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Das Land der Bauernkriege – Bauernkriege in Oberösterreich


Oberösterreich ist das Land der Bauernkriege. Es gilt in der historischen Literatur als jene Region, aus der zwischen dem spĂ€ten Mittelalter und dem frĂŒhen 19. Jahrhundert die grĂ¶ĂŸte Zahl derartiger Auseinandersetzungen bekannt ist. Man hat fĂŒr den Zeitraum 1356 bis 1849 mindestens 62 Auseinandersetzungen zwischen den bĂ€uerlichen Untertanen und ihren Obrigkeiten gezĂ€hlt, mit dem oberösterreichischen Bauernkrieg von 1625/26 als Höhepunkt. In der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts ebbte das revolutionĂ€re Potential ab. Verantwortlich dafĂŒr war sicher die bauernfreundliche Politik Maria Theresias und Josephs II. Im reaktionĂ€ren Biedermeier verstĂ€rkte sich die revolutionĂ€re GĂ€rung unter den Bauern wieder. Erst mit der Aufhebung der GrunduntertĂ€nigkeit im Jahre 1848 ging diese Art gewalttĂ€tiger Auseinandersetzungen zu Ende.

Das Land der Bauernkriege
Der WillkĂŒrakt des „Frankenburger WĂŒrfelspiels“, wo Adam Graf Herberstorff am 15. Mai 1625 auf dem Haushamer Feld 36 in die Auseinandersetzungen um die Pfarrerseinsetzung in Frankenburg verwickelte Bauern gegeneinander um ihr Leben wĂŒrfeln ließ, stand am Anfang des grĂ¶ĂŸten und blutigsten Bauernaufstands, der in Österreich je stattfand. 17 der 18 Verlierer wurden exekutiert, einer begnadigt. Es ist dies das bekannteste, bei weitem aber nicht das hĂ€rteste und blutigste Urteil, das in der langen Geschichte der oberösterreichischen Bauernkriege gefĂ€llt wurde.

Als im so genannten Zweiten Bauernkrieg Weikhard von Polheim 1595 mit einem Aufgebot von 400 Mann gegen einige 1000 Bauern eine schwere Niederlage erlitt, war ein blutiger Rachezug Gotthards von Starhemberg die Folge, bei dem er 27 Bauern völlig willkĂŒrlich und ohne jede BegrĂŒndung „wie Birnen“, wie er sich ausdrĂŒckte, auf den BĂ€umen aufhĂ€ngen ließ. Der Pfarrer von Lasberg verzeichnete im Totenbuch die Namen der am Freitag 6. August 1626 vom Preunerschen Regiment aus Rache erschlagenen Bauern: Allein fĂŒr seine beiden relativ kleinen Pfarren Lasberg und St. Oswald waren dies in Lasberg 31 MĂ€nner, in der Pfarre St. Oswald 20; zusĂ€tzlich seien in beiden Pfarren, meinte der Pfarrer, im Bauernkrieg an die 50 Personen freiwillig in den Tod gegangen.

BartholomĂ€us Graf Starhemberg verstieg sich bei den Wildenegger Bauernunruhen zu der Forderung, die HĂ€user der RĂ€delsfĂŒhrer niederzubrennen, Galgen draufzusetzen und die Weiber und Kinder aus dem Land zu jagen. 1662 wurden gegen die AnfĂŒhrer der Wildenegg-Mondseer Bauernunruhen von zwei Rechtsgelehrten der UniversitĂ€t Salzburg so viele Todesurteile verhĂ€ngt, dass es selbst den wenig bauernfreundlichen oberösterreichischen LandstĂ€nden zu viel war.

Auch 1704 stand Oberösterreich am Rande eines Bauernaufstands, im Zusammenhang mit dem Bayerischen Bauernaufstand. In Enns, Steyregg und anderen Orten wurden die AnfĂŒhrer verhaftet und zu Zwangsarbeit in Wien und Ungarn verurteilt, bei der sie meist innerhalb kurzer Zeit jĂ€mmerlich umkamen. Am 14. Mai 1720 wurden in Linz durch den Landeshauptmann Christoph Wilhelm von ThĂŒrheim insgesamt 1613 Bauern zu langen GefĂ€ngnisstrafen, Zwangsarbeit in Ungarn und hohen Geldstrafen verurteilt. Und noch im frĂŒhen 19. Jahrhundert saßen die BauernfĂŒhrer immer wieder im GefĂ€ngnis oder wurden steckbrieflich gesucht.

Eine nahezu ununterbrochene Kette von AufstÀnden
Der erste bekannte Bauernaufstand in Oberösterreich betraf im Jahre 1356 eine Auseinandersetzung zwischen dem Kloster KremsmĂŒnster und seinen Untertanen. 1392 gab es einen Bauernaufstand im Ischlland. Ein Teil der AufstĂ€ndischen wurde in den Kerker geworfen, geblendet, aufgehĂ€ngt („geplent und erhangen“). 1493 gab es eine gewalttĂ€tige Auseinandersetzung zwischen dem Pfarrer von Spital am Pyhrn und seinen Untertanen, 1496 eine zwischen dem Abt von Wilhering und seinen Waxenberger Untertanen. 1497 kam es zu einem Aufstand gegen das Kloster SchlĂ€gl, das bei seinen Untertanen den Totenfall nach böhmischem Brauch einfĂŒhren wollte, das heißt, dass bei einem Todesfall der Nachlass nicht den Erben, sondern der Grundherrschaft zufallen sollte. Der Streit wurde 1525/29 dahingehend verglichen, dass dem Kloster als Totenhaupt in Zukunft bei einem Mann der zweitbeste Ochs, bei einer Frau die zweitbeste Kuh zufallen sollte.

Der große Bauernkrieg von 1525 kann in Oberösterreich zwar nicht als Krieg bezeichnet werden. Man suchte vorher zu beschwichtigen und schickte dann ein Exekutionsheer, das von Pfarre zu Pfarre zog und die RĂ€delsfĂŒhrer gefangen nahm. In Wien wurden sie mit hohen Geld- und Arreststrafen belegt.

Im 16. Jahrhundert verging kein Jahrzehnt ohne AufstĂ€nde. Bekannt geworden sind die HĂ€ndel zwischen dem Bauernschinder Christoph Haym auf Burg Reichenstein und dem Bauern Siegmund Gaisrucker, der seinem Herrn die Fehde ansagte. Auf Gaisrucker („ein weißblichner Mann, bei 30 Jahre alt, von ziemlicher LĂ€nge mit einem falben BĂ€rtl“) wurde ein Kopfgeld ausgesetzt: 300 Gulden lebend, 100 Gulden tot.

Der Sierninger Handel von 1588 war das Vorspiel zum so genannten zweiten großen Bauernaufstand, der sich in Oberösterreich zwischen 1594 und 1597 hinzog und sich dann im angrenzenden Niederösterreich fortsetzte. Zwischen 1597 und 1626 blieb die Situation durchgehend unruhig und gespannt, im Garstental, im Salzkammergut, im Mondseeland.

Als 1620 das Land ob der Enns vom Kaiser an den bayerischen KurfĂŒrsten verpfĂ€ndet wurde, als Abgeltung fĂŒr dessen Hilfe in der ersten Phase des DreißigjĂ€hrigen Krieges, und sich auch in Oberösterreich die Rekatholisierung in voller HĂ€rte abzeichnete, verstĂ€rkte dies die allgemeine Unruhe. Sengend und brennend zogen die Truppen von Feldmarschall Tilly und Graf Herberstorff durch das Land. Der nach Wien reisende Herzog Ernst von Sachsen-Lauenburg wurde in Eferding von den Bauern erschlagen. In den Natternbacher und Frankenburger Revolten im Jahr 1625 ging es um katholische Pfarrer, die den evangelischen Bauern vorgesetzt werden sollten. WĂ€hrend Graf Herberstorff in Natternbach die gefangen genommenen Bauern wieder freiließ, mit der BegrĂŒndung, man könne deutsch sprechenden Bauern keinen italienisch sprechenden Pfarrer vorsetzen, ging er in Frankenburg wohl auf höheren Auftrag hin mit unerbittlicher HĂ€rte vor.

Eine Wirtshausrauferei in Lembach war der unmittelbare Auslöser fĂŒr den dritten großen oberösterreichischen Bauernkrieg. Stefan Fadinger wurde zum AnfĂŒhrer im Hausruck- und Traunviertel und sein Schwager Christoph Zeller im MĂŒhl- und Machlandviertel gewĂ€hlt. Die Bauernheere eroberten fast ganz Oberösterreich mit Ausnahme von Linz und Enns. Stefan Fadinger fiel am 5. Juli bei der Belagerung von Linz und Christoph Zeller am 18. Juli bei der Trutzbauernschanze. Neuer Oberhauptmann wurde der Ritter Achaz Willinger von der Au. Inzwischen kamen die bayerischen Truppen unter Pappenheim und ein kaiserliches Kriegsvolk unter Löbl und Auersperg. In zahlreichen blutigen Schlachten erlebten die Bauern nun eine Niederlage nach der anderen: bei Neuhofen-Gschwendt, Leonfelden, Emling, Gmunden, Vöcklabruck und Wolfsegg. Es gab etwa 12.000 Tote. Ein furchtbares Strafgericht folgte. Die BauernfĂŒhrer fielen, die stĂ€dtischen AnfĂŒhrer wurden gehenkt und gevierteilt und ihre Köpfe ein ganzes Jahr lang auf dem Steyrer Stadtplatz aufgespießt zur Schau gestellt.
1627 brach der Aufstand erneut los, im Ennstal, 1632 waren es Johann Jakob Greimbl in der Eferdinger Gegend und 1634 Martin Eichinger, genannt der Laimbauer, im Machland.

Was wollten die Bauern?
Das Umschlagen von hinhaltendem Widerstand zu offener Revolte konnte viele Ursachen haben. Immer aber stand dahinter, dass sich die Bauern in ihren tradierten Rechten beschnitten fĂŒhlten. WĂ€hrend die meisten Forderungen der Bauern als ungerecht empfundene Abgaben und Steuern und die Freiheit der ReligionsausĂŒbung betrafen, so vertraten manche BauernfĂŒhrer doch auch ein revolutionĂ€res Programm: die Neugestaltung der Staatlichkeit, die Abschaffung der weltlichen Obrigkeit der Geistlichen, die Reform der Gerichtsbarkeit und der ArmenfĂŒrsorge, die EinschrĂ€nkung der großen Kapitalisten und erst an letzter Stelle die Forderung nach Reduktion der Abgaben enthalten.

1589 prophezeite ein MĂŒhlviertler Bauer, ein Untertan der Herrschaft PĂŒrnstein, Thomas Khagerer zu Wintersperg auf dem Kasten, es werde die Zeit kommen, dass die Bauern Herrn sein und im Himmel, die Herrn aber in der Hölle sitzen werden. Die 15 Artikel aus dem oberösterreichisch-niederösterreichischen Bauernaufstand von 1595/97 enthielten die Vorstellungen von einer grundherrschaftslosen, „schweizerischen“ Freiheit: Einer der betroffenen Adeligen meinte, dass die Bauern eine „demokratia“ zur UnterdrĂŒckung des Adels anstrebten. Bauernvertreter in den Herrschaften Weinberg und Steyr Ă€ußerten sich 1683, dass man „die Herren und Pfaffen erschlagen mĂŒsse“.

Die FahnensprĂŒche 1626

„Vom bayrischen Joch und Tyrannei und seiner großen Schinderei, mach uns o lieber Herrgott frei“

„Weils gilt die Seel und auch das Gut, gilts auch unser Leib und Blut, Gott geb uns einen Heldenmut“

„Es muss also sein“

„Das Walt Gott Vater, Sohn, Heiliger Geist, der uns den Weg zum Himmel weist“ (Laimbauernfahne 1632)

Weitere AufstÀnde im 17. und 18. Jahrhundert
Die AnlĂ€sse wandelten sich im 17. und 18. Jahrhundert: WiderstĂ€nde gegen die wachsenden staatlichen Steuern, AufstĂ€nde gegen das grundherrliche Jagdrecht und Rebellionen gegen Rekrutenaushebungen kamen als neue Ursachen hinzu. Was in der Bauernkriegsforschung meist ĂŒbersehen wird, war der enge Zusammenhang mit schlechten Ernten, vor allem in den 1590er Jahren, nach 1623 und wieder in den 1690er Jahren. Andererseits beteiligten sich in der FĂŒhrung der AufstĂ€nde bĂ€uerliche Eliten, vor allem MĂŒller, Wirte und Großbauern, die aus Missernten durchaus Gewinn gezogen haben konnten.

Der letzte Nachklang
In der Zeit Maria Theresias und Josephs II. kam es zu einer gewissen Beruhigung. Im 19. Jahrhundert heizte sich die Stimmung wieder auf. 1824 stand der MĂŒhlkreis nach Meinung des Kreishauptmanns im Ruf, „am Vorabend einer Revolution zu stehen“. Die Kerker der Herrschaftsgerichte waren mit bĂ€uerlichen Rebellen ĂŒberfĂŒllt. Rebellische Bauernvertreter hatte Oberösterreich im frĂŒhen 19. Jahrhundert zahlreiche: Simandl Hollensteiner, Bauer in Perlesreut bei Öpping, ein Musterbauer, der 1774 die GrĂŒndung der Pfarre und Schule Öpping durchgesetzt hatte und als „Winkeladvokat“ immer wieder eingesperrt wurde. Oder Michael Burglehner am Reischlgut zu Hartkirchen, der von den Obrigkeiten wegen seiner ungewöhnlich guten Gesetzeskenntnis gefĂŒrchtet war, aber immer wieder ins GefĂ€ngnis geworfen wurde, Andreas Resch in Zwettl, der 1833 im Linzer Strafhaus verstarb, und der bekannteste, Michael Huemer, genannt der Kalchgruber, am Kalchgruberhaus in Elmberg, der immer wieder zum Kaiser nach Wien reiste und Audienz erhielt. Immer wieder wurde er eingesperrt. Von einem „Ernteurlaub“ kehrte er nicht mehr ins GefĂ€ngnis zurĂŒck. Sein Haus wurde versteigert. Ihn selbst gelang es nicht zu fassen. Aus dem Untergrund verfasste er eine Unzahl von Beschwerden, zwischen 90 und 100 werden zwischen 1820 und 1848 gezĂ€hlt. 1849 starb er nach 27 Jahren Leben im Untergrund 71-jĂ€hrig. Seine AnhĂ€nger verstĂ€ndigten den Landeshauptmann, dass er jetzt den Kalchgruber ansehen könne. Er liege auf dem „Laden“, d. h. auf der Totenbahre. Die reale DurchfĂŒhrung der Bauernbefreiung, die 1848 auf Antrag Hans Kudlichs beschlossen worden war, hatte er nicht mehr erlebt.

BauernkriegsgedenkstÀtten in Oberösterreich

Bauernkriegskapelle auf dem Stadlfeld in Kledt bei Neumarkt im Hausruck: Schlacht zwischen rund 3500 Bauern und etwa 425 Soldaten am 13. November 1595 (1953 errichtet)

Denkmal fĂŒr die Opfer des Frankenburger WĂŒrfelspiels (15. Mai 1625) auf dem Haushamerfeld bei Frankenburg (1925 errichtet)

Steinpyramide im Andenken an die Schlacht vom 21. Mai 1626 auf der Ledererwiese bei Peuerbach; im angrenzenden Wald ein Gedenkstein fĂŒr die BauernfĂŒhrer Fadinger und Zeller

Gedenktafel an die Belagerung von Freistadt vom 26. Mai bis 30. Juni 1626 an der Friedhofsmauer des so genannten Frauenklosters

Marmorplatte in Ebelsberg am angeblichen Sterbehaus des Stefan Fadinger (5. Juli 1626)

GeißelsĂ€ule an der sĂŒdwestlichen Ecke des Linzer Landhauses, wo Stefan Fadinger am 28. Juni 1626 schwer verletzt worden sein soll

Bauernkriegsdenkmal am Eichberg (Enns), an der Stelle des Hauptquartiers der Bauern: Erinnerung an die Belagerung der Stadt vom 24. Juni bis 23. Juli 1626.

Gedenkstein am Ort des zur GÀnze zerstörten Fadingerhofes in St. Agatha

Denkmal fĂŒr Fadinger und Zeller im Seebacher Moos bei Eferding

Gedenktafel am Gathaus Renetzeder in Neukirchen am Wald: Gefecht vom 19. September 1626

Gedenkkreuz und SĂŒhnekapelle am Schulterberg bei Pram: Schlacht am 20. September 1626

„Löbl Marterl“ bei Marchtrenk an die Schlacht am 10. Oktober 1626

Denkmal im Emlinger Holz an die schwere Niederlage, bei der etwa 3000 Bauern den Tod fanden (9. November 1626)

BauernhĂŒgel bei Pinsdorf, wo am 15. November 1626 etwa 20.00 Bauern den Tod fanden

Die Bauinschrift auf der Pfarrkirche Schenkenfelden legt Zeugnis ab: „Das gepaw ist gemacht in der pawren krieg. 1525. W. H.“

In Wolfsegg erinnert eine 1989 errichtete GedenkstÀtte an die letzte Schlacht des Bauernkrieges im Jahre 1626.

 
 


Literatur:
Der oberösterreichische Bauernkrieg 1626. Ausstellungskatalog. Linz 1976.
Eichmeyer, Karl - Feigl, Helmuth - Litschel, Rudolf Walter: Weilß gilt die Seel und auch das Guet. Oberösterreichische BauernaufstĂ€nde und Bauernkriege im 16. und 17. Jahrhundert. Linz 1976.
Heilingsetzer, Georg: Der oberösterreichische Bauernkrieg 1926. Wien 1976.
Stieve, Felix: Der Oberösterreichische Bauernaufstand des Jahres 1626. 2 BÀnde. Linz 1904/05.

Oberösterreichische Nachrichten, 17. MÀrz 2008

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