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Blutzeugen des 20. Jahrhunderts | Deutsches Martyrologium in siebter Auflage erschienen

Gerne entsprechen wir der Bitte des Herausgebers PrĂ€lat Prof. Dr. H. Moll, die Information bezĂŒglich der Neuerscheinung der erweiterten 7. Auflage des Martyrologiums 2019 an Interessierte weiterzugeben. Er weist uns in seinem Schreiben explizit auf mit Oberösterreich bzw. Österreich verbundene christliche Gewaltopfer der NS-Zeit hin.

Zeugen fĂŒr Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hrsg. von Helmut Moll im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz.
EnthÀlt auch viele Informationen zu mit Oberösterreich verbundenen Gewaltopfern der NS-Zeit.


7., ĂŒberarbeitete und aktualisierte Auflage 2019
2 bÀnde, insg. CIX + 1.828 Seiten
Leinen mit Schutzumschlag
€ 99,00
ISBN 978-3-506-78012-6

Herausgeber PrÀlat Prof. Dr. H. Moll schreibt:

"Im Jahre 1999 erschien im Schöningh-Verlag das zweibĂ€ndige Werk „Zeugen fĂŒr Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts‘“ in seiner ersten Auflage. Papst Johannes Paul II. hatte die Kirche beauftragt, dafĂŒr zu sorgen, dass die Zeugnisse derjenigen nicht verloren gingen, die in den Verfolgungen des 20. Jahrhunderts an ihrem Glauben festgehalten und dafĂŒr ihren Tod in Kauf genommen hatten. Die Deutsche Bischofskonferenz beauftragte mich mit der Koordination und Herausgabe des Werkes. Rund 160 Fachleute aus dem In- und Ausland erstellten die biographischen Artikel, die in den vier Kategorien Gewaltopfer des Nationalsozialismus (1), des Kommunismus (2), der Reinheitsmartyrien (3) und Gewaltopfer in den Missionsgebieten (4) gefasst wurden (siehe: www.deutsches-martyrologium.de und Eintrag bei wikipedia: deutsches Martyrologium des 20. Jahrhunderts). Nach drei unverĂ€nderten Auflagen boten die vierte und fĂŒnfte Auflage die Möglichkeit, das Martyrologium um weitere bis dahin neu erarbeitete Lebensbilder zu ergĂ€nzen.

Seit dem Jahr 2015 liegt die sechste erweiterte und neu strukturierte Auflage vor (ISBN 978-3-506-78080-5, 2 BĂ€nde, LXXVII und 1828 Seiten), in der ĂŒber 100 neue Glaubenszeugen aufgenommen worden sind. Die siebte, ĂŒberarbeitete und aktualisierte Auflage wurde Mitte MĂ€rz 2019 ausgeliefert.

Ich möchte Sie auf mit Oberösterreich und ganz Österreich verbundene christliche Gewaltopfer der NS-Zeit hinweisen, die dem Vergessen entrissen werden sollen.

Im KZ Mauthausen litten u.a. Gottfried Könzgen (vgl. Band I, S. 224-227), der Reichstagsabgeordnete und Landwirt Franz Herbert (vgl. das von mir mitverantwortete Lebensbild in Band I, S. 712-714), der Mainzer Rechtsanwalt Dr. Friedrich August Bockius (vgl. Band I, S. 445-448), Pfarrer Heinrich Olczak (vgl. Band I, S. 731-733), der französische Buchdrucker Marcel Callo (vgl. Band II, S. 1326) sowie Dechant Johann Höfferl aus SĂŒdböhmen (vgl. Band II, S. 852f.). Pfarrer Augustin Pazdziora starb 1940 im KZ Gusen (vgl. das von mir mitgeschriebene Biogramm in Band I, S. 733f.).

In Schloß Hartheim bei Linz wurden u.a. ermordet der Franziskaner Virgilius Petri (vgl. Band I, S. 925f.), Peter Bioly aus Leitmeritz (vgl. Band I, S. 845), Pfarrvikar Otto GĂŒnnewich aus Höxter (vgl. Band I, S. 572-574) und schließlich Pfarrvikar Bernhard Heinzmann (vgl. Band I, S. 68-72).

Zisterzienserpater Gerhard (Michael) Scherer war eine Zeit lang Mönch in der Tiroler Abtei Stams. Als Hausgeistlicher in SĂ€chsisch Haugsdorf wurde er am Ende des Zweiten Weltkriegs erschossen (vgl. das in der vierten Auflage ĂŒberarbeitete und von mir mitverantwortete Lebensbild in Band II, S. 1064-1067).

Der aus Göfis (Vorarlberg) kommende sel. Provikar Dr. Carl Lampert, der mehrere Jahre im österreichischen Kolleg der „Anima“ wohnte, geriet nach seinem dreimaligen Aufenthalt im Innsbrucker GefĂ€ngnis in das KZ Dachau, dann in die FĂ€nge der Geheimen Staatspolizei, als er in Halle seelsorglich tĂ€tig war, und wurde zum Tode verurteilt. Seine Seligsprechung erfolgte am 13. November 2011 (vgl. Band I, S. 116-118, 127, 138-141, 166, 436 und Band II, S. 997, 998). Meine Rezension ĂŒber die diesbezĂŒgliche Studie Richard Grohms ist in der „Zeitschrift fĂŒr Kath. Theologie“ in Innsbruck 2/2011 erschienen.

Aus Bad Hall in Oberösterreich stammt Rechtsanwalt Hans Wölfel, der sich als Erwachsener mit einer Kanzlei in Bamberg niederließ. Der entschiedene Gegner der NS-Ideologie wurde verraten und am 3. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet (vgl. Band I, S. 112-115).

Die „Stella Matutina“ in Feldkirch diente Jesuitenpater Dr. Albert Maring (vgl. das von mir mitverantwortete Lebensbild in Band II, S. 960-963) als Noviziat. Jesuitenpater Dr. Alfred Delp ĂŒbte dort wĂ€hrend seines Interstitiums den Dienst als Erzieher aus (vgl. Band II, S. 953-956).

P. Alois Grimm absolvierte sein Noviziat auch in der „Stella Matutina“ in Feldkirch, studierte ĂŒberdies Geschichte und Germanistik an der UniversitĂ€t Wien. In Feldkirch war er ein gesuchter Prediger und Beichtvater. Nach seiner Verhaftung hat die Wiener Akademie ein Gnadengesuch aufgesetzt, das jedoch abgewiesen wurde (vgl. Band II, S. 956-958).

In Salzburg kam der Historiker Friedrich Ritter von Lama zur Welt, welcher in mehr als dreißig Schriften vor allem den Nationalsozialismus bekĂ€mpfte. Der verheiratete Katholik, der BĂŒcher ĂŒber den Vatikan schrieb und auch als Übersetzer tĂ€tig war, geriet in die FĂ€nge der Gestapo und wurde am 9. Februar 1944 im GefĂ€ngnis MĂŒnchen-Stadelheim umgebracht (vgl. das von mir mitverantwortete Biogramm in Band I, S. 496-499).

Pallottinerpater Franz Reinisch kam 1903 in Tisis bei Feldkirch zur Welt. Die Volksschule besuchte er in Innsbruck, das Gymnasium in Bad Hall. Alsdann studierte er in Innsbruck Jura. Der spÀtere Ordensmann, der in Salzburg Studentenseelsorger war, verweigerte den Fahneneid auf die Person Adolf Hitlers. Zur Strafe wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Tode bestraft. Am 28. Mai 2013 wurde sein Seligsprechungsverfahren eröffnet (vgl. Band II, S. 1014-1018).

Der sel. Bauer und Mesner Franz JĂ€gerstĂ€tter aus St. Radegund bezahlte seine Weigerung, fĂŒr Hitler in den Krieg zu ziehen, mit dem gewaltsamen Tod. Sein Seligsprechungsverfahren wurde an der römischen Kongregation jahrelang geprĂŒft. Am 26. Oktober 2007 wurde er in Linz seliggesprochen. Ich war persönlich in Radegund und habe mit Franziska JĂ€gerstĂ€tter gesprochen (vgl. Band I, S. 91, 1031).

In Wien starb im MÀrz 1938 der westfÀlische Honorarattaché Wilhelm Emanuel Freiherr von Ketteler, der in der Reichskanzlei bei Minister von Papen arbeitete (vgl. Band I, S. 593-596).

Der Bonner Dozent fĂŒr Philosophie Johannes Maria Verweyen kam im Jahre 1925 in Wien in Kontakt mit Theosophen, wie er in seinen Erinnerungen „Heimkehr“ (S. 160; 172) schreibt, und ist im FrĂŒhjahr 1925 der Gesellschaft beigetreten. Wegen seiner „katholischen und okkulten Neigungen“ verhaftet, starb er 1945 im KZ Bergen-Belsen (vgl. Lebensbild in Band I, S. 560-564).

Der 1909 geborene Kaplan Peter Schlicker, wegen seiner antinationalsozialistischen Einstellung im KZ Dachau inhaftiert, starb an den Folgen der Torturen am 19. April 1945 im Landeskrankenhaus Salzburg (vgl. Band I, S. 677-680).

Viele Jahre lebte der Ökumeniker Dr. Max Joseph Metzger in Graz, zusammen mit seinem Freund Josef Ruf (vgl. Band I, S. 90-93), um das Generalsekretariat fĂŒr das „Österreichische KreuzbĂŒndnis“ zu ĂŒbernehmen. Am 17. April 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Das Erzbistum Freiburg hat sein Seligsprechungsverfahren 2006 bei der römischen Kongregation eingeleitet (vgl. Band I, S. 274-277).

In Innsbruck studierte das Mitglied der Widerstandsbewegung „Weißen Rose“ – wie auch Willi Graf (vgl. Band I, S. 486-489) – Christoph Probst Medizin. In der Tiroler Landeshauptstadt wurde der dreifache Familienvater verhaftet und nach MĂŒnchen gebracht, wo er, zum Tode verurteilt, am 22. Februar 1943 im GefĂ€ngnis Stadelheim hingerichtet wurde (vgl. Band I, S. 507-509).

Der Kopf des katholischen Widerstandes in Wien war der MĂŒnchener Oberst Graf Rudolf von Marogna–Redwitz in den Jahren ab 1938, als er u.a. gefĂ€lschte PĂ€sse an Juden weitergab (vgl. Band I, S. 500-504).


Die vierte Auflage erweiterte die Lebensbilder von mit Österreich verbundenen Gewaltopfern um den Land- und Forstwirtschaftsgehilfen Wilhelm Gleßner, der in Spielfeld (Steiermark) verhaftet und 1940 in Wien hingerichtet wurde (vgl. Band I, S. 690-693).


Die fĂŒnfte Auflage enthĂ€lt das Biogramm der aus Ponigl (Steiermark) stammenden Steyler Sr. Caeliane Klaminger, die in Stockerau tĂ€tig war und 1945 das Martyrium erlitt (vgl. Band II, S. 1326-1329), ferner des Pfarrers Alfons Tracki, der in Wien in die Kongregation der Christlichen Schulen eintrat und, 1946 in Albanien erschossen wurde und nach PrĂŒfung der römischen Heiligsprechungskongregation am 5. November 2016 seliggesprochen worden ist (vgl. Band II, S. 1186-1189).


In die sechste Auflage wurde u.a. aufgenommen die Lebensbilder ĂŒber den Polizeijuristen Dr. Karl Biack aus Tulln/Donau, der in Melk das Gymnasium besuchte (vgl. mein Lebensbild in Band I, S. 474-476), Offizier Josef von Gadolla aus Graz, der in Hainburg/Donau die Technische MilitĂ€rakademie besuchte (vgl. mein Lebensbild in Band I, S. 199-203) sowie den Theologiestudenten Hanns-Georg von Heintschel-Heinegg in Wien und Innsbruck (vgl. Band II, S. 861-864).


Das von mir erstellte EinfĂŒhrungsbuch "Die katholischen deutschen Martyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis" (Paderborn u.a. 1999; ÂČ2000; ISBN 3-506-74777-6; 84 Seiten; 10,90 Euro), das alle oben Genannten namentlich auffĂŒhrt und seit Juli 2005 in dritter Auflage vorliegt, enthĂ€lt in tabellarischer Form Kurzdaten zu den ĂŒber 700 Glaubenszeugen, ein ganzseitiges PortrĂ€tfoto der mit einer Kanonisation Verbundenen (u.a. Sr. Teresia Benedicta a Cruce [Dr. Edith Stein], Nikolaus Groß und Dompropst Bernhard Lichtenberg) sowie ein ausfĂŒhrliches Personen- und Ortsregister.

Indem ich Sie auf diese Personen und die entsprechenden Veröffentlichungen aufmerksam mache, verbleibe ich mit der Bitte, diese mit Oberösterreich verbundenen christliche Gewaltopfer der NS-Zeit vor dem Vergessen zu bewahren.

Mit freundlicher Empfehlung

Helmut  M o l l"

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Auszug aus einem Schreiben von PrÀlat Prof. Dr. H. Moll vom 18.10.2019 an das forum oö geschichte.
 

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