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Maximilian I. Kaiser - Reformer - Mensch.

Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters


Die Herren von Polheim

Die Herren von Polheim gehörten zu den prominentesten Adelsgeschlechtern im Land ob und spĂ€ter auch unter der Enns. Um 1100 tauchten Mitglieder dieses Geschlechtes aus dem Dunkel bayerischer FrĂŒhgeschichte als freie Adelige (nobiles) im Umkreis der Bischöfe von Passau und als Vasallen der mĂ€chtigen Grafen von Vornbach auf. Sie nannten sich nach ihrem Stammsitz Polheim auf dem Pollhamerberg im Bezirk Grieskirchen.
 

Die Polheimische Genealogie fĂŒhrt einen Pilgrim von Polheim, der als Zeuge in einer heute verlorenen Lambacher Urkunde von angeblich 1073 aufschien, als Spitzenahn an. Die nĂ€chste Generation begab sich unter dem Druck der wirtschaftlichen und sozialen VerhĂ€ltnisse in die MinisterialitĂ€t (Dienstmannschaft) des Klosters St. Nikola bei Passau. Trotz dieses gesellschaftlichen Abstiegs blieben die Polheimer eines der fĂŒhrenden Adelsgeschlechter des Landes. Ulrich von Polheim wandte sich um 1200 der neu aufstrebenden Macht im Hausruckviertel zu und wurde Schaunberger Dienstmann. Im Zisterzienserkloster Wilhering, dessen Vögte (Schutzherrn) die Schaunberger waren, errichtete er eine Grablege fĂŒr seine Familie und sicherte durch Stiftungen das Gebet dankbarer Mönche fĂŒr das Seelenheil der Polheimer.

Sein Sohn Albero trat in den Dienst des Herzogs von Österreich, wo er, ohne ein landesfĂŒrstliches Amt zu bekleiden, rasch an Einfluss gewann. 1236 wechselte er im Konflikt zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II. und dem gleichnamigen letzten Babenbergerherzog ins kaiserliche Lager und wurde mit der Friedenssicherung und Verwaltung des Gebiets zwischen Enns und Hausruck betraut. Durch seine Heirat mit einer Tochter Ottos von Rohr erwarb er reichen Besitz in Wels, wo er in der Nordwestecke der entstehenden „civitas“, die neue Stadtmauer verstĂ€rkend, seine Stadtburg errichtete.

Der jeweils Ă€lteste Polheimer vergab bzw. empfing die Lehen. Damit wurde bis in die frĂŒhe Neuzeit die Fiktion einer Polheimer Großfamilie aufrechterhalten, die ihren Mittelpunkt in der Stadt Wels nahe der namengebenden Burg hatte.

WĂ€hrend die Polheimer bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts vorrangig ihren Besitz im Land ob der Enns bzw. in der Steiermark konsolidierten und politisch nicht sonderlich hervortraten, rĂŒckte unter Kaiser Friedrich III. und seinem Sohn Maximilian I. der Hofdienst in den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen. Erziehung und Ausbildung etlicher Polheimer sowohl der Welser als auch der Wartenburger Linie erfolgten nun in Wien bzw. Wiener Neustadt. Martin von Polheim zu Wels und sein Wartenburger „Vetter“ Wolfgang (links) wurden engste Vertraute und WeggefĂ€hrten von Kaiser Maximilian, den sie auch nach Burgund begleiteten und fĂŒr den sie mehrmals in Gefangenschaft gerieten. Wolfgangs Ă€lterer Bruder Bernhard (unten) leistete König Maximilian wertvolle diplomatische Dienste und der „Steirer“ Erhard von Polheim diente noch nach dem Tod des Kaisers als einer seiner Testamentsvollstrecker.

Trotz ihres NahverhÀltnisses zum katholischen Herrscherhaus, dem sie ihren Aufstieg letztlich verdankten, wandten sich die Polheimer im 16. Jahrhundert der lutherischen Lehre zu, die sie auf Reisen im Zuge von stÀndischen Gesandtschaften oder im Gefolge des Kaisers, aber auch durch persönliche Kontakte oder durch die Flut von Flugschriften und anderen Druckwerken kennenlernten.

Dies fĂŒhrte allmĂ€hlich zu einer gewissen Distanz zum Herrscherhaus. Die Söhne gingen nun nicht mehr nach Wien, sondern an auswĂ€rtige Höfe und UniversitĂ€ten, meist im protestantischen Mitteldeutschland oder nach Italien.

Nach solchen Bildungsreisen folgten die Übernahme einer der polheimischen Grundherrschaften als wirtschaftliche Basis, die GrĂŒndung einer kinderreichen Familie sowie der Erwerb von Ämtern und Funktionen des Hofes und (oder) ein politisches Engagement in der landstĂ€ndischen Organisation.

Cyriak von Polheim zu Wartenburg, ein Sohn des genannten Wolfgang von Polheim, unterstĂŒtzte zwar Maximilians Nachfolger Ferdinand I., förderte aber als Landeshauptmann ob der Enns auch die neue Lehre nach KrĂ€ften. Sein Welser „Vetter“ Sigmund Ludwig von Polheim, der 1514 das alte Wasserschloss Parz erworben und hierher die alten Rechte der seit 1398 Polheimischen Veste Tegernbach einschließlich der Verwaltung des Marktes Grieskirchen verlegt hatte, begann mit dem Bau des Landschlosses. Auch er erzog seine Kinder schon ganz im Sinne Luthers.

Sein Àltester Sohn Paul Martin und Cyriaks Sohn Casimir gingen an den sÀchsischen Hof und traten in den Dienst Herzog Johann Friedrichs. Beide kÀmpften im Schmalkaldischen Krieg auf der Seite der Protestanten, wurden von den kaiserlichen Truppen 1547 gefangengenommen und mussten sich schriftlich König Ferdinand I. unterwerfen.

Paul Martin kehrte nicht mehr in die Heimat zurĂŒck und liegt im thĂŒringischen Altenburg begraben.

Sein jĂŒngster Bruder Sigmund wurde nach dem frĂŒhen Tod der Eltern von seinen Verwandten und VormĂŒndern zum Studium ins Ausland und an den lothringischen Hof gesandt. 1557 heiratete er im Schloss zu Wels die ebenfalls protestantisch erzogene 19-jĂ€hrige Potentiana von Hohenfeld und ĂŒbersiedelte nach Parz, wo er den von seinem Vater begonnenen Neubau im Renaissancestil durch den „welschen Maurermeister“ Martin Capran fortsetzen ließ.

Sein humanistisches Bildungsideal und seine religiöspolitischen Überzeugungen manifestierte er durch Freskenmalereien, die die gesamte LĂ€nge der SĂŒdfassade des Landschlosses einnehmen.

Sigmunds Bruder Ludwig errichtete westlich von Wels das Landschloss Lichtenegg, dessen kaiserliche Erhebung zu einem Adelssitz er 1573 erreichte.

Gundakar von Polheim (1575–1644) studierte in Jena.
1599 feierte er im Landhaus zu Wien Hochzeit mit Barbara, der Tochter Ulrichs von Prankh, die ihm die Herrschaft Schneeberg in der Oberpfalz zubrachte. Er war ĂŒberzeugter Protestant. In Steinhaus erbaute er mit Hilfe der Untertanen eine evangelische Kirche. In der Maria-Magdalena-Kirche in der Pfarre Schönau stellte er einen evangelischen Prediger an. Trotz dieser eindeutigen Gesinnung standen aber fĂŒr ihn Hofdienst und Treue zum Herrscherhaus an erster Stelle. Als Rat und HofkĂ€mmerer diente er den Kaisern Rudolf II., Matthias und Ferdinand II. Von letzterem erlangte er 1620 beim Einmarsch der bayerischen Truppen im Land ob der Enns fĂŒr seine standhafte Treue und vielfĂ€ltigen Verdienste einen Schutzbrief fĂŒr seine Untertanen und GĂŒter.

1622 aber stĂŒrzte ihn eine ernste Krankheit in einen schweren Konflikt mit dem Kaiser, da er auf dem Krankenbett sowohl evangelisch als auch katholisch kommunizierte.

Mit einer Erinnerungsschrift, in der er seine 26-jĂ€hrigen Dienste fĂŒr die Habsburger darlegte, tat er seine unerschĂŒtterliche Ergebenheit neuerlich kund. Der Kaiser verzieh ihm, nahm ihn in Gnaden wieder auf und ernannte ihn zum Reichshofrat mit entsprechender Besoldung.

Hier wurden auch seine Kinder geboren, von denen Gundakar der letzte bedeutende Polheimer im Land ob der Enns werden sollte.

Gundakar versuchte vergeblich, die immensen Geldschulden der Polheimer, die durch Bevorschussung diplomatischer TĂ€tigkeiten, aber auch durch Misswirtschaft einzelner Familienmitglieder entstanden waren, durch Verhandlungen und Vergleiche in den Griff zu bekommen. Die Polheimische Krida war aber unabwendbar. 1628 musste er Schloss und Herrschaft Polheim zu Wels verkaufen, 1630 Irnharting, 1632 Steinhaus und 1642 Lichtenegg.

Auch die Wartenburger Polheimer, die schon 1626 Puchheim durch Konfiskation an Graf Adam Herbersdorf verloren hatten, verkauften 1639 ihren Stammsitz Wartenburg bei Vöcklabruck. Als letzte Herrschaft im Land ob der Enns verĂ€ußerten die Erben des 1644 verstorbenen Gundakar von Polheim Parz an David Ungnad von Weißenwolf.

Die steirische Linie der Polheimer war schon 1571 mit Hans von Polheim ausgestorben.

Die oberösterreichischen Polheimer hatten sich nach dem Totalverlust ihrer GĂŒter im Lande auf ihre niederösterreichischen Besitzungen zurĂŒckgezogen.

Die Welser Linie starb 1710 zu St. Pölten, die Wartenburger Linie 1900 in Wien im Mannesstamm aus.

 

Literatur
Walter Aspernig, Polheim. In: Höfe und Residenzen im spĂ€tmittelalterlichen Reich. Grafen und Herren. Residenzforschung, herausgegeben von der Residenz-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Band 15. IV, Ostfildern 2012, Teilband 2, Seiten 1108–1115. (Hier sind auch Quellen und Literatur zur Geschichte der Herren von Polheim angefĂŒhrt).
 


Dokumentation zur Sonderausstellung "Kaiser Maximilian I. - Kaiser - Reformer - Mensch. Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters" im Museum der Stadt Wels - Burg vom 21. MĂ€rz - 27. Oktober 2019.

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