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Heimatbuch "St. Roman", 2013, 3 BĂ€nde.

Siegfried Kristöfl, Eduard Wiesner: St. Roman. Ein Buch fĂŒr Rominger, die es sind und waren und es werden wollen. Bd. 1 und 2. Hrsg. von der Gemeinde St. Roman. St. Roman 2013.

3-bÀndiges Heimatbuch St. Roman


Gewicht ist nicht alles, aber es beeindruckt trotzdem: Sechseinhalb Kilo wiegen die zwei BĂ€nde des Heimatbuchs von St. Roman insgesamt. Gut 1.700 Einwohner leben dort, 1.177 Seiten hat das Buch. Rechnerisch hat also jeder GemeindebĂŒrger fast eine Seite fĂŒr sich. Ein dritter Band wird in BĂ€lde folgen - die HĂ€userchronik. Darin wird sich wirklich jeder Bewohner wiederfinden können. So ließe sich das Werk von Eduard Wiesner und seines Co-Autors Siegfried Kristöfl mit Zahlen beschreiben, was aber nicht im Ansatz dem inhaltlichen Gewicht und vor allem dem engagierten Anspruch des Werks gerecht wird.

St. Roman liegt im Norden des Bezirks SchĂ€rdings bzw. an der SĂŒdflanke des Sauwalds und lag einmal jenseits, dann wieder diesseits der bairisch-österreichischen Grenze. Aufbauend auf kleine Vorarbeiten lokaler Heimatforscher wird die gar nicht so unbedeutende Geschichte des Ortes erzĂ€hlt: Vom sagenhaften Anfang der Erbauung einer Kirche in Altendorf beginnend, erhĂ€lt auch die bayrische Zeit, also die Jahrhunderte vor 1779 bzw. 1816 eine ausfĂŒhrlich BerĂŒcksichtigung. Der Großteil der Geschichte ist vom Westen her zu sehen, nicht vom Osten. Ein Umstand, der nicht von vielen anderen Innviertler HeimatbĂŒchern akzeptiert wird.

Eine sehr gute Quellenlage fĂŒr die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, besonders auch des Ersten Weltkriegs, gibt die Basis fĂŒr detailreiche Schilderungen alltagsgeschichtlicher Dimension. Das sehr gut lesbare Buch bietet vielfĂ€ltige StreifzĂŒge durch die Lebenswelt der „kleinen Leute“. GrĂ¶ĂŸer gemacht als sie sind, haben sich die „Rominger“ kaum, lehrten ihnen doch ihre Erfahrungen, dass es klĂŒger ist, sich zurĂŒck zu halten, vor allem, wenn sich Obrigkeiten nĂ€herten.

Aber nicht nur Geschichte und Gemeindepolitik sind Themen, sondern ein breiter Begriff von Heimatforschung bringt viele Erkenntnisse, die auch fĂŒr „Nicht-Rominger“ interessant sind. Das Werk ist eine Fundgrube an Informationen. Musik, Religion und Volkskultur etwa - ein Max Kislinger hat sich gerne hierorts aufgehalten und geforscht - werden bearbeitet, genau so wie der Naturraum und die Landwirtschaft beschrieben.
Die große StĂ€rke des Werkes macht der professionelle und liebevolle Umgang mit den vielen Fotos aus. Eduard Wiesner gelang es, eine Menge an Material von der Bevölkerung zu beschaffen, und es mit hoher QualitĂ€t auszuwerten und zu prĂ€sentieren.

Einen speziellen roten Faden durch das Heimatbuch stellen Erinnerungsinterviews mit Vertretern aller Generationen dar. Allein schon daraus entsteht ein Abbild des gesellschaftlichen Lebens und seines Wandels in der zweiten HĂ€lfte des  20. Jahrhunderts. Dem sich (heuer) jubilĂ€umshaft-rechnerisch aufdrĂ€ngenden Fokus auf den Ersten Weltkrieg stellen sich die Autoren mit Hilfe der Schulchronik, die, vom Dorflehrer penibel gefĂŒhrt, viele Details ĂŒber die Situation im Hinterland enthĂ€lt und aus der die AtmosphĂ€re der schwindenden Euphorie und die letzten ZĂŒge der Monarchie destillierbar sind.

Bezugsmöglichkeit: Gemeinde St. Roman, Tel.: +43 (0)7716/73 59-0
Preis: € 48,--/Band

Schlagworte: Heimatbuch - Lokalgeschichte - St. Roman - SchÀrding

 

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