt änderte sich entsprechend den klimatischen Schwankungen.

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Die nunmehr fast vier Millionen Jahre dauernde Geschichte der Menschheit ist eingebettet in sehr langfristige Klimaschwankungen, in Kalt- und Warmperioden, die mit dem gängigen Begriff „Eiszeiten“ und „Zwischeneiszeiten“ zusammengefasst werden. Die bislang letzte Kaltzeit begann vor ca. 120.000 Jahren. Vor 10.000 Jahren endete der letzte große Vereisungszyklus, der archäologisch mit dem Ende der so genannten Altsteinzeit zusammenfällt. Die Tier- und Pflanzenwelt änderte sich entsprechend den klimatischen Schwankungen.
Auf den von einzelnen Baum- und Buschgruppen bewachsenen Steppen, wie sie heute aus dem Bereich der Tundra bekannt sind, lebten Wollnashorn, Riesenhirsch, Ren, Steppenwisent, Pfeifhasen, Wildpferd und Mammut. Während der Warmzeiten boten die dicht bewaldeten Regionen des Flachlands Platz für Biber, Luchs, Waldelefant und Wildkatze. In den Alpen kamen noch Höhlenbär, Murmeltier und Steinbock hinzu.

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Wenige altsteinzeitliche Funde
Dass im Unterschied zu Niederösterreich, wo es mit der Fanny vom Galgenberg und der Venus von Willendorf schon bedeutendste Funde gibt, die an die 30.000 Jahre alt sind, in Oberösterreich die Fundlage erst sehr viel später dichter zu werden beginnt, hängt mit der Eiszeit zusammen. Das Ende der Eiszeit ist die unbekannteste Phase der österreichischen Urgeschichte. Denn das Abschmelzen der riesigen Gletscher führte zu gravierenden topographischen Veränderungen, die fast alles, was Menschen hinterlassen haben könnten, überdeckt oder weggespült haben. Denn Menschen, auch wenn sie in der Eiszeit hier anwesend gewesen wären, hatten in einer Landschaft, wo nach dem Abschmelzen der großen Gletscher riesige Schotterfelder angeschwemmt wurden, anders als in den Terrassen der Wachau kaum die Chance, für uns auffindbare Spuren zu hinterlassen.

Zwei österreichische Highlights

Feuer zu machen war eine große Herausforderung für die Menschheit. Vor über 30.000 Jahren dürfte mit Feuersteinen erstmals Feuer geschlagen worden sein. Am Galgenberg bei Krems wurde ein Unterstand mit Feuerstelle gefunden, etwa eineinhalb Meter davon entfernt eine sieben Zentimeter große anthropomorphe Steinstatuette, die so genannte Venus oder Fanny vom Galgenberg.

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Feuer zu machen war eine große Herausforderung für die Menschheit. Vor über 30.000 Jahren dürfte mit Feuersteinen erstmals Feuer geschlagen worden sein. Am Galgenberg bei Krems wurde ein Unterstand mit Feuerstelle gefunden, etwa eineinhalb Meter davon entfernt eine sieben Zentimeter große anthropomorphe Steinstatuette, die so genannte Venus oder Fanny vom Galgenberg.
Der Prähistoriker Otto Urban sieht in dieser frühesten künstlerischen und weltweit einzigartigen Darstellung aus Österreich eine männliche oder weibliche Figur, die im abgewinkelten Arm eine brennende Fackel hält: die älteste künstlerische Darstellung des Feuers. Die so genannte Venus von Willendorf, gefunden im Jahr 1908 in der Wachau, ist heute in der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien ausgestellt. Die aus Kalkstein bestehende Figur ist 11 cm groß und stellt eine nackte Frau dar, deren Füße nicht gestaltet wurden, ebenso wenig wie ihr Gesicht. Erkennbar ist eine aus parallelen Lockenreihen bestehende Frisur. Wir wissen nicht, welche Vorstellungen und Intentionen vor 25.000 Jahren hinter der sorgfältigen Herstellung und der Verwendung dieser kleinen Figur standen: Jedenfalls ein Schönheitsideal, das, wie noch lange später, mit Wohlbeleibtheit verbunden war.

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Mehr Sammler als Jäger
In der Gamssulzenhöhle im Toten Gebirge wurden etwa 50 Artefakte aus dem Spätglazial gefunden: Knochenspitzen, Bohrer, Kratzer, Stichel und Messer zur Verarbeitung von Jagdbeute. Auch im Nixloch bei Losenstein-Ternberg sind einige Überreste gefunden worden. Die Urzeitmenschen waren wohl mehr Sammler als Jäger.

Altsteinzeitliche Fundorte in Oberösterreich

Die Ramesch-Knochenhöhle im Toten Gebirge gilt als einer der bedeutendsten Fundorte, wenn es um die Erforschung des alpinen Klimas und der Fauna der jüngeren Altsteinzeit geht.

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Die Ramesch-Knochenhöhle im Toten Gebirge gilt als einer der bedeutendsten Fundorte, wenn es um die Erforschung des alpinen Klimas und der Fauna der jüngeren Altsteinzeit geht.
Weitere für diese Fragestellungen wichtige Fundorte des Paläolithikums sind das Nixloch bei Losenstein im Ennstal, die Gamssulzenhöhle bei Windischgarsten und die mittlerweile zerstörte Fundstelle „Heinrichsbruch“ bei Mauthausen. Eine der wenigen altsteinzeitlichen Fundstellen Oberösterreichs, die archäologisches, also vom Menschen stammendes Material zutage brachte, ist die Berglitzl bei Gusen (Bezirk Perg).

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Aneignende Lebensweise
Die charakteristische Lebensweise der damaligen Menschen war es, nicht sesshaft zu sein. Im jahreszeitlichen Rhythmus wurden unterschiedliche Wohnplätze aufgesucht. Gesammelt wurden Pflanzen, Pflanzenteile und kleinere Tiere. Aber auch eine derart aneignende Lebensweise hatte ökologische Auswirkungen; der Urmensch hat manche Tiere ausgerottet und die Flora stärker verändert, als man vermuten würde.

„Jungsteinzeitliche Revolution“
Vor etwa 8000 Jahren begann aber auch bei uns jener Prozess, der im Nahen Osten schon fast vier Jahrtausende früher eingesetzt hatte und der „jungsteinzeitliche Revolution“ genannt wird: der Anfang der Landwirtschaft, also jenes Verhalten, die Produkte, welche die Natur bot, nicht nur zu sammeln und zu jagen, sondern durch ein geplantes Wirtschaften und Arbeiten zu vermehren.

Steinwerkzeuge

Die Menschen der Altsteinzeit bedienten sich verschiedener Werkzeuge aus Holz, Knochen und Stein. Erhalten haben sich aber nur die Steinwerkzeuge, hauptsächlich aus Feuer- und Hornstein, die in Klingenform abgeschlagen wurden.

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Die Menschen der Altsteinzeit bedienten sich verschiedener Werkzeuge aus Holz, Knochen und Stein. Erhalten haben sich aber nur die Steinwerkzeuge, hauptsächlich aus Feuer- und Hornstein, die in Klingenform abgeschlagen wurden.
Steinwerkzeuge zu fertigen, ist einfacher, als man vermuten würde. Aus geeigneten Steinen mit entsprechender Schlagtechnik lassen sich messerscharfe Klingen erzeugen. Zum Schlagen konnten Steine, hartes Holz, Geweih- und Knochenstücke verwendet werden.

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Literatur:

Urban, Otto H.: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs. Wien 2000.

Oberösterreichische Nachrichten, 19. April 2008

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