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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Das Ende der Zeiten

Die Auswahl der hier genauer beschriebenen Endzeitprophezeiungen erfolgte danach, wie sehr sie auf unser Gebiet, also Oberösterreich, in irgendeiner Weise Auswirkung hatten, von Menschen unserer Heimat gemacht oder kritisiert wurden bzw. nachweislich grĂ¶ĂŸere Massen der Bevölkerung in Panik versetzten.

69 nach Christus:
Die Johannes-Apokalypse: In ihr kommt das Tier 666, die große Hure Babylon, die apokalyptischen Reiter und viele andere Vorstellungen rund um die Apokalypse vor. Auch der immer wieder zitierte Satz „Wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem GefĂ€ngnis freigelassen werden.“, ist darin zu finden.

Um 870 nach Christus:
Das Muspilli ist eines der wenigen erhaltenen SprachdenkmĂ€ler in althochdeutscher Sprache. Das Werk stammt aus dem bayrischen Raum. Das Wort Muspilli bedeutet „Weltuntergang durch Feuer“ und so wird in der Dichtung der Kampf des Propheten Elias mit dem Antichrist und schließlich das JĂŒngste Gericht geschildert. Elias wird in dem letzten Kampf getötet, danach fĂ€llt der Mond herab, Feuer vernichtet die Menschheit.

31. Dezember 999:
Erstes Millennium: Papst Sylvester verkĂŒndete den Weltuntergang. Er berief sich dabei auf die Apokalypse, in der stehe, dass nach 1.000 Jahren die Welt untergehe. Es kam zu Hexenverbrennungen, RĂ€uber plĂŒnderten ohne Angst vor Strafen ganze Dörfer. Kaiser Otto III. soll auf dem Boden herumgekrochen sein und versprochen haben, Mönch zu werden. Das Ausbleiben des Weltuntergangs schrieb der Papst seinen fleißigen Gebeten zu.

1186 - 1432:
Die Apokalypse des Johann David von Toledo, die Toledaner Briefe und Johannes von Gmunden: Der zum Christentum konvertierte jĂŒdische Gelehrte Johann David von Toledo war vermutlich der Urheber des um 1180 in ganz Europa kursierenden „Toledobriefes“. Er sagte darinnen fĂŒr 1186 eine Vereinigung alle sieben Planeten im Zeichen Waage voraus, die auf unvorstellbare Katastrophen hindeuten sollte. Gewaltige Orkane, furchtbare Sturmfluten und Erdbeben sollten aus dieser Konstellation resultieren. Die Prophezeiung löste damals eine Massenpanik aus, die erst nach dem verhĂ€ngnisvollen Datum wieder abebbte. Doch 1322 verbreitete sich eine neue Welle von „Toledobriefen“. Diesmal sollte eine Konjunktion aller Planeten im Sternzeichen der Waage die Welt im September 1329 untergehen lassen. Etwa 100 Jahre spĂ€ter, als die nicht eingetroffene Prophezeiung schon in Vergessenheit geraten war, sagte Jakob von Erfurt fĂŒr September 1432, wenn die Sonne in der Waage stand, die Zusammenkunft sĂ€mtlicher Planeten im absteigenden Mondknoten voraus. Doch Johannes von Gmunden verfasste am 2. August 1432 ein Flugblatt in deutscher Sprache, in dem er mit Hilfe seiner Planetentafeln die Möglichkeit der vorhergesagten Konjunktion widerlegte. Eine Panikwelle wie 1186 und 1329 blieb in Oberösterreich daraufhin aus.


1498:
Apokalyptische Reiter: 1498 veröffentlichte Albrecht DĂŒrer seine „Heimliche Offenbarung des Johannes“ mit 15 Holzschnitten zur Apokalypse. Besonders die Bilder der apokalyptischen Reiter setzten sich tief in der Vorstellung der Menschen fest.

19. 10. 1533:
Michael Stifel, der Papst als Antichrist und der Weltuntergang: FĂŒr den 19. 10. 1533 prophezeite Michael Stifel, der lĂ€ngere Zeit als erster lutherischer Prediger in Tollet gelebt hatte, den Weltuntergang. Ebenso wie Martin Luther, war auch Michael Stifel ĂŒberzeugt, der Papst sei der prophezeite Antichrist, das große Tier, dessen Zahl 666 sei. WĂ€hrend Luther meinte, Christus könne zu jeder Stunde wiederkommen, versuchte Stifel mit Hilfe der Wortrechnung das genaue Datum fĂŒr das Ende der Zeiten zu finden und kam auf den 19. 10. 1533. Luther lehnte diese Rechnung rigoros ab und es kam zu einem heftigen Streit mit Stifel. Dieser predigte den Weltuntergang in seiner Gemeinde Lochau, wo daraufhin Bauern ihre Felder nicht mehr bestellten, die Leute alles verschenkten und ein Taglöhner sogar sein Haus angezĂŒndet haben soll. Am Morgen des „JĂŒngsten Tages“ ließ Stifel das Vieh aus dem Ort treiben, da dieses laut VerkĂŒndigung zuerst sterben mĂŒsse. Ein aufziehendes Gewitter hielt man fĂŒr den Weltuntergang, doch als es vorbeiging, kamen nur die Soldaten des KurfĂŒsten und verhafteten Michael Stifel. Martin Luther, der trotz des Streites treu zu Stifel stand und seine falsche Prophezeiung in einem Brief an Dorothea Jörger mild als „Anfechtlein“ bezeichnete, setzte sich fĂŒr den Freund ein und erwirkte seine Entlassung. In Wittenberg begrĂŒĂŸten ihn Studenten mit dem Spottlied: „Stifel muss sterben, ist noch so jung, jung, jung.“ Auch die Redewendung „Einen Stiefel rechnen“ geht angeblich auf Michaels Stifels falsche Prophezeiung zurĂŒck.

1666:
Christoph Kolumbus und die 666: Auch Kolumbus glaubte an den Weltuntergang, er sollte 1666 sein. Wieder war es die 666, das dreimal Wehe, das diese Vermutung auslöste.

um 1800: MĂŒhlhiasl und der „BĂ€nkorama“:
Die Prophezeiungen des bayrischen Waldpropheten MĂŒhlhiasel den Weltuntergang betreffend nennen kein bestimmtes Jahr, es scheint eher so, als wĂŒrden sie auf verschiedene Katastrophen spĂ€terer Zeiten zugeschnitten sein. Bei ihrer schriftlichen Wiedergabe wurden sie meist in „Wenn - dann - SĂ€tze“ eingekleidet: „Wenn zum ersten Mal der eiserne Wolf auf dem eisernen Weg durch den Vorwald bellen wird, an dem Tag wird der Krieg anheben.“ Das MittelstĂŒck der bayrischen Vorwald - Dampf - Bahnlinie wurde am 1. August 1914 eingeweiht, dem Tag, an dem der Erste Weltkrieg begann. „Wenn sie in Straubing an der großen BrĂŒcke ĂŒber die Donau bauen, so wird sie fertig, aber nimmer ganz, dann gehtÂŽs los.“
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 war die neue DonaubrĂŒcke in Straubing zwar fertig, es fehlte aber noch die Betondecke. Auch Aussagen, die man auf Hitler bezog, kamen vor: „Wenn ĂŒberall politisiert wird, wenn alle Köpf haben und uneins in den Familien sind, dann kommt ein gestrenges Regiment und ein Herr, der zieht enkÂŽs Hemd ĂŒbern Kopf ab und die Haut auch.“
Alle Vorzeichen wĂŒrden, so MĂŒhlhiasl, schließlich in dem „großen BĂ€nkeabrĂ€umen“, sein Namen fĂŒr die Apokalypse, mĂŒnden. Zuerst wĂŒrden MĂ€nner in roten Jacken kommen, da mĂŒsse man sich mit drei Laib Brot verstecken, verliere man einen, solle man sich nicht um ihn bĂŒcken. Selbst ein Laib wĂŒrde reichen, es wĂŒrde nicht lange dauern. Man solle sich möglichst in Bergwerkstollen verstecken. Zuletzt kĂ€me der „BĂ€nkeabrĂ€umer“, vermutlich eine Seuche, die die Menschen sterbend von den BĂ€nken fallen ließ.

1816/1817: Thomas Pöschl, die Pöschlianer und Napoleon als Antichrist:
Auch der Ampflwanger Priester Thomas Pöschl prophezeite den Weltuntergang und sah in Napoleon den Anitchrist.

1910: Der Komet Halley:
Obwohl er mit seinem Schweif etwa alle 70 Jahre nahe der Erde vorbeikommt, löste er durch die Meldung, man habe in seinem Schweif kleine Mengen von BlausÀure gefunden, 1910 eine Massenpanik aus.

1914: Die Zeugen Jehovas und der letzte Krieg:
Die Zeugen Jehovas glauben an eine Wiederherstellung des Paradieses auf Erden. Zuvor mĂŒsse aber ein gerechter Krieg Gottes vorausgehen, in dem nur die GlĂ€ubigen ĂŒberleben wĂŒrden. Dieser Krieg sollte 1914 beginnen. Nachdem er in der prophezeiten Form nicht stattfand, wurde er immer wieder verschoben. Inzwischen hat man ĂŒberhaupt Abstand von Untergangsprophezeiungen genommen.

Juli 1999:
Die Prophezeiung des Nostradamus: Im 16. Jahrhundert sagte er voraus, dass im 7. Monat des Jahres 1999 die Welt untergehen wĂŒrde, an anderer Stelle, dass 2012 der Dritte Weltkrieg komme. Eigentlich reichen seine Prophezeiungen aber bis 3797.

2000: Zweites Millennium:
Wie in der ersten Jahrtausendwende hĂ€uften sich auch in der zweiten viele Untergangsprophezeiungen. Besonders fĂŒrchtete man den „Millenium-Bug“ (Y2K-Bug), den die Umstellung der Computer verursachen sollte, da frĂŒhe Computerprogramme, um Speicher zu sparen, fĂŒr Jahreszahlen nur zwei Stellen anstatt vier programmiert hatten.

2008: Cern und die Schwarzen Löcher:
In Genf wollte man in einem Teilchenbeschleuniger Teilchen mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander prallen lassen. Gegner des Experimentes befĂŒrchteten das Entstehen von Schwarzen Löchern, die die ganze Erde „verschlingen“ könnten.

21. Dezember 2012: Der Maya-Kalender:
Besonders im GedĂ€chtnis ist allen natĂŒrlich noch der Weltuntergang am 21. Dezember 2012. Das Ende des Mayakalenders löste eine Menge von Spekulationen aus. Die am hĂ€ufigsten im Internet zu lesenden Szenarien waren ein Polsprung, durch den Erdbeben, VulkanausbrĂŒche und Flutwellen entstehen könnten, der Planet Nibiru, der unsichtbar auf die Welt zurasen wĂŒrde und ein „Aufstieg der Erde in eine höhere Dimension“. Die Maya selbst hatten vermutlich nie an ein Ende der Zeiten am 21.12.2012 geglaubt, sie dachten wohl eher daran, dass einfach ein neues Zeitalter beginnen wĂŒrde.

2060: Newtonsches Gesetz:
Wer enttĂ€uscht ist, dass 2012 kein Weltuntergang stattfand, hat die nĂ€chste Chance vermutlich 2060, fĂŒr dieses Jahr sagte Newton im Jahr 1704 den Weltuntergang voraus. Er berechnete das Weltende anhand von Bibelversen aus dem Buch Daniel im Alten Testament. Was von dieser Methode zu halten ist, sah man schon 1533 bei Michael Stifel. Und wenn schon Stifel nicht sterben musste, werden wir vermutlich auch Newtons Vorhersage ĂŒberleben.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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