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Maximilian I. Kaiser - Reformer - Mensch.

Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters


Kaiser Maximilian I. und seine Familienpolitik

„Kriege fĂŒhren mögen andere, du, glĂŒckliches Österreich, heirate.“

Kaum ein Herrscher verkörpert besser die Heirat als Mittel der Politik, Diplomatie und Machtvermehrung als Maximilian I. Durch seine erste Ehe mit Maria von Burgund erwarb er fĂŒr seine Nachkommen deren Herzogtum, das er auch zu großen Teilen erhalten konnte. Nach Marias Tod bemĂŒhte Maximilian sich um eine Heirat mit Anne de Bretagne, um damit seinen Besitz zu vergrĂ¶ĂŸern. Die 1490 geschlossene Ehe scheiterte durch den Einmarsch der Franzosen und wurde letztlich fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rt. Die Ehe Maximilians mit Bianca Maria Sforza von Mailand 1493 sicherte ihm seine Stellung in Italien und durch die horrende Mitgift der Braut seine militĂ€rischen Unternehmungen der kommenden Jahre.

1496/97 verheiratete der Herrscher seine beiden Kinder Philipp und Margarete mit den Thronfolgern von Spanien. Diese als BĂŒndnis gegen Frankreich zu verstehenden Ehen bildeten den Grundstein fĂŒr das Habsburger-Weltreich.

Die Doppelhochzeit der Enkelkinder Maximilians mit den Kindern des Königs von Ungarn und Böhmen 1515 schuf einen Verbund gegen das Osmanische Reich. Sie legte auch den Grundstein fĂŒr die Donaumonarchie.


Objekte

Der erste Raum widmete sich der Biografie Kaiser Maximilans I. Auf Fahnen aufgezogene Portraits gaben Einblick in sein familiĂ€res Netzwerk.

Bianca Maria Sforza
Bianca Maria Sforza wurde 1472 geboren. Seit 1490 betrieb ihr Onkel Ludovico Sforza eine Heirat mit Maximilian, die ihm den Herzogstitel einbringen sollte. Um Maximilian die unstandesgemĂ€ĂŸe Ehe schmackhaft zu machen, setzte Ludovico eine Mitgift von 400.000 Gulden und darĂŒber hinaus Juwelen im Wert von 40.000 Golddukaten aus. Diese Argumente ĂŒberzeugten Maximilian. Im November 1493 wurde Bianca Maria Sforza in Abwesenheit des BrĂ€utigams in einer Stellvertreterhochzeit (per procuram) in Mailand vermĂ€hlt. Maximilian hielt sich in der Folge weitgehend von seiner Gemahlin fern, die zur Jahreswende 1510/11 kinderlos verstarb.
nach 1494, Ambrogio de Predis (Werkstatt), Quelle: Stadtmuseum Wels

Kaiser Maximilian I.
Das PortrĂ€t, welches um 1510 entstand, gibt nicht das Aussehen Maximilians zu dieser Zeit wieder, sondern beruht auf Ă€lteren Bildnisaufnahmen aus dem spĂ€ten 15. Jahrhundert, die den Kaiser wesentlich jĂŒnger zeigen. Die Nelke, die er in der rechten Hand hĂ€lt, deutet auf die Eheschließung mit Maria von Burgund hin.
1509/10, Joos van Cleve, Quelle: Stadtmuseum Wels

Kaiser Maximilian I.
Der Maler Bernhard Strigel war in den Jahren nach 1500 der bevorzugte PortrĂ€tmaler Maximilian I. In Strigels Werkstatt wurden die Bildnisse des Kaisers vielfach wiederholt. Sie waren ein wesentliches Mittel der kaiserlichen Propaganda. Im Gegensatz zum Massenmedium der Druckgraphik dienten die gemalten PortrĂ€ts als kostbare Geschenke fĂŒr Verwandte und Vertraute. In diesem PortrĂ€t prĂ€sentiert sich Maximilian mit den Insignien seiner Macht: Krone, Zepter, Schwert und Mantel. Er trĂ€gt die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies. 
nach 1507, nach Bernhard Strigel, Quelle: Stadtmuseum Wels

Die Familie Kaiser Maximilians I.
Das GruppenportrĂ€t zeigt links Kaiser Maximilian I. (1459 – 1519), rechts seine erste Frau Maria von Burgund (1457 – 1482), dazwischen ihren Sohn Philipp den Schönen (1478 - 1506), vorne die spĂ€teren Kaiser Ferdinand I. (1503 – 1564) und Karl V. (1500 – 1558), rechts Ludwig (1506 – 1526), den Erben der Königreiche Ungarn und Böhmen.
Das Bild entstand anlÀsslich der Wiener Doppelhochzeit 1515, mit der Maximilian seinen Nachkommen die Königreiche Böhmen und Ungarn sichern konnte. Maria von Burgund und Philipp der Schöne waren zur Entstehungszeit des Bildes bereits tot.
zwischen 1515 und 1520, Bernhard Strigel, Quelle: Stadtmuseum Wels

Maximilian I.
Ambrogio de Predis reiste im Herbst 1493 als Mitglied von Bianca Maria Sforzas Gefolge nach Innsbruck, wo er einige PortrĂ€ts anfertigte. Er war auch in den folgenden Jahren immer wieder fĂŒr Maximilian tĂ€tig, indem er MĂŒnzen, aber auch Wandteppiche und GewĂ€nder in italienischem Stil fĂŒr die kostspielige Innsbrucker Hofhaltung Bianca Marias entwarf.
1502, Ambrogio de Predis, Quelle: Stadtmuseum Wels

Maria von Burgund
Maria von Burgund wurde 1457 als einziges Kind Herzog Karls des KĂŒhnen geboren. Als der Herzog Anfang 1477 im Krieg fiel, wurde Maria Erbin von Burgund und der zugehörigen Niederlande. Von König Ludwig XI. von Frankreich bedrĂ€ngt, vermĂ€hlte sich Maria noch 1477 aufgrund der zwischen ihrem Vater und Kaiser Friedrich III. getroffenen Vereinbarungen mit Erzherzog Maximilian, dem 18-jĂ€hrigen Sohn des Kaisers. Maximilian konnte durch seine militĂ€rischen Erfolge ĂŒber die Franzosen und die politischen AnnĂ€herungen an England den grĂ¶ĂŸten Teil des niederlĂ€ndischen Erbes behaupten. Bereits 1482 starb Maria an den Folgen eines Jagdunfalls.
nach 1498, Niklas Reiser, Quelle: Stadtmuseum Wels

Kaiser Maximilian I.
Das GemĂ€lde entstand nach Maximilians Tod. Dieses Bild zeigt weder die Funktion eines Herrschers, noch ließe es auf Rittertum schließen. Der Kaiser erscheint als vornehmer und wohlhabender BĂŒrger, mit einem kostbaren, mit Pelz besetzten Mantel, einem Samtbarett auf dem Kopf und einem Granatapfel in seiner linken Hand. Der Granatapfel, an Stelle eines Reichsapfels, wird unterschiedlich gedeutet. Entweder als Zeichen des Überflusses oder in der christlichen Interpretation als Symbol der Auferstehung. Es ergibt sich somit der Hinweis, den Kaiser als Verstorbenen kenntlich zu machen.
1519, Albrecht DĂŒrer, Quelle: Stadtmuseum Wels

Maximilian I. zu Pferd
Die Darstellung zeigt Maximilian im kostbaren Harnisch mit der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies und dem Pfauenfedernstoß als Helmzier des Erzherzogtums Österreich. Der Orden vom Goldenen Vlies ist ein 1430 gegrĂŒndeter weltlicher Ritterorden. Das Ordensabzeichen ist ein hĂ€ngendes goldenes Widderfell. Das Ziel des Ordens war die Erhaltung des katholischen Glaubens, der Schutz der Kirche und die Wahrung der unbefleckten Ehre des Rittertums.
1508, Hans Burgkmaier, Quelle: Stadtmuseum Wels

Kaiser Maximilian I.
Inschrift: Imperator Caesar Diuus Maximilianus / Pius Felix Augustus (Oberster Feldherr, Kaiser, in den Himmel erhobener Maximilian, der Milde, Erfolgreiche, Erhabene)
Der Holzschnitt wurde von Albrecht DĂŒrer nach der Vorlage einer Kohlezeichnung anlĂ€sslich des Augsburger Reichstages 1518 angefertigt. Die Ehrentitel entsprechen denen der antiken MĂŒnzprĂ€gungen. Erst die verstorbenen Caesaren wurden als „divus“ bezeichnet. DĂŒrers Holzschnitt ist der Erinnerung an den verstorbenen Kaiser gewidmet.
1519, Albrecht DĂŒrer


Dokumentation zur Sonderausstellung "Kaiser Maximilian I. - Kaiser - Reformer - Mensch. Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters" im Museum der Stadt Wels - Burg vom 21. MĂ€rz - 27. Oktober 2019.

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