Forum O√Ė Geschichte

Maximilian I. Kaiser - Reformer - Mensch.

Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters


Wels und Polheim

Maximilian kannte Wels wohl schon aus Erz√§hlungen seiner Jugendfreunde. 1493 best√§tigte er der Stadt alle Privilegien. Im Zuge seiner Verwaltungsreform richtete er 1498 im Land ob der Enns ein Vizedomamt ein, das vorerst von Wels aus geleitet wurde. Er lie√ü die Welser Burg baulich sanieren, wovon auch die Jahreszahl (15)14 auf einer der L√§rchendecken zeugt. Die Welser Pfarrkirche gewann Maximilian 1506 vom Kloster Kremsm√ľnster durch Tausch. Auf dem Sterbebett erteilte der Kaiser der Stadt die Auszeichnung, k√ľnftig mit rotem Wachs zu siegeln.


Besondere Bedeutung hatten f√ľr Maximilian Vertraute aus der Welser Adelsfamilie Polheim. Der 1498 verstorbene Martin war K√§mmerer, Wolfgang aus der Wartenburger Linie stieg vom Spielkameraden und Renn- und Stechmeister bis zum obersten Hauptmann der nieder√∂sterreichischen L√§nder auf. Beide begleiteten Maximilian in die Niederlande, wo sie auch in den schwersten Stunden treu zu ihrem Herrn standen. Wolfgangs Bruder Bernhard unterst√ľtzte ihn als Diplomat auch in heiklen Missionen. Die Dienste Erhards aus der steirischen Linie reichten als Testamentsvollstrecker √ľber den Tod des Kaisers hinaus.
 

Wolfgang von Polheim und Wartenburg

Wolfgang kam schon als Knabe an den Hof nach Wiener Neustadt und wuchs als Spielgef√§hrte mit dem fast gleichaltrigen Maximilian auf. Es verband sie eine Reihe von Charaktereigenschaften und Interessen, wie Tapferkeit, Verl√§sslichkeit und Treue, die Freude an ritterlichen Kampfspielen und an prunkvollen Turnieren sowie die Begeisterung f√ľr die Jagd...

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Wolfgang kam schon als Knabe an den Hof nach Wiener Neustadt und wuchs als Spielgef√§hrte mit dem fast gleichaltrigen Maximilian auf. Es verband sie eine Reihe von Charaktereigenschaften und Interessen, wie Tapferkeit, Verl√§sslichkeit und Treue, die Freude an ritterlichen Kampfspielen und an prunkvollen Turnieren sowie die Begeisterung f√ľr die Jagd. Als Maximilian 1477 in die Niederlande zog, um Maria von Burgund zu heiraten, war Polheim von Anfang an dabei. Ihre Freundschaft war so tief, dass ihm Maximilian sogar seine Jugendliebe Rosina von Kraig, von der er sich nun endg√ľltig trennen musste, zur Ehefrau geben wollte. Die burgundische Heirat zog langj√§hrige Kriege gegen Frankreich nach sich. Im ersten gro√üen Aufeinandertreffen 1479 bei Guinegate fiel trotz erfolgreichen Verlaufs Polheim in die H√§nde des Feindes. Der K√∂nig von Frankreich wusste von der Freundschaft der beiden M√§nner und hielt Wolfgang fast zwei Jahre lang als Pfand gefangen. Der Austausch gegen niederl√§ndische Rassehunde stellte letztlich eine Verh√∂hnung Maximilians dar. 1486 begleitete Wolfgang Maximilian zur K√∂nigswahl nach Frankfurt und Aachen. 1488 gipfelte der Aufstand der Flamen in der Gefangennahme des K√∂nigs und seines Gefolges durch die B√ľrger von Br√ľgge. Mehrfach in Todesnot bereinigte Kaiser Friedrich III. mit einem rasch anr√ľckenden Reichsheer die gef√§hrliche Situation. F√ľr Wolfgang von Polheim blamabel endete sein Auftrag, ein geheimes Heiratsprojekt Maximilians mit der blutjungen Anna, Erbtochter der Bretagne, zum Abschluss zu bringen. Es kam zwar 1490 zur Eheschlie√üung per procuram, indem Wolfgang als Stellvertreter des Br√§utigams nach dem Rechtsbrauch vor dem anwesendem Hof ger√ľstet das geschm√ľckte Hochzeitsbett bestieg und mit seinem entbl√∂√üten Knie Anna ber√ľhrte, um so den Vollzug der Heirat anzudeuten. Der Franzosenk√∂nig Karl VIII. griff nun milit√§risch ein, besetzte die Bretagne, erkl√§rte die Ehe Annas aus formellen Gr√ľnden f√ľr nichtig und heiratete sie nun selbst. Ein Rachekrieg des Reiches unter zeitweiser F√ľhrung durch Wolfgang von Polheim konnte die Schmach des bretonischen ‚ÄěBrautraubs‚Äú nicht tilgen.

1494 heiratete Wolfgang von Polheim die 18-j√§hrige Niederl√§nderin Johanna von Borselle. Ihr Erbgut verkaufte er zugunsten Maximilians, der ihm f√ľr die enorme Summe von 44.000 Gulden die landesf√ľrstlichen Herrschaften Attersee, Frankenburg, Kammer, Kogl und die Burgvogtei Wels verpf√§ndete. 1496 wurde Wolfgang von Polheim zum obersten Hauptmann des Regiments der nieder√∂sterreichischen L√§nder bestellt. Dort erwarteten ihn auf Grund schwerer Fehler und Unterlassungen √ľberm√§chtige finanzielle Probleme sowie die zunehmende Opposition der Landst√§nde, die sich gegen die Schm√§lerung ihrer alten Gewohnheiten und Rechte sowie gegen die √ľberm√§√üige Steuerbelastung wehrten. Zwar bem√ľhte sich Polheim mit Pflicht- und Verantwortungsgef√ľhl, aber auch mit einer gewissen Offenheit gegen√ľber dem K√∂nig um Beruhigung und Ausgleich, der Erfolg blieb aber √ľberschaubar. Trotzdem bezog er ein hohes Jahresgehalt und wurde auf Maximilians F√ľrsprache in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. Als er 1512 starb, hinterlie√ü er das Land, wie ein Zeitgenosse meinte, in ‚Äěbl√ľhender Unordnung‚Äú.

Autor: Walter Aspernig

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Dokumentation zur Sonderausstellung "Kaiser Maximilian I. - Kaiser - Reformer - Mensch. Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters" im Museum der Stadt Wels - Burg vom 21. März - 27. Oktober 2019.

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