Forum OÖ Geschichte

Cetviny/Zettwing. Ein böhmisches Dorf schreibt Geschichte | MĂŒhlviertler Schlossmuseum | 2021

Zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung im MĂŒhlviertler Schlossmuseum steht eine Dokumentation der Sonderausstellung auch bereits Digitalen Ausstellungsarchiv zur VerfĂŒgung: Die zweisprachige Sonderausstellung bietet mit Zeitzeugenaussagen, Fotoserien, Bildcollagen und Familiengeschichten einen nachdenklichen Einblick in die Geschichte, des 1955/56 ausradierten böhmischen Grenzortes Zettwing.

Der bereits 1280 urkundlich erwĂ€hnte sĂŒdböhmische Marktort Zettwing erlebte durch dei Sensenwerke an der Maltsch und den Zwirnhandel seine BlĂŒtezeit vom 16.-19. Jahrhundert. Bis 1945 war es ein typischer Handwerkermarkt mit ĂŒber 100 HĂ€usern, einem Brauhaus und sieben weiteren WirtshĂ€usern. Foto: Heinrich Melzer, MĂŒhlviertler Schlossmuseum Freistadt

Die vom 2. Juli bis 31.Oktober 2021 geöffnete zweisprachige Sonderausstellung „CETVINY -ZETTWING. Ein böhmisches Dorf schreibt  Geschichte“ im MĂŒhlviertler Schlossmuseum Freistadt entstand in Kooperation mit dem Regionalmuseum Krumau und dem Zukunftsforum Freiwald. Vor 75 Jahren erfolgte die staatlich organisierte Ausweisung der deutschsprachigen Bewohner von Zettwing in acht Transporten nach Deutschland. Die bewegte Geschichte des 20.Jahrhunderts hat gerade im Grenzraum MĂŒhlviertel-SĂŒdböhmen eine verletzte Landschaft und tiefe menschliche Verwundungen hinterlassen. Der unmittelbar an der oberösterreichisch-sĂŒdböhmischen Grenze an der Maltsch gelegene, dem Erdboden gleich gemachte ehemalige Marktort ist zu einem Synonym fĂŒr die bewegte Geschichte beider LĂ€nder geworden.

Die Ausstellung widmet sich zunĂ€chst in 14 Stationen den acht politischen UmbrĂŒchen im 20. Jahrhundert, von der Monarchie bis heute. Besonders prĂ€gend die neue Staatsgrenze ab 1918 in der 1.Tschechoslowakischen Republik, der Anschluss an Oberdonau im Deutschen Reich 1938, die Aussiedlung der deutschsprachigen Einwohner 1946, der „Eiserne Vorhang“ 1951 und der Abriss des Ortes 1955/56. MilitĂ€rstation, Zollamt und die Kirchenruine blieben 1989 als „Mahnmal der Geschichte“ von den 105 HĂ€usern ĂŒbrig. Authentischen Aussagen von Zeitzeugen, Familiengeschichten mit historischen Bild-Collagen, Kurzfilmen, digitalen Fotoserien, Rollups zur Kirchengeschichte und ein Marktmodell auf dem Katasterblatt von 1826 ermöglichen einen nachdenklichen Einblick in die Geschichte des 1955/56 ausradierten böhmischen Grenzortes.

Heute ist die durch ein tschechisch-deutsch-österreichisches Projekt 2007 wieder erstandene Maria-Geburt-Kirche mit den gotischen Fresken zu einem beliebten Ausflugsziel 17 km nördlich von Freistadt geworden. FĂŒr Gruppen werden zeitgeschichtliche FĂŒhrungen angeboten.

„ZETTWING. Lernen aus der Vergangenheit
“ will bei den Besuchern zu einem Nachdenkprozess mit Gegenwartsbezug anregen. Denn „fĂŒr das Zusammenleben der Nationen sind drei Dinge wichtig: aus der Geschichte lernen
  Vorurteile bekĂ€mpfen
  zu Toleranz erziehen“,  so Hugo Portisch (1927-2021).


AUSSTELLUNGSBESICHTIGUNG:
MĂŒhlviertler Schlossmuseum Freistadt

4240 Freistadt, Schloßhof 2
Telefon: +43 (0)7942/72274
E-Mail: info@museum-freistadt.at
Web: https://www.museum-freistadt.at

Dauer der Ausstellung:
2. Juli bis 31. Oktober 2021

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 9:00-17:00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 14:00-17:00 Uhr

Interview zur Ausstellung
mit Kurator Hubert Roiß im Freien Radio Freistadt unter https://cba.fro.at/499441.

Zeitgeschichtliche FĂŒhrungen fĂŒr Gruppen in Cetviny/Zettwing 
Zukunftsforum Freiwald: +43 (0 664/7394 3727
 

© 2021