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Ein Gedenkstein fĂŒr die Opfer der NS-Euthanasie aus Haslach an der MĂŒhl

Am 31. Oktober 2014 fand in der Pfarrkirche in Haslach eine Feier zum Gedenken an zehn BĂŒrgerinnen und BĂŒrger aus Haslach statt, die in den Jahren 1940 bis 1943 Opfer der NS-Euthanasie wurden. Anschließend wurde eine Gedenktafel enthĂŒllt, um die Namen der Opfer nicht dem Vergessen preiszugeben und um als Mahnung fĂŒr eine Zukunft ohne Ausgrenzung und Rassismus zu stehen.

Gedenktafel in Haslach, Foto: Peter Paul Wiplinger, 2014


Im Rahmen von so genannten „Euthanasieprogrammen“ wurden in der Zeit des Nationalsozialismus systematisch Menschen ermordet, die in der nationalsozialistischen Ideologie als Gefahr fĂŒr die „Volksgesundheit“ eingestuft wurden und deren Leben als „lebensunwert“ galt. Dazu wurden Menschen mit Behinderungen gezĂ€hlt. Die Theorien, die schon seit Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext mit Charles Darwins Lehre von der „natĂŒrlichen Auslese“ und dem Überleben des StĂ€rkeren in der Natur breit aufgegriffen wurden, fanden im Nationalsozialismus ĂŒbertragen auf den Menschen den Höhepunkt ihrer Grausamkeit. Menschen mit Behinderungen wurden als Gefahr fĂŒr die so genannte „erbgesunde, arische Volksgemeinschaft“ dargestellt. Ihre Fortpflanzung sollte durch Zwangssterilisation und Ermordung systematisch gestoppt werden. Das Schloss Hartheim in Oberösterreich erlangte durch die Errichtung einer „Tötungsanstalt“, in der in den Jahren 1940 bis 1941 insgesamt 30.000 Menschen ermordet wurden, traurige BerĂŒhmtheit. Ein weiterer Ort, wo es zu Tötungen kam, war die Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart bei Linz, die als Art „Zwischenanstalt“ vor der Tötung in Hartheim fungierte und in der es nach dem offiziellen Stopp der Euthanasieaktion im Jahr 1941 noch lĂ€ngere Zeit zur „wilden Euthanasie“ durch Pflegepersonal und Ärzte kam. Nahezu jede Gemeinde und viele Familien Oberösterreichs hatten Opfer durch die NS-Euthanasie zu beklagen. Doch wer kennt heute noch ihre Namen?

Einige BĂŒrger aus der MĂŒhlviertler Gemeinde Haslach an der MĂŒhl – darunter als treibende Kraft der Schriftsteller Peter Paul Wiplinger, BĂŒrgermeister Dominik Reisinger, Pfarrer Gerhard Kobler und insbesondere Mag. Thomas Engleder – haben versucht, den Schicksalen der Opfer ihrer Gemeinde nachzugehen und ein sichtbares Zeichen zu setzen. Durch die Errichtung einer Gedenktafel sollte den zehn in Hartheim und Niedernhart ermordeten Frauen und MĂ€nnern aus Haslach ihre IdentitĂ€t und Geschichte wiedergegeben werden. Die Namen, Lebens- und Sterbedaten wurden als mahnendes GedĂ€chtnis auf einer Tafel in den Boden vor der Haslacher Kirche bei den KriegerdenkmĂ€lern zum Ersten und Zweiten Weltkrieg eingelassen.

Von einer ersten Idee, die bereits im Rahmen einer Lesung des Schriftstellers Peter Paul Wiplinger vor 5 Jahren ausgesprochen wurde, bis zur Anbringung der Gedenktafel war es ein langer Weg: „Diese Zeichensetzung soll nicht nur zur Erinnerung sein, sondern auch eine Mahnung und ein Appell, rechtzeitig und entschieden gegen jede Form von Ausgrenzung, Rassismus und InhumanitĂ€t aufzutreten.“


Geplant ist die weitere Erforschung des Lebens und der Schicksale dieser zehn Menschen aus Haslach, die durch die NS-Euthanasie grausam zu Tode kamen.


Elisabeth Kreuzwieser, JĂ€nner 2015

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