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Freistadt 1945 | Sonderausstellung im Mühlviertler Schlossmuseum


Freistadt 1945

Aus Ruinen werden Baustellen
Mit möglichst geringem Aufwand muss nun der Wiederaufbau der zerstörten Häuser begonnen werden. Baustoffknappheit und Facharbeitermangel zwingen die Bevölkerung zu großem Mut und vielen Risiken. Bald stellen sich die ersten Erfolge dieses Aufbauwerkes ein, sie sind Zeugnis eines großartigen Zusammenhalts.

Aus der Freistädter Stadtchronik
23. 5. Abzug der Amerikaner:
Während der Verhandlungen um die einheitliche Besetzung des Mühlviertels verließen plötzlich am Vormittag des 23. Mai die Amerikaner die Stadt und bezogen die Demarkationslinie längs der Eisenbahn.

Zur Beruhigung der Bevölkerung wurde durch den Freistädter Bürgermeister nachstehende Bekanntmachung veröffentlicht:

Kundmachung:
"Im Einvernehmen mit dem Stadtkommandanten ordne ich an, dass sämtliche Lebensmittelgeschäfte in Freistadt ab Dienstag, den 29. Mai d. J., für die Zivilbevölkerung in Freistadt zu öffnen sind.
Der Verkauf der bezugsscheinpflichtigen Waren findet weiterhin nur gegen die hierfür vorgesehenen Karten-Abschnitte statt.
An russische Militärpersonen dürfen die Bezugsscheinpflichtigen Waren ebenfalls nur gegen Bezugsscheine oder Kartenabschnitte verkauft werden. Die auf russische Militärpersonen lautende Bezugsscheine bedürfen der Unterschrift des Bürgermeisters.
Die Geschäftszeit von Montag bis Samstag ist von ½ 8 bis 12 und von 14 bis 19 Uhr.
- Der Bürgermeister
"
 

Ernährungsprobleme
Die einigermaßen funktionierende Landwirtschaft wurde im Sommer von den Besatzungssoldaten durch Plünderungen stark geschädigt. Kaum ein Bauernhof, aber auch kaum ein Kleinlandwirt blieb davon verschont. Neben den Viehdiebstählen waren auch die Ernteausfälle im Jahr 1945 katastrophal.

Der Schwarzhandel, an dem sich viele Einheimische beteiligten, schadete zudem dem Aufbau der Landwirtschaft.

Mit diversen gesetzlichen Bestimmungen versuchte man, dieser misslichen Situation Herr zu werden. Behördliche Beschlagnahmung und Strafen zeigten Wirkung. So konnten in den Monaten November und Dezember 1945 an der niederösterreichischen Grenze 55 Pferde abgefangen werden, im gleichen Zeitraum hat die Bezirkshauptmannschaft Freistadt Strafgelder von 100.000 Schilling eingenommen.
 

Autor: Fritz Fellner, 2019


Freistadt 1945. Eine Dokumentation zur Ausstellung im Mühlviertler Schlossmuseum vom 12. Oktober bis 8. Dezember 2019.

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