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Oberösterreicher im Ausland


Oberösterreich war nie ein klassisches Auswanderungsland. Dennoch wurden in der langen Geschichte des Landes zahlreiche Oberösterreicher zur Auswanderung gedrĂ€ngt, von der Not oder dem Traum von einem besseren Leben, und wurden in die Emigration gezwungen und aus der Heimat vertrieben, aus religiösen GrĂŒnden, weil sie ihren evangelischen Glauben nicht aufgeben wollten, aus politischen Ursachen, im VormĂ€rz und nach der Revolution von 1848, oder auch nach dem BĂŒrgerkrieg 1934 und dem 1938, und immer wieder auch, weil sie Juden waren.

„Nur um eines Himmels willen kann man Österreich opfern“, schrieb der aus MĂŒnzbach gebĂŒrtige Geistliche Dr. Josef Salzmann, der 1847 mit anderen oberösterreichischen Priestern nach Wisconsin aufgebrochen war, um sich in der Diözese Milwaukee, deren Bischof in diesem Jahr in Linz zu Besuch gewesen war, an der Seelsorge im Wilden Westen zu beteiligen.

Auswanderung war ein hartes Schicksal, das man nicht so leicht freiwillig auf sich nahm. Der Verlust der Heimat und die Strapazen einer Auswanderung wollte man nur auf sich nehmen, wenn das eigene Land lĂ€ngst zur „Hölle“ geworden war und anderswo ein „Himmel“ lockte, ein irdischer oder ein ĂŒberirdischer. Ökonomischer Druck allein kann die Wanderung nicht erklĂ€ren. Doch auch in die Emigration und Vertreibung aus religiösen und politischen GrĂŒnden spielten immer auch ökonomische Motive hinein.

Judenvertreibungen
Judenvertreibungen sind die Ă€ltesten bekannten FĂ€lle fĂŒr Vertreibungen in Oberösterreich. 1420 kam es in Enns zu einem Judenpogrom, das zur Vertreibung aller Juden aus Linz, Enns, Steyr und Wels fĂŒhrte. 1572 war es wieder so weit, dass die wenigen Juden, die es inzwischen im Lande wieder gab, auf Betreiben der StĂ€nde das Land verlassen mussten. In der riesigen Vertreibungswelle, die mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung verbunden war und in Österreich mehr als 200.000 Juden betraf, von denen etwa 130.000 die Emigration glĂŒckte und mehr als 70.000 umkamen, scheint das Schicksal der etwa 800 in Oberösterreich lebenden Juden nur ein kleines Mosaiksteinchen zu schein. Aber gerade in Oberösterreich wurde die Vertreibung mit großer Eile durchgefĂŒhrt.

Abnahme der Bevölkerung wegen Gegenreformation
Der Religion halber wurden immer wieder Menschen verfolgt und vertrieben, im 14. Jahrhundert die Waldenser aus Steyr und anderen StĂ€dten, nach 1527 die WiedertĂ€ufer und im 17. und frĂŒhen 18. Jahrhundert die Evangelischen. Nach den Siegen des Kaisers in Böhmen in der Schlacht am Weißen Berge und im Oberösterreichischen Bauernkrieg setzte auch in Oberösterreich die Gegenreformation mit voller HĂ€rte ein. Am 26. MĂ€rz 1627 erging der kaiserliche Befehl an alle Beamten der Herrschaften und der StĂ€dte und an die Einwohner der StĂ€dte, katholisch zu werden oder das Land binnen vier Wochen zu verlassen. Ein Monat spĂ€ter stellte Ferdinand II. auch den Adel des Landes vor die Entscheidung, sich zum katholischen Glauben zu bekennen oder innerhalb von drei Monaten auszuwandern. Viele Oberösterreich zogen die Auswanderung dem Religionswechsel vor. Viele gingen nach Schwaben und Franken. An der Auswanderung litten vor allem die StĂ€dte. Steyr, um 1600 die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Österreichs, hatte durch Gegenreformation und Industriekrise mindestens ein Drittel seiner Einwohnerschaft verloren. Ähnlich war die Situation in den anderen traditionellen HandelsstĂ€dten wie Enns, Gmunden oder Wels. Die Rekatholisierung der Bauern, die der Kaiser 1631 befahl, zog sich lĂ€nger hin. Ab 1650 verschĂ€rfte sich das Vorgehen gegen die Bauern. Wer sich nicht zum katholischen Glauben bekannte, sollte das Land sofort verlassen mĂŒssen. Teils hielt sich der evangelische Glaube im Verborgenen. Teils gab es Berufe und Leute, auf die man nicht so leicht verzichten konnte, vor allem im Salzkammergut.

Emigration aus dem Salzkammergut
Erst als im frĂŒhen 18. Jahrhundert die Bevölkerung zuzunehmen begann, glaubte man auch im Salzkammergut hart durchgreifen zu können. Unruhig war das Salzkammergut das ganze frĂŒhe 18. Jahrhundert ĂŒber. Die Protestanten forderten wie in Salzburg PĂ€sse, um ungehindert in die evangelischen Teile des Reichs zu emigrieren. 1734 entschloss man sich zu einem Kraftakt und verpflanzte ca. 620 rebellische Lutheraner in das dĂŒnn besiedelte, von den TĂŒrkenkriegen ausgezehrte SiebenbĂŒrgen. Letztendlich hatten es die Aussiedler doch gut erwischt. Die neuen Gemeinden Neppendorf, Großpold und Grossau blĂŒhten rasch auf. Im Salzkammergut hingegen verschlechterte sich die Situation: Die Hungerjahre 1772 bis 1774 forderten auch im Salzkammergut zahlreiche Opfer. In der 2. HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts hatten hunderte von SalzkammergĂŒtlern ihre Heimat verlassen, um in vielen Teilen der Monarchie als Holzfachleute oder Salinenspezialisten ihre Dienste zu verrichten. Eine Zusammenstellung nennt 26 Orte, in denen Menschen aus Ebensee und dem ĂŒbrigen Salzkammergut eine neue Heimat gefunden hatten: im Ötscher- und Rax-Gebiet ab 1740, Neusohl (heutige Slowakei) und Frauenbach (RumĂ€nien) in den 1750er Jahren, Soovar (Slowakei), Steierdorf (RumĂ€nien), Deutsch-Mokra (Ukraine), Oberwischau (RumĂ€nien), Wielizka (Polen) und Sambor (Polen) in den 1770ern, letztendlich Franzdorf (RumĂ€nien) in den 1790er Jahren. In manchen Gegenden bildeten sich richtige Sprachinseln, die zum Teil bis heute bestehen.

Das „geheiligte Land Amerika
Waren es im 18. Jahrhunderte die Gebiete im SĂŒdosten, wo Platz fĂŒr Auswanderer war, so rĂŒckte im 19. Jahrhundert das Sehnsuchtsland Amerika immer mehr in den Vordergrund: 1844 veröffentliche Adalbert Stifter die Novelle Die drei Schmiede ihres Schicksals: „
 er beschloss nach Texas zu gehen, dort an der Grenze der Wilden eine Niederlassung zu grĂŒnden. 
“. Amerikatexte gibt es von vielen der damaligen Literaten in Oberösterreich: von Julius von der Traun und Franz Stelzhamer und anderen, deren Namen nur mehr Spezialisten gelĂ€ufig sind.

Von den RevolutionĂ€ren des Jahres 1848 gingen eine ganze Reihe nach Amerika, neben den bekannten GrĂ¶ĂŸen Lajos Kossuth, Hans Kudlich und Joseph Goldmark auch einige Oberösterreicher: der aus Spital am Pyhrn gebĂŒrtige Arzt Dr. Ernst Krackowizer, Hauptmann der Wiener Studentenlegion, erwarb sich in New York als Arzt eine sehr angesehen Stellung. Ein Gnadengesuch fĂŒr eine RĂŒckkehr wurde vom Kaiser abgelehnt. Ein anderer war der Journalist Georg Fleischer, der Verfasser der Briefe des Poldl Blitz an seinen Schwager in MĂŒnzbach und Redakteur des radikalen Linzer Revolutionsblattes Der Freie Linzer Postillon. Auch der radikale Kreiswundarzt von Steyr Dr. Friedrich Wilhelm Arming verstarb 1864 ziemlich verbittert als Arzt in Brooklyn.

Auswanderung aus ganz Oberösterreich
Mag sein, dass ein Kontakt zu Pfarrer Salzmann den Innviertler Maler Johann Baptist Wengler dazu antrieb, 1850 ebenfalls nach Milwaukee aufzubrechen, wo er Zeugnisse der indianischen Kultur und des Wilden Westens in heute unschĂ€tzbaren Aquarellen festhielt. 1850 setzte jedenfalls die bedeutendste Zeit fĂŒr die oberösterreichische Amerikawanderung ein, als das Land hinsichtlich der Zahl der Auswanderer fĂŒr einige Zeit gleich hinter Böhmen rangierte. Vom Salzkammergut ausgehend erfasste das Auswanderungsfieber die Bezirke Vöcklabruck und Wels, erst spĂ€ter auch das MĂŒhlviertel. Einige dieser Welser gingen nach Missouri, wo sie im County Cape Girardeau die Kolonie Österreich grĂŒndeten, die spĂ€ter Neu Wels hieß und heute den Namen New Wells trĂ€gt. Waren es anfĂ€nglich vor allem Evangelische, so sahen zunehmend auch Katholiken in der Auswanderung eine Chance, vor allem auch im MĂŒhlviertel.

An den Höhepunkten der österreichischen Auswanderung im ausgehenden 19. Jahrhundert war Oberösterreich nur mehr in geringem Maße beteiligt. Auch in der Zwischenkriegszeit lag Oberösterreich in der österreichischen Auswandererstatistik weit hinten. Es gab aber Ausnahmen: Die Region um Steyr verließen in den frĂŒhen 1920er Jahren zahlreiche Auswanderungswillige, vornehmlich Richtung SĂŒdamerika. Von den etwa 80.000 in der Zwischenkriegszeit ausgewanderten Österreichern entfielen allerdings nur etwa 5000 auf Oberösterreich.

Der Abschied war fĂŒr Auswanderer immer schwer: Man sang die sentimentalen Auswandererlieder, erstickt von den TrĂ€nen des Abschiedsschmerzes. Es begann eine Fahrt in ein ungewisses Schicksal. Die Reise nach Amerika war teuer und lang. Mit dem Dampfschiff war es rascher und bequemer, mit einem Segelschiff war es zwar billiger. Allerdings war neben der langen Dauer und der geringeren Bequemlichkeit auch das Risiko auf den Segelschiffen viel höher. Die Zahl der Todesopfer in StĂŒrmen, SchiffsbrĂ€nden und Seuchen war betrĂ€chtlich. Michael Schaumayr aus Ottnang am Hausruck bezifferte in seinem Brief 1852 die Reisekosten fĂŒr sich und seine Familie von Schwanenstadt ĂŒber Hamburg, New York bis Wisconsin auf rund 320 Gulden. Ein einfacher Industriearbeiter verdiente damals etwa 12 Gulden im Monat. Dazu kamen die ĂŒberall lauernden BetrĂŒger, die einem das wenige Geld allzu leicht abnahmen und die nicht kalkulierbaren MĂŒhen des Neuanfangs.

Ein Brief aus Texas

Der nach Texas ausgewanderte HallstÀtter Salinenarbeiter Josef Kain schreibt 1852:
„[...] Auswandern ist leicht gesagt, aber ausgefĂŒhrt greift es Herz und Nieren an - Auswandern heißt alles verlassen, alles!“

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Der nach Texas ausgewanderte HallstÀtter Salinenarbeiter Josef Kain schreibt 1852:
„[...] Auswandern ist leicht gesagt, aber ausgefĂŒhrt greift es Herz und Nieren an - Auswandern heißt alles verlassen, alles! - Vater und Mutter, Bruder und Schwester und Freund. Alles verlassen, was man in seiner Jugend und die ganze Lebenszeit lieb gewonnen hat und einer unsicheren Existenz entgegengehen, heißt Auswandern. [...] Ein solcher, welcher politisch und religiös zufrieden, und seine Existenz nur einigermaßen gesichert ist, der bleibe zu Hause, Amerika wird ihm die Beschwerden der Reise und was er im Vaterland verlassen muss nicht ersetzen [...] Liebste Ältern [...] ich muss aufrichtig gestehen, als ich diese Zeilen meines Tagebuches durchlas, habe ich bitterlich geweint - ich schĂ€me mich nicht als Mann dieses zu sagen, auch weiß ich nicht, welche GefĂŒhle dieses hervorbrachten, es ist nicht Reue, den Schritt zur Auswanderung getan zu haben.“

Quelle: Sturmberger, Hans: Amerika-Auswanderung.

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Das wichtigste Kommunikationsmedium waren bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg die Briefe. Sie schildern die landwirtschaftliche Lebenswelt, beschreiben Ernteergebnisse, Witterung und Preise. Sie lieferten auch RatschlĂ€ge: welches GepĂ€ck fĂŒr die Reise praktisch sei, was man ĂŒberhaupt mitnehmen solle („das Bare im Sack und der Schutz Gottes im Herzen ist immer das Beste“), welche Farmen zum Verkauf stĂŒnden, was der Boden koste 
 Man riet den noch nicht verheirateten Auswanderern Frauen mitzubringen und die Eheschließung erst in den USA zu planen, wo dies einfacher und billiger sei als in Österreich. Man pries aber auch die Freiheit: Man werde in den USA „nicht wider sein Gewissen zwangsweise zu einer Religion getrieben“. In Amerika herrsche Glaubensfreiheit, sogar Atheismus werde toleriert, obwohl man wisse, dass „von solchen Leuten nichts Gutes zu hoffen sei“.

Abbruch der Kontakte
Als die Auswanderungswelle abebbte, hielt man mit Briefen den Kontakt weiter aufrecht und freute sich, wenn Post von den Verwandten ankam. Mit der Zeit nahm die Dichte der Korrespondenz ab. Mit dem Zweiten Weltkrieg riss ein Großteil der Kontakte ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg schickten viele den österreichischen Verwandten Lebensmittel oder Dinge des tĂ€glichen Bedarfs. Danach schliefen die Beziehungen ein. Schon ab den 1950ern entdeckten jedoch manche die Heimat ihrer Vorfahren neu, gerade solche, die ĂŒber Jahrzehnte schon keinen Kontakt mehr pflegten. Und viele dieser Zeugnisse, die fĂŒr die Erforschung von Auswandererschicksalen von unschĂ€tzbarem Wert sind, schlummern wohl noch in privaten Unterlagen.

Etwa 60 Briefe aus einem Zeitraum von 1853 bis 1940 konnten von Michael Kurz gesammelt werden: Aus den Staaten Kansas, Minnesota, Missouri, Texas, Wisconsin und West-Virginia sind wir ĂŒber das Leben der Auswanderer aus ihrer Korrespondenz informiert.

Ein Brief aus Missouri

Mathias Schattauer, ausgewandert 1865 nach Pocahontas, Missouri, schrieb 1867 an seine Eltern:
„Liebe Ältern, Eier Schreiben habe ich den 18. August richtig erhalten und zu meiner Freide gesehen das ihr ale gesund seid, wie auch ich jetzt wieder gesund bin, den ich habe voriges Monat einige Tage Fieber gehabt, ich hab es wieder schnell los gekriegt mit einem Fieber Stab.“

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Mathias Schattauer, ausgewandert 1865 nach Pocahontas, Missouri, schrieb 1867 an seine Eltern:
„Liebe Ältern, Eier Schreiben habe ich den 18. August richtig erhalten und zu meiner Freide gesehen das ihr ale gesund seid, wie auch ich jetzt wieder gesund bin, den ich habe voriges Monat einige Tage Fieber gehabt, ich hab es wieder schnell los gekriegt mit einem Fieber Stab. Lieber Vater, die Bartlleite sind Ende August angekommen und ich habe die Hosen richtig erhalten, es ist mir ganz recht [...] Äpfel sind nicht viele, der Weizen ist mitlmesig, das Welschkorn ist auch nicht sehr viel, weil es diesen Sommer zu viel an Regen fehlte, auch die Laimerdonileite sind anfangs dieses Monats glĂŒcklich angekommen. [...] auch mach ich eich zu wissen, wie es mit den Schnölleimer stehe, das ist nicht wahr, wie es in Goisern heißt, er sei seinem Weibe davon, aber von Schilcher wissen wir auch nichts, aber die Hauserlenzin ist beim Karl Wallmann. Ich hab des Monats 15 Dolar und Kost bei einem Österreicher mit Namen Gratz er ist von Wels. Nun folgen herzliche GrĂŒĂŸe an eich von Josef Pilz und seinem Weibe [...] und zum Schlusse grĂŒĂŸe ich eich alle recht herzlich. Mathias Schattauer“

Quelle: Kurz, Michael: „Nun ist die Scheidestunde da ...“

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Ein Brief aus West-Virginia

Brief von Katharina Hinterer, geborene GamsjÀger aus West-Virginia 1896:
„Liebe Nachbarin, Franziska Schnöll, den Vater freut es sehr, wen er von Euch einen Brief bekommt, da er dann das alte Goisern sieht ist uns allemal eine große Freude, aber er hat schon öfter das Schreiben probiert und sagt es geht nicht mehr, es sind die Finger zu steif.“

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Brief von Katharina Hinterer, geborene GamsjÀger aus West-Virginia 1896:
„Liebe Nachbarin, Franziska Schnöll, den Vater freut es sehr, wen er von Euch einen Brief bekommt, da er dann das alte Goisern sieht ist uns allemal eine große Freude, aber er hat schon öfter das Schreiben probiert und sagt es geht nicht mehr, es sind die Finger zu steif [...] Letzten Sommer war es sehr trocken, so das sehr wenig Heu wurde, Weizen wurde doch so ziemlich gut, und Korn wurde sehr gut. Auch hatten wir viel Äpfel aber das Vieh war im Herbst sehr billig, das Vieh wird auf die Viehwaage getrieben, 4 bis 5 Ochsen werden auf einmal hineingetrieben und gewogen, fĂŒr 2jĂ€hrige Ochsen 2 Âœ bis 3 Cent das Pfund und wiegen ungefĂ€hr 1000 Pfund einer. [...] Diesen Winter war die Aschermittwoch Woche die kĂ€lteste Zeit des ganzen Winter gewesen, sehr wenig Schnee, keinen Schlitten kann man den Winter nicht brauchen [...] Schönen Grus an euch alle Gambs Kathl“

Quelle: Kurz, Michael: „Nun ist die Scheidestunde da ...“

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Ein Brief aus Minnesota

Brief von Anna Putz aus Minnesota zwischen 1866 und 1872:
„Lieber Pathe!
Deinen uns theuren Brief haben wir erhalten und daraus gesehen, dass Gott sei Dank alles noch gesund ist, so wie wir alle gesund sind, wo wir Gott nicht genug danken können. Wir hatten im ganzen in Amerika GlĂŒck bis jetzt immer, wir bekommen noch 160 Aker schönes Land auf HeimstĂ€tt, wo wir 5 Jahre darauf wohnen mĂŒssen, dann dĂŒrfen wirs auch verkaufen, den das Land wird hier theuer, jetzt kostet schon 160 Aker ohne Haus 600 Thaler und wir bekommens noch so, wir haben jetzt auch Haus und Stall, 2 Stiere 3 Jahr alt, 1 Kuh und Kalb, 2 Schweine, 2 haben wir geschlachtet.“

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Brief von Anna Putz aus Minnesota zwischen 1866 und 1872:
„Lieber Pathe!
Deinen uns theuren Brief haben wir erhalten und daraus gesehen, dass Gott sei Dank alles noch gesund ist, so wie wir alle gesund sind, wo wir Gott nicht genug danken können. Wir hatten im ganzen in Amerika GlĂŒck bis jetzt immer, wir bekommen noch 160 Aker schönes Land auf HeimstĂ€tt, wo wir 5 Jahre darauf wohnen mĂŒssen, dann dĂŒrfen wirs auch verkaufen, den das Land wird hier theuer, jetzt kostet schon 160 Aker ohne Haus 600 Thaler und wir bekommens noch so, wir haben jetzt auch Haus und Stall, 2 Stiere 3 Jahr alt, 1 Kuh und Kalb, 2 Schweine, 2 haben wir geschlachtet.
Wir leben ganz zufrieden, aber die ersten Jahre muss man auch stark arbeiten, denn aller Anfang ist schwer, aber man kommt auch vorwÀrts in allen
[...] Ferner hat uns Gott einen kleinen Buben geschenkt, der Franz heißt und Gott sei Dank ganz gesund ist. Wir haben alle 4 Wochen Gottesdienst und einen Prediger wie zu Hause. Schreibet uns bald wieder, wir schicken euch unser Haus und Umgebung [...] Freundlich grĂŒĂŸend Anna Putz“

Quelle: Kurz, Michael: „Nun ist die Scheidestunde da ...“

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Literaturtipps:

Horvath, Traude (Hg.): Auswanderungen aus Österreich: von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Mit einer umfassenden Bibliographie zur österreichischen Migrationsgeschichte. Wien 1996.

Kurz, Michael: „Nun ist die Scheidestunde da ...“. Die Emigration aus dem Salzkammergut im 19. Jhdt. nach Nordamerika; Geschichte einer Auswanderung, Salzburg. Univ. Dipl. 1999.

Kurz, Michael: Kammergut - Jammergut? Die demographischen Strukturen des Salzkammergutes von 1600 bis 2000 mit besonderer BerĂŒcksichtigung von Bad Goisern. Salzburg. Univ. Diss. 2002.

Sturmberger, Hans: Die Amerika-Auswanderung aus Oberösterreich zur Zeit des Neo-Absolutismus. Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs Bd. 7 (1961).


Autor: Roman Sandgruber

Oberösterreichische Nachrichten, 11. Oktober 2008

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