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Mostland Oberösterreich


Oberösterreich ist ein Mostland. Das Maskottchen der Oberösterreichischen Nachrichten, der „Mostdipf“, ist zum Inbegriff des gemĂŒtlichen Oberösterreichers geworden. Aber seit wann ist Oberösterreich ein Mostland?


Lange Geschichte

Der Apfel- und Birnmost hat zweifellos eine lange Geschichte, die von gelernten Mostliebhabern gern bis in die Pfahlbaudörfer zurĂŒckverfolgt werden wĂŒrde. Das Vorkommen von Äpfeln und Birnen in mittelalterlichen Quellen oder gar die Nachweise von Obstkernen in den Pfahlbaudörfern bedeuten aber noch lange nicht die Kenntnis und Verbreitung der Mosterzeugung. Man genoss die Äpfel und Birnen meist in getrockneter Form als Kletzen und DörrĂ€pfel. Nahezu ĂŒberall, wo heute in Oberösterreich gute Mostgegenden sind, war im Mittelalter der Weinbau vorherrschend.

Most statt Wein

Die mittelalterliche Mostbereitung war simpel: Man zerstĂ¶ĂŸelte das Obst, fĂŒllte es in einen Zuber und goss mit Wasser auf. Was unten durch eine Öffnung abfloss, nannte man Most. Auf diese Weise konnte die bĂ€uerliche Bevölkerung die Obstmostbereitung nicht in ausgedehnterem Maße betreiben und auch die Grundherrschaften waren nicht sehr daran interessiert, weil dadurch die Einnahmen aus dem Wein- und Bierbann beeintrĂ€chtigt worden wĂ€ren.
Seit dem 16. Jahrhundert ging allerdings der Weinbau in Oberösterreich stark zurĂŒck. An seine Stelle trat der Obstmost. Er wurde zu einer ernsthaften Konkurrenz fĂŒr den Wein. Mitte des 15. Jahrhunderts wird Most in Freistadt erwĂ€hnt, Ende des 16. Jahrhunderts in Waizenkirchen, 1632 in Frankenburg, 1710 in Grieskirchen. 1570 sah sich Maximilian II. nach Beschwerden, dass bei den StĂ€dten, MĂ€rkten und Flecken die Untertanen Obst- und Beerenmost ausgeben, ja sogar Hochzeiten mit solchen GetrĂ€nken abhalten, veranlasst, den Ausschank von Obstwein zu verbieten. Dies beeintrĂ€chtige nĂ€mlich nicht nur das ordentliche Gastgewerbe, sondern fĂŒhre auch zu Unzucht. Der Most mag den Ruf einer „Rabiatperle“ gehabt haben.

Widerstand gegen Verbot des Mostes
Als der Landeshauptmann von Oberösterreich 1604 die Mostproduktion wieder einmal verbieten wollte, widersetzten sich die StĂ€nde: Most habe eine zu große Bedeutung fĂŒr den Eigenbedarf erlangt und wĂ€hrend des Krieges werde davon sehr viel ins kaiserliche Feldlager und nach Ungarn gefĂŒhrt.
Es gab auch schon damals gute Möste: 1677 schickte das Stift St. Florian eine Probe seines Winiwizbirnen-Mostes als Geburtstagsgeschenk an den Kaiserhof nach Wien. Die zĂŒchterische Verbesserung der Obstsorten, die besonders in den Klöstern – etwa in St. Florian oder KremsmĂŒnster – vorangetrieben wurde, und der Wegfall der grundherrschaftlichen Bannrechte förderten den Obstbau und die Mostbereitung.
Das 1607 erschienene WirtschaftsbĂŒchlein fĂŒr Eheleute des Ritters Philipp Jakob von Grienthal zu Kremsegg kennt den Most in diesem spĂ€teren Zentrum der oberösterreichischen Obstkultur aber nur als Trank fĂŒr die eigentlichen Bauersleute. Als Leuttrunk fĂŒr die Dienstboten empfahl er dagegen einen Aufguss auf den verbleibenden Trester.

Zum „MĂ€uler zusamben ziechn“
Die QualitÀt des GetrÀnks aus den damals gÀngigen HolzÀpfeln und Landlbirnen war meist nicht die allerbeste. Bezeichnend ist die Schilderung der Möste des oberösterreichischen Machlands im 18. Jahrhundert:
„Weillen hiesig erzeugent Möst also beschaffen seindt, das sye die MĂ€uler zusamben ziechn, als ob man den grimmigen Tod pfaiffen wollte.“
Über die „Holtz-Birne“ heißt es in Zedlers großem Universal-Lexikon von 1733:
„wenn man sie isset, dermaßen den Hals und die Kehle zusammen ziehet, dass man meynet, man mĂŒsse daran erwĂŒrgen oder ersticken.“

Lob des Mostes

Im 19. Jahrhundert war es bereits ganz anders: Wer Oberösterreich damals beschrieb oder bereiste – Joseph Kyselak, Benedikt Pillwein oder Ignaz Gielge – lobte den oberösterreichischen Most. Schon im ausgehenden 18. Jahrhundert war die Anpflanzung von StreuobstbĂ€umen entlang sĂ€mtlicher Straßen und um die Dörfer herum gefördert worden. Josef II., der sich um alles kĂŒmmerte, was er fĂŒr seine Untertanen fĂŒr nĂŒtzlich hielt, erließ am 7. MĂ€rz 1789 ein Dekret, das allen heiratenden Bauersleuten die Verpflichtung zur Anpflanzung neuer ObstbĂ€ume auferlegte, mit dem Beisatz, „dass diese Pflanzung im nĂ€mlichen Jahr, in welchem die Trauung geschieht, unnachsichtlich bewirkt werden mĂŒsse“. Die Vorstellung vom Idealbild des erfĂŒllten Lebens, nicht nur ein Haus zu bauen und einen Sohn zu zeugen, sondern auch einen Baum zu pflanzen, ist bis heute im Bewusstsein verhaftet geblieben.

Steigende Beliebtheit im 19. Jahrhundert

Man kann sich die BauernhÀuser und Dörfer in Oberösterreich kaum mehr anders vorstellen als von einem Kranz von ObstbÀumen umgeben.
„Riadersham siacht ma kam / Vor lauter Apfelbam“, reimte Franz Stelzhamer.

Um 1830 war die Zahl der Haushalte, in denen Most als AlltagsgetrĂ€nk Verwendung fand, aber noch immer nicht sehr groß. Auch in obstreichen Gegenden wurde er höchstens einmal am Tage gereicht. Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Mostverbrauch sehr angestiegen. Ein Agrarfachmann aus dem Machland berichtete um 1850 ĂŒber die in letzter Zeit sehr ĂŒberhandnehmende Gewohnheit, das Hauspersonal sowie im Hause arbeitende Handwerker und Taglöhner mit Most als Tisch- und VespergetrĂ€nk zu bewirten.
WĂ€hrend in den Operaten des Franziszeischen Katasters um 1830 der Most in vielen Gegenden Oberösterreichs noch ĂŒberhaupt nicht oder nur als ein an Festtagen zugemessenes GetrĂ€nk aufscheint, konnte man zu Ende des Jahrhunderts ohne Most nicht mehr auskommen. „WĂ€chst dem Bauern kein Most, so muss er ihn kaufen“, heißt es um 1890 in einer Beschreibung der Pfarre Schwanenstadt, „denn ohne Most lĂ€sst sich einfach nicht mehr existieren.“

Im 18. und frĂŒhen 19. Jahrhundert verbrauchte man fĂŒr das Gesinde des Klosters Seitenstetten pro Tag etwa 50 Liter Most, im spĂ€ten 19. Jahrhundert das Zwei- bis Dreifache. Auch Gebiete, denen der Obstmost noch in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts ganz fremd gewesen war, wie etwa im oberen Innviertel, begannen sich diesem GetrĂ€nk zuzuwenden. F. C. Weidmann bemerkte 1842 ĂŒber das Innviertel, dass die Obstbaumzucht immer lebhafter betrieben werde. Man finde Bauern, die vor 20 Jahren noch nicht an Obstkulturen dachten und jetzt 40 bis 50 Eimer Most erzeugten. Im Gilgenberger Gebiet – so berichtet der Hausforscher und Arzt Eduard Kriechbaum, der diese Gegend von seiner TĂ€tigkeit her gut kannte – hatte man dagegen erst knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit dem Mosttrinken angefangen.

MÀchtige Bauernhöfe

Die mĂ€chtigsten Bauernhöfe Österreichs stehen in den Mostgegenden des oberösterreichischen Alpenvorlands und niederösterreichischen Mostviertels: „Diese HĂ€user hat der Most gebaut!“ Diese Redensart wird verstĂ€ndlich, wenn man weiß, wie sehr frĂŒher die Bauernhöfe dort, wo der Most zur höchsten QualitĂ€t gepflegt wird – und das waren die Vierkanterregionen – vom Ertrag dieser Mostwirtschaft profitiert haben. „A Mosthaus – a guats Haus“, sagte man. Manche Bauern hatten ihren ganzen Stolz in ihren PresshĂ€usern und Obstkellern liegen. Nicht mehr Brot und Salz, sondern Brot und Most wurden dem Gast angeboten: „Brot und Most / ist dem Bauern sein' Kost.“

Steigende Bliebtheit
Im 19. Jahrhundert war der gute Most in manchen Gegenden noch so kostbar, dass er nur zu besonderen AnlĂ€ssen getrunken wurde. Im 20. Jahrhundert hingegen galt fast ĂŒberall die Regel, dass vom Most nach Belieben getrunken werden durfte. Der Mostkrug wurde im Bauernhaus rundumgereicht, vom Großknecht bis zum HĂŒterbub, dann von der Großdirn bis zum „Kuchlmensch“. Most galt als „das natĂŒrlich GetrĂ€nk der arbeitenden Klasse“, wie es 1911 im Protokoll einer Mosterei hieß.
Die verfĂŒgbaren statistischen und deskriptiven Quellen zeigen eine entscheidende Ausdehnung des Mostverbrauchs um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Um 1880 wurde der Mostverbrauch in Oberösterreich mit etwa 700.000 Hektoliter pro Jahr beziffert – das heißt etwa 90 Liter pro Kopf – und war damit wohl fĂŒnf- bis zehnmal so hoch als 150 Jahre frĂŒher.
Der grĂ¶ĂŸte Mostboom war in der Wirtschaftskrise der Zwanziger und Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zu verzeichnen: Da wurde selbst an der PrĂ€latentafel des Stiftes Seitenstetten, wo es vorher nur Wein und Bier gegeben hatte, Most gereicht. Die Arbeitslosen und Ausgesteuerten, und nicht nur diese, tranken im Gasthaus oder bei einem Bauern „a Seitl Most, damit’s net vĂŒ kost“. 1931 konstatierte die oberösterreichische Handelskammer als Folge der Weltwirtschaftskrise eine „ungeheure Zunahme der Buschenschank mit Most und des Mostverkaufs ĂŒber die Gasse in Oberösterreich“.

Most wieder gefragt

Heute sieht die Situation anders aus: UnzĂ€hlige Obstbaumzeilen und Baumriesen sind den MotorsĂ€gen zum Opfer gefallen. Ökologisch ist der Verlust erheblich, hinsichtlich der Bodenerosion und des Lebensraums fĂŒr Tiere. Dass Oberösterreich dennoch immer noch das Streuobstbauland Nummer eins in Österreich ist, ist der Verbundenheit mit dem Most zu danken. Die BestĂ€nde haben zwar in den letzten 50 Jahren um rund 40 Prozent abgenommen, aber auch die verbliebenen StreuobstbestĂ€nde sind ein besonderes Juwel unserer Kulturlandschaft. Mehr als 1,2 Millionen BĂ€ume auf rund 15.000 Hektar FlĂ€che gilt es zu pflegen und zu nĂŒtzen.
Most als bodenstĂ€ndiges NaturgetrĂ€nk findet zunehmend wieder mehr Freunde. Mostheurige machen ein gutes GeschĂ€ft, Mostverkostungen heben die QualitĂ€t. Der Most ist „in“. Auch der selbst gebrannte Obstschnaps hat eine Renaissance erfahren und gehört zum Stolz innovativer Bauern. Es gibt bereits AusbildungslehrgĂ€nge zum Mostsommelier und auch zur MostsommeliĂšre. Eine spezielle Glaskultur wird geschaffen. Eine eigene Mostsprache hat sich herausgebildet, die der Weinterminologie kaum nachsteht, und man wĂ€hlt unter einer Vielzahl von Sorten und Nuancen, einmal trendig, einmal bodenstĂ€ndig, von zartfruchtig bis krĂ€ftig, von Speckbirnen, Landlbirnen und BrĂŒnnerlingen. Es gibt Birnen- und Apfelcider, Birnenschaumweine und Apfelsekt, wer will, auch mit Hollunder- oder Johannisbeerensaft, und alles in bestechender QualitĂ€t. So kann er wieder zu Ehren kommen, der Most, als ein letzter kleiner Rest einer reichen oberösterreichischen Bauernwelt:
„S® is a himmlische Kost, a Trumm Speck und a Most 
“

Und man hĂ€lt sich an das alte mostlerische Prosit: „G’sundheit“ – „Sollst leb’n!“

EuropÀische Mostlandschaften

Obstwein aus MostĂ€pfeln und Mostbirnen ist ganz und gar ein europĂ€isches Produkt. Doch die Mostgegenden sind recht ungleichmĂ€ĂŸig ĂŒber den Kontinent verteilt.

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Obstwein aus MostĂ€pfeln und Mostbirnen ist ganz und gar ein europĂ€isches Produkt. Doch die Mostgegenden sind recht ungleichmĂ€ĂŸig ĂŒber den Kontinent verteilt.

Da gibt es zunĂ€chst das westeuropĂ€ische Verbreitungsgebiet, das sich am besten zwischen den kelto-romanischen Eckpfeilern des britischen „Cider“, des französischen „Cidre“ und des spanischen „Sidra“ eingrenzen lĂ€sst. Die wichtigsten Anbaugebiete sind die Bretagne und Normandie einerseits, die englischen Grafschaften Devon, Somerset, Hereford, Worcester und Gloucester andererseits, und schließlich das spanische Baskenland.

In SĂŒdwestdeutschland, im badischen und hessischen Raum ist in den so genannten „Äppelwoi-“ oder „Ebbelweistuben“ (Apfelweinstuben) der Apfelmost omniprĂ€sent. Ähnlich wie in Weingegenden erkennt man die „Ebbelweischenke“ an einem ĂŒber der EingangstĂŒr drapierten Kranz und je nach Jahreszeit wird der Most hier in all seinen Metamorphosen vom unvergorenen „SĂŒĂŸen“ ĂŒber den stĂŒrmenden „Rauscher“ bis hin zum echten „Äppelwoi“ aus dem „Bembel“ (Kanne aus Steingut) ausgeschenkt.

Wenige Kilometer westlich von Passau beginnt die dritte europĂ€ische Mostgegend, die sich ĂŒber den grĂ¶ĂŸten Teil Oberösterreichs und das niederösterreichische Mostviertel ausbreitet und sich ĂŒber die Gegend von Rax, Schneeberg und Semmering bis ins sĂŒdliche Burgenland, die SĂŒd- und Oststeiermark und in die östlichen Teile KĂ€rntens und Sloweniens erstreckt.

Einzelne Mostenklaven gibt es auch in SĂŒdskandinavien und in den Ostteilen der USA.

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Lob und Trutz des Mostes

„MostschĂ€deln wer’n ma g’nennt, Respekt hat, wer uns kennt 
“
Welcher Oberösterreicher kennt nicht die Zeilen des Ennser Volksdichters Carl Adam Kaltenbrunner, die der geborene Mostviertler Sepp Fellner um 1930 zu dem bekannten Oberösterreicher-Marsch verarbeitet hat?
Der Mundartdichter Franz Hönig hat den Oberösterreichern zu der halb liebenswĂŒrdig, halb kritisch gemeinten Charakterisierung von den MostschĂ€deln verholfen. Franz Brunner meinte dazu:
„... drum haben uns scho öfta oa MostschĂ€dl g‘nennt / de Armen haben sicher des Trankl net kennt!”

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„MostschĂ€deln wer’n ma g’nennt, Respekt hat, wer uns kennt 
“
Welcher Oberösterreicher kennt nicht die Zeilen des Ennser Volksdichters Carl Adam Kaltenbrunner, die der geborene Mostviertler Sepp Fellner um 1930 zu dem bekannten Oberösterreicher-Marsch verarbeitet hat?
Der Mundartdichter Franz Hönig hat den Oberösterreichern zu der halb liebenswĂŒrdig, halb kritisch gemeinten Charakterisierung von den MostschĂ€deln verholfen. Franz Brunner meinte dazu:
„... drum haben uns scho öfta oa MostschĂ€dl g‘nennt / de Armen haben sicher des Trankl net kennt!”

Im Deutsch-dĂ€nischen Krieg 1864 werden oberösterreichische Kavalleristen wegen erwiesener Tapferkeit als „unsere braven MostschĂ€del“ gelobt. Doch schon im 18. Jahrhundert hat Maurus Lindemayr, der BegrĂŒnder der oberösterreichischen Dialektdichtung, mit seinem VolksstĂŒck Der versoffene Hans, der sich beim Most hat „valaunt und valost“, diesem GetrĂ€nk ein liebenswĂŒrdiges dichterisches Denkmal gesetzt.
Franz Stelzhamer – obwohl als Innviertler ja auch ein Bierliebhaber – hĂ€tte dem Most auch einen Platz in der Landeshymne gesichert, wenn die LandesvĂ€ter nicht 1952 im zugehörigen Gesetzesbeschluss die dritte und vierte Strophe seines Hoamatgsangs mit der Lobpreisung des Mosts der KĂŒrze halber ausgeklammert hĂ€tten.

Auf der anderen Seite gibt es auch die Kritikaster: Dieses Oberösterreich habe ja, so schrieb Helmut Qualtinger in einem berĂŒhmten Sketch, bekanntlich einen Most hervorgebracht, „der allein imstande war, auch dem hĂ€rtesten Großvater das Handwerk zu legen“. Helmut Qualtinger, der Wiener, verstand eben doch nichts vom Most.
Inzwischen ist dem Land der Charakter des leicht hinterwĂ€ldlerischen Mostindiens, von wo der Bartel den Most holt, verloren gegangen. Diese Redenshart hat wiederum gar nichts mit dem Most zu tun, vielmehr leitet sich diese aus der Gaunersprache her: vom Bartel, dem Brecheisen, mit dem man an das „Mos“, das Geld, herankommt.
Allerdings, mit dem Mostmachen wurde in guten Jahren schon mit dem BartholomĂ€itag (24. August) begonnen. Dieser aus dem ersten Fallobst gewonnene BartlmĂ€-Most ist zwar recht g’schmackig, hĂ€lt sich aber nicht lange und muss rasch vertrunken werden. Die wirkliche Mostkampagne beginnt erst im Oktober.

„Dein’ Hitz is net zgrimmi,
Net z’groaß is dein Frost,
Ünser Traubn hoaßt Hopfn,
Ünsern Wein nennt ma Most.

Und zun Bier und zun Most
Schmeckt a krÀftige Kost
Und die wÄchst Älle Jahr,
Mit der Noat hĂ„t's koan GfĂ„hr.“


3. und 4. Strophe von Franz Stelzhamers s'Hoamatgsang

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Mostterminologie

Vinum mustum nannten die Römer den frisch gepressten Traubensaft. Auch unsere Winzer meinen mit „Most“ den noch unvergorenen Rebensaft. Der Oberösterreicher versteht darunter ausschließlich den vergorenen Obstwein.

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Vinum mustum nannten die Römer den frisch gepressten Traubensaft. Auch unsere Winzer meinen mit „Most“ den noch unvergorenen Rebensaft. Der Oberösterreicher versteht darunter ausschließlich den vergorenen Obstwein.
Das alte deutsche Wort dafĂŒr ist lit, das sich in Leitgeb (Wirt), Leithaus (Wirtshaus) und Leitkauf (Trinkgeld) in der bairisch-österreichischen Mundart bis ins 20. Jahrhundert erhalten hat.

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SprĂŒche auf alten Mostpressen

„Die Press mit ihrer Kraft
DrĂŒckt heraus den Apfelsaft.“

„Genieße mĂ€ĂŸig diesen Saft,
er gibt die Leben, Geist und Kraft.“

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„Die Press mit ihrer Kraft
DrĂŒckt heraus den Apfelsaft.“

„Genieße mĂ€ĂŸig diesen Saft,
er gibt die Leben, Geist und Kraft.“

„O Gott, wenn du kein Most net schickst,
so nĂŒtzt uns Fass und Presse nichts.“

„Den Most tring ich so gern

Wenn nur recht Äpfel und Birnen wern.“

„I press a guat’s Tröpferl
Aus Aepfeln und Birn,
Nur dĂ€rfst nit z’viel trinka,
Sunst steigt’s dir ins Hirn.“

„Da Mot is a Tröpferl,
Gott selm hotn gweicht,
Er woaß, wiavĂŒl Köpfel
Des Tröpfel schon g’eicht.“
Franz Brunner

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Linktipp:

MostschenkenfĂŒhrer Oberösterreich


Ausflugstipp:

Most- und Heimatmuseum St. Marienkirchen an der Polsenz

Mostmuseum Neumarkt im MĂŒhlkreis


Literatur:


Heimo Cerny, Der Most. Zur Kulturgeschichte eines GetrÀnkes. Amstetten 1996.

Franz Carl Lipp, Herzhafter Haustrunk Most. Linz o. J.

Wilhelm Heinrich Rieß: Der Most. Geschichte und GerĂ€te. In: Jahrbuch des Musealvereins Wels 19 (1973/74).

Wilhelm Heinrich Rieß: Vom Most und den MostschĂ€deln. Wesen und Wirken der oberösterreichischen LandessĂ€ure. Linz 1983.


Autor: Roman Sandgruber

Oberösterreichische Nachrichten
, 4. Dezember 2010

 

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