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Die Hallstattzeit in Oberösterreich


„Jetzt ist Hallstattzeit!“, nennt sich die HallstĂ€tter Teilausstellung der oberösterreichischen Landesausstellung 2008. Die Hallstattzeit (~ 800-450 v. Chr.) liegt zwar zweieinhalb Jahrtausende zurĂŒck. Aber Hallstatt ist immer noch Oberösterreichs weltweit bekanntester Ort.

Eisen
Hallstatt hat einer ganzen Epoche der Urzeit den Namen gegeben, der „Àlteren Eisenzeit“ oder „Hallstattkultur“. Zu Ende des 9. vorchristlichen Jahrhunderts bahnte sich in Mitteleuropa eine Kulturwende an. Das Eisen begann sich auch in Mitteleuropa zu etablieren und die Bronze als wichtigstes Metall abzulösen. Das Eisen verĂ€nderte die Kultur. Es war im Vorderen Orient schon lĂ€nger bekannt und geschĂ€tzt. Dem Ă€gyptischen Pharao Tutanchamun (~ 1333-1323 v. Chr.), der durch sein spektakulĂ€res, unberaubtes Grab weltberĂŒhmt geworden ist, war auch ein Eisendolch ins Grab gelegt worden, wertvoller als alles Gold, das man ihm mitgegeben hatte. Um 800 wurde auch in Mitteleuropa das Eisen gebrĂ€uchlich. Es Ă€nderten sich aber vorerst vornehmlich die Waffen und erst spĂ€ter auch die Werkzeuge. Als in Mitteleuropa die Hallstattzeit einsetzte, um etwa 800 v. Chr., waren in Griechenland die Homerischen Epen schon entstanden oder im Entstehen, lebten in Italien die Etrusker, wurde Rom gerade gegrĂŒndet (753 v. Chr.) und begannen die Griechen mit der Kolonisation der gesamten Mittelmeerwelt.

Salzbergbau
Hallstatt erlangte seine Bedeutung durch die Salzvorkommen. Jungsteinzeitliche Streufunde vom HallstĂ€tter Salzberg lassen auf eine weit zurĂŒckreichende Nutzung des Areals schließen. Seit dem 18. Jahrhundert v. Chr. sind Spuren des Bergbaus nachweisbar. Es wurden sehr tiefe und steile SchĂ€chte abgetĂ€uft. Die jĂŒngst entdeckte Holzstiege aus der Mitte des 14. Jahrhunderts v. Chr. lĂ€sst einen hohen technischen Standard erkennen. Ein massiver Wassereinbruch an der Wende von der Bronze- zur Eisenzeit brachte diesen Ă€ltesten Bergbau zum Erliegen. Der Bergbau wurde in neuer Form mit nunmehr waagrecht in den Berg fĂŒhrenden Stollen aufgenommen. Gearbeitet wurde aber weiterhin nicht mit Eisenwerkzeugen – das Eisen diente noch vornehmlich fĂŒr Waffen –, sondern mit bronzenen Pickeln und HolzschlĂ€geln. Es wurden Salzbrocken in Form halber Herzen aus den Stollen herausgebrochen und in FellsĂ€cken abtransportiert. Die Kubaturen, die abgebaut wurden, waren den vorhandenen Erkenntnissen zufolge enorm. Die HochblĂŒte dieses Bergbaus datiert in das 8. bis 4. Jahrhundert und wurde mit einem neuerlichen massiven Wassereinbruch beendet. Dabei wurde offensichtlich auch jener Bergmann verschĂŒttet, dessen mumifizierter Leichnam 1734 im „Heidengebirge“ wieder aufgefunden und am Friedhof von Hallstatt bestattet wurde. Heutzutage wĂ€re dies ein Sensationsfund, der in seiner Bedeutung dem Ötzi gleichkĂ€me.


Hallstattzeit
Hallstatts Bedeutung rĂŒhrte aus dem Bergbau. WeltberĂŒhmt wurde der Ort, weil hier bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts das große GrĂ€berfeld mit jenen spektakulĂ€ren Funden entdeckt wurde, die in einer fĂŒr die damalige Zeit hervorragenden Weise erschlossen wurden. Der Wohlstand der Bevölkerung findet in den Grabbeigaben des berĂŒhmten HallstĂ€tter GrĂ€berfeldes, das auch als Beweis einer einzigartigen kulturellen BlĂŒtezeit fĂŒr die Namensgebung „Hallstattzeit“ (800-400 v. Chr.) ausschlaggebend war, seinen Niederschlag. Die HallstĂ€tter Funde gehören zu den wertvollsten BestĂ€nden der gesamten europĂ€ischen Urgeschichte. Eine ganze Reihe von Fremdformen bezeugen die weitreichenden Handelskontakte der Salzherren nach allen vier Himmelsrichtungen.

Das Bronzebecken mit dem Rinderhenkel

Einer der bedeutendsten Funde in Hallstatt stammt aus einem Brandgrab, das in das 6. Jahrhundert v. Chr. zu datieren ist; das Grab erhielt die Nummer 671. In einer auf Schotter gelagerten, ca. 270 x 150 cm messenden Tonwanne befand sich neben zwei Armreifen, drei Brillenfibeln, zwei GĂŒrtelblechen, BruchstĂŒcken zweier GĂŒrtelhaken (alle aus Bronze), sechs Ringen, Perlen, einem Perlenschieber und einem Kamm sowie zwei Spiralrollen aus Golddraht ein halbkugeliges Becken aus Bronze.

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Einer der bedeutendsten Funde in Hallstatt stammt aus einem Brandgrab, das in das 6. Jahrhundert v. Chr. zu datieren ist; das Grab erhielt die Nummer 671. In einer auf Schotter gelagerten, ca. 270 x 150 cm messenden Tonwanne befand sich neben zwei Armreifen, drei Brillenfibeln, zwei GĂŒrtelblechen, BruchstĂŒcken zweier GĂŒrtelhaken (alle aus Bronze), sechs Ringen, Perlen, einem Perlenschieber und einem Kamm sowie zwei Spiralrollen aus Golddraht ein halbkugeliges Becken aus Bronze.
Sein Griffteil wird durch den voll gegossenen Körper eines Rindes gebildet, das auf einer StĂŒtze, die im Inneren des GefĂ€ĂŸes befestigt ist, steht. Ihm folgt ein kleines Tier, wohl ein Jungtier, das aber ebenfalls ein Gehörn trĂ€gt.
Das Rind war nicht nur in der Hallstattzeit, sondern in vielen ur- und frĂŒhgeschichtlichen Kulturen ein beliebtes Motiv.

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Johann Georg Ramsauer
1846 wurden von Bergrat Johann Georg Ramsauer (1797-1876) die ersten GrĂ€ber am HallstĂ€tter Salzberg entdeckt. Bis 1863 wurden 980 Grabkomplexe mit fast 20.000 Objekten freigelegt und durch berĂŒhmte Aquarelle von Isidor Engl dokumentiert, eine Seltenheit in der FrĂŒhzeit der ArchĂ€ologie. Von den rund 1300 FlachgrĂ€bern, die am HallstĂ€tter Salzberg bislang erforscht wurden, sind rund die HĂ€lfte BrandgrĂ€ber, die andere HĂ€lfte Körperbestattungen. Die Unterschiede dĂŒrften sozial begrĂŒndet sein. Die angeseheneren und reicheren Toten wurden verbrannt, wie aus dem Reichtum der Grabbeigaben hervorgeht. Der grĂ¶ĂŸere Teil der BronzegefĂ€ĂŸe stammt aus BrandgrĂ€bern. Man kennt die Glaubensvorstellungen nicht, die hinter der Brandbestattung standen. Im Vergleichsraum des homerischen Griechenland war das Verbrennen gleichbedeutend mit der Befreiung der Seele, die erst damit, losgelöst vom Körper, in die Unterwelt eingehen könne.

Schlechte Versorgungslage
Im Salz des Bergwerks wurden auch zahlreiche AlltagsĂŒbereste konserviert. Der Gesundheitszustand der Bergleute, den versteinerten Exkrementen nach zu schließen, muss katastrophal gewesen sein. Ihre ErnĂ€hrung bestand aus einer Bergmannssuppe, dem volkstĂŒmlichen Ritschert nicht unĂ€hnlich, die aus einem Eintopf aus Schweins-, Lamm- oder Gemsenhaxen, Ohren und anderen Resten sowie Gerste, Saubohnen und Erbsen bereitet war. Was mit den hochwertigen Fleischteilen geschah, die offensichtlich gepöckelt und luftgetrocknet wurden, ist unklar.

Hallstattkultur
Benannt nach dem oberösterreichischen Ort Hallstatt, erstreckte sich die Hallstattkultur von Ostfrankreich bis Westungarn, von Böhmen bis Oberitalien. Dass die am HallstĂ€tter Salzberg Bestatteten nicht die oberste FĂŒhrungsschicht der Hallstattkultur darstellten, ist einsichtig. Wo sich die eigentlichen Machtzentren der Hallstattkultur befanden, ist ungeklĂ€rt. Fest steht, dass sich in Traunkirchen unmittelbar vor der Halbinsel mit dem ehemaligen Kloster eine bedeutende Seeufersiedlung befand, von der in jĂŒngster Zeit auch reiche Grabfunde entdeckt wurden.

Mitterkirchen
Mitterkirchen im Bezirk Perg stellt neben dem Namen gebenden Hallstatt den reichsten bisher bekannt gewordenen Fundort Oberösterreichs aus der Hallstattkultur dar. Es konnten in Mitterkirchen fast 50 eingeebnete GrabhĂŒgel mit 76 unverbrannt bestatteten Personen aus der Zeit um 700 v. Chr. geborgen werden. Das herausragendste Ensemble ist ein Grab aus dem 7. Jahrhundert, in dem in einer mindestens 3,4 m großen Grabkammer eine Frau auf einem vierrĂ€drigen Wagen samt umfangreichem Geschirrsatz, Pferdegeschirr, Schmuck und Speisebeigaben bestattet worden war.

Es lĂ€sst sich in dieser Zeit eine deutliche Hierarchisierung der Gesellschaft feststellen, die sich besonders in reich ausgestatteten Bestattungen unter GrabhĂŒgeln, teilweise mit der Beigabe eines vierrĂ€drigen Wagen und Pferdegeschirr (Wagengrab) niederschlug.
Die Hallstattzeit ist von einer elitĂ€ren Oberschicht geprĂ€gt. Die reichen GrĂ€ber der obersten FĂŒhrungsschichten wurden nicht mehr mit langen Schwertern, sondern nur mit kurzen Dolchen ausgestattet. Man schloss daraus, dass solch eine symbolische Waffe genĂŒgte, um ihre Macht durchzusetzen und zu behaupten.
Eine der auffĂ€lligsten Erscheinungen der Hallstattkultur ist die Mitgabe eines vierrĂ€drigen Wagens in die GrĂ€ber der obersten FĂŒhrungsschicht. Einerseits werden die WĂ€gen im realen Leben wohl eine Rolle als Statussymbol gespielt haben, andererseits könnte in GrĂ€bern auch die Vorstellung von einem GefĂ€hrt in ein wie auch immer geartetes Jenseits enthalten sein. Mit dem Ende der Hallstattkultur verschwanden die vierrĂ€drigen Wagen in GrĂ€bern.

Uttendorf
Ein vierrĂ€driger Wagen war auch Bestandteil des Uttendorfer GrabhĂŒgels, in welchem neben den Resten des Wagens zahlreiche weitere Beigaben und der berĂŒhmte Goldhalsreifen gefunden wurden. Dieser fast ein Viertelkilo schwere Goldreif ist der einzige seiner Art, der bislang in Österreich aus der Hallstattzeit gefunden wurde (von etwa 20 vergleichbaren StĂŒcken, die bislang aus der Hallstattwelt bekannt sind). Der GrabhĂŒgel von Uttendorf dĂŒrfte etwa 33 m Durchmesser und 8 m Höhe gehabt haben. Das wohl grĂ¶ĂŸte noch vorhandene HĂŒgelgrab der Hallstattkultur in Österreich ist der Tumulus von Großmugl bei Stockerau mit einem Durchmesser von 55 m und einer Höhe von 16 m. Er ist, eine Besonderheit fĂŒr ein derartig auffĂ€lliges Monument, archĂ€ologisch noch nicht erforscht.

Der Goldreif von Uttendorf

Hugo von Preen, einer der Pioniere der oberösterreichischen ArchĂ€ologie, berichtet ĂŒber jenen Morgen im Jahr 1885, an dem der Goldhalsreifen in einem GrabhĂŒgel in der heutigen Gemeinde Helpfau-Uttendorf, entdeckt wurde.

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Hugo von Preen, einer der Pioniere der oberösterreichischen ArchĂ€ologie, berichtet ĂŒber jenen Morgen im Jahr 1885, an dem der Goldhalsreifen in einem GrabhĂŒgel in der heutigen Gemeinde Helpfau-Uttendorf, entdeckt wurde: „Indessen ich am anderen Morgen noch im Schlafe lag, klopfte es an der ThĂŒr, ein Bote trat ein und benachrichtigte mich mit folgenden Worten von dem großen Ereigniß: „Se soitÂŽn schnell außi kema, ham a guidene Kron gÂŽfunden.“ Ich traute meinen Ohren nicht und ließ mir, wĂ€hrend ich meine Augen rieb, den Fund beschreiben. Es war kein Zweifel. Hocherfreut und begierig das Wunderding zu sehen, kleidete ich mich schnell an und eilte hinaus.“

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KulturtrÀger
Zu den meistdiskutierten Fragen gehört die nach den TrĂ€gern der Hallstattkultur: Illyrer, Kelten oder ein nicht nĂ€her zuordenbarer Volksstamm. Da keine Schriftzeugnisse ĂŒberliefert sind, ist unbekannt, welche Sprache die TrĂ€ger dieser charakteristischen materiellen Kultur sprachen. Es gibt aber Grund zu der Annahme, dass die Wurzeln der in linguistischen und schriftlichen Quellen ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. fassbaren keltischen StĂ€mme bis vor die Hallstattzeit zurĂŒckreichen.

Ansfelden
Unweit der MĂŒndung der Krems in die Traun liegt auf einem Bergsporn die befestigte Höhensiedlung „Burgwiese“ in Ansfelden. Sie war wĂ€hrend der Ă€lteren Eisenzeit dicht besiedelt, wie durch Ausgrabungen in den Jahren 1999 bis 2002 festgestellt werden konnte. Die zahlreichen Funde, darunter Bronzeschmuck und eine Bernsteinperle aus dem Baltikum, zeigen, dass der Ort zur Zeit der Hallstattkultur auch am Fernhandel beteiligt war.

Golddepodfund aus dem Koppental – Goldschatz vom Arikogel

Aus der SpĂ€tbronzezeit stammen jene beiden spektakulĂ€ren Goldschatzfunde, die in jĂŒngster Zeit im HallstĂ€tter Raum gemacht wurden und erstmals im Rahmen der Landesausstellung „Salzkammergut“ in der Teilausstellung Traunkirchen prĂ€sentiert wurden: der Golddepotfund aus dem Koppental und der fast ein Kilo Gold umfassende Goldschatz vom Arikogel.

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Aus der SpĂ€tbronzezeit stammen jene beiden spektakulĂ€ren Goldschatzfunde, die in jĂŒngster Zeit im HallstĂ€tter Raum gemacht wurden und erstmals im Rahmen der Landesausstellung „Salzkammergut“ in der Teilausstellung Traunkirchen prĂ€sentiert wurden: der Golddepotfund aus dem Koppental und der fast ein Kilo Gold umfassende Goldschatz vom Arikogel.
Die HintergrĂŒnde der seinerzeitigen Deponierung liegen im Dunkeln.

Mit naturwissenschaftlichen Methoden konnte die Herkunft des Goldes geklĂ€rt werden. Sie muss aufgrund der chemischen Zusammensetzung in SiebenbĂŒrgen vermutet werden.

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Literatur:

Urban, Otto H.: Der lange Weg zur Geschichte: die Urgeschichte Österreichs. Österreichische Geschichte, ErgĂ€nzungsband 1. Wien 2000.

SchÀtze, GrÀber, OpferplÀtze: Traunkirchen.08. ArchÀologie im Salzkammergut, In: Katalog zur Ausstellung im ehemaligen Kloster Traunkirchen. 29. April bis 2. November 2008. Horn 2008.

Oberösterreichische Nachrichten, 21. Juni 2008

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