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Freistadt 1945 | Sonderausstellung im MĂŒhlviertler Schlossmuseum


Kriegsende und Neubeginn

Dem Kriegsende entgegen....
Die Bevölkerung Oberösterreichs hat nun immer mehr Luftangriffe auszuhalten. An die 2000 Tote sind zu beklagen, tausende HĂ€user werden schwerst beschĂ€digt. Jeder weiß, dass der Krieg lĂ€ngst verloren ist, viele „Nazi-HohheitstrĂ€ger“ haben sich bereits abgesetzt. Goebbels‘ verbrecherische Propaganda hĂ€lt jedoch am „Endsieg“ fest. Die Durchhaltebefehle kosten tausenden Menschen das Leben.
Stellvertretend fĂŒr die tragischen Schicksale, die viele patriotische Österreicher erleiden mussten, soll auch auf die „Ereignisse in Peilstein“ und auf den sogenannten „Sozialistenmord“ in Freistadt hingewiesen werden.

Der Befreier Wiens - Aufrufe der Alliierten
Am 15. April erscheint die erste „Frontzeitung fĂŒr die Bevölkerung Österreichs“. Die österreichische Zeitung versichert, dass die Rote Armee nicht gegen die österreichische Bevölkerung, sondern lediglich gegen die Nazi- Machthaber kĂ€mpft. Sie verlangt dabei die UnterstĂŒtzung der Österreicher.

Dr. Renner erhÀlt ein Angebot
Anfang April 1945 erhĂ€lt Marshall Tolbuchin den Befehl aus Moskau, den ehemaligen österreichischen Staatskanzler Karl Renner zu suchen und ihm die Regierungsbildung anzubieten. Der 75-jĂ€hrige Sozialdemokrat verfĂŒgt aus der Zeit seiner TĂ€tigkeit als Staatskanzler von 1918-1920 immer noch ĂŒber gute diplomatische Kontakte zur sowjetischen FĂŒhrung.
Er nimmt bereits am 5. April das russische Angebot an, stellt aber von Anfang an klar, dass er nicht als Beauftragter der Roten Armee handeln werde. Außerdem mĂŒsse dieser Auftrag auch von österreichischer Seite an ihn herangetragen werden.

Proklamation - Der 27. April 1945
Entsprechend der Moskauer Deklaration der Regierungen der Sowjetunion, Großbritanniens und der USA soll ein freies und unabhĂ€ngiges Österreich wiederhergestellt werden.
In den Tagen nach der Proklamation der Zweiten Republik kommt es insbesondere in Wien immer wieder zu großen Jubelkundgebungen. Tausende Menschen tanzen auf der Ringstraße und schwingen die österreichische Fahne.
Zum denkwĂŒrdigen, ja historischen Tag fĂŒr das neue Österreich wird der 27. April 1945. Namens der Roten Armee spricht der Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen Front, Marschall Tolbuchin, der provisorischen Regierung die Anerkennung aus und sagt ihr seine UnterstĂŒtzung zu. Daraufhin tritt die Regierung mit einer Proklamation an die Öffentlichkeit.

RegierungserklÀrung vom 29. April
29.4.1945: Zwei Tage nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung nimmt Staatsregierung symbolisch Besitz von den RĂ€umen des teilweise zerstörten ParlamentsgebĂ€udes. Die RegierungserklĂ€rung wird veröffentlicht, sie ist ein Aufruf zur demokratischen Aufbauarbeit. Die der westlichen BesatzungsmĂ€chte ließ noch auf sich warten...
 

Autor: Kurt Cerwenka, 2019


Freistadt 1945. Eine Dokumentation zur Ausstellung im MĂŒhlviertler Schlossmuseum vom 12. Oktober bis 8. Dezember 2019.

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