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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Alchemisten mit "Oberösterreich-Bezug"

Alexander von Suchten, Landschaftsarzt in Linz
Seine Familie stammte urspr√ľnglich vom Niederrhein, √ľbersiedelte dann aber nach Danzig, wo sie sehr einflussreich wurde. Alexander besuchte das Gymnasium in Elbing und studierte danach in L√∂wen Philosophie und Medizin. Um 1545 hielt er sich am Hof Albrechts von Preu√üen auf, zwischen 1549 und 1552 stand er als Alchemist bei Ottheinrich von der Pfalz in Diensten, von 1554 bis 1557 war er am polnischen K√∂nigshof zu Krakau. Nach einem Studium in Ferrara wurde er Doktor der Medizin und arbeitete mit einem Stra√üburger Arzt zusammen im Elsa√ü. Im Herbst 1574 √ľbernahm er die Stelle eines Landschaftsarztes in Linz, wo er am 7. November 1575 verstarb.
Seine Werke waren stark an Paracelsus angelehnt, er wandte sich aber gegen die M√∂glichkeit einer Transmutation der Metalle, das Goldmachen hielt er f√ľr Scharlatanerie.
Er sah die Aufgabe der Alchemie im Dienste der Gesundheit und sich als Arzt, nicht als Goldmacher. Seine ‚Äěprima materia‚Äú war das Antimon, das auch von Agricula gerne angewandt wurde.

Johann Agricula (1590 - 1668) und die Macht des fl√ľssigen Goldes
Johann Agricula wurde 1590 in Neunburg vorm Walde in der Oberpfalz geboren. Seine Jugend verbrachte er als fahrender Sch√ľler, war jedoch 1606 am Gymnasium in Quedlinburg und ab 1607 an der Universit√§t K√∂nigsberg. Die Jahre 1611 bis 1614 verbrachte er √ľberwiegend in √Ėsterreich, wo er den Bergbau im Salzkammergut kennen lernte. 1615 wurde er in Basel Doktor der Medizin und war in Frankenhausen und Altenburg in Th√ľringen Stadtarzt. 1622 wurde er Oberaufseher einer Saline in Sulza am Inn, wobei er sein Wissen, das er im Salzkammergut erworben hatte, nutzte. Durch den Drei√üigj√§hrigen Krieg wurde er von seinen G√ľtern, die er mit seinem Verm√∂gen erworben hatte, vertrieben. Er unterrichtete an der Universit√§t Leipzig, wo er die ‚ÄěChymische Medicin‚Äú, in der er auch Erlebnisse aus Ober√∂sterreich schildert, schrieb. Seinen Lebensabend verbrachte er als Stadtphysikus von Breslau in Polen.
In Bad Ischl behandelte er einen 14-j√§hrigen Knaben, der √ľber die Stiege gest√ľrzt und seitdem stumm war. Er war das Kind reicher und vornehmer Eltern, deren Namen Agricola leider nicht nennt. Diese hatten schon nach Salzburg, Wels und Linz um einen ‚ÄěMedico‚Äú geschickt, aber keiner hatte helfen k√∂nnen. Der Vater kam zu Agricola, der in Gmunden wohnte und bot ihm 1.000 Dukaten f√ľr seine Hilfe an. Er begann mit dem jungen Mann eine Kur, bei der er ihm Aurum Potabile, fl√ľssiges Gold, gab. Mit Antimon reinigte er ihn, schwei√ütreibende Mittel und Laugen wurden erg√§nzend eingesetzt. Durch die Lauge, deren Rezept im Buch angegeben ist, konnte er seine Zunge zumindest wieder heben. Das Aurum Potabile wurde ihm mit Kirschwasser verabreicht. Die Kur war schlie√ülich erfolgreich, denn nach zehn Tagen begann der Knabe wieder zu sprechen.

Alexander Sehfeld und die Kunst des Goldmachens
Er gilt als einer der letzten Adepten (Alchemisten, die das Goldmachen beherrschen) und wurde in der ersten H√§lfte des 18. Jahrhunderts in Ober√∂sterreich geboren. 10 Jahre lebte er im Ausland, um die Kunst der Alchemie zu lernen. 1745 oder 1746 kam er nach Rodaun, einem Badeort in der N√§he Wiens, wo er angeblich Gold machte. Der Bademeister Friedrich, bei dem er wohnte und dessen Frau und Tochter konnten den Vorgang √∂fter beobachten, bei dem er Zinn mit Hilfe eines roten Pulvers in Gold verwandelte. Da die beiden Frauen begannen, das Geheimnis herumzuerz√§hlen und weil Sehfeld so gro√üe Mengen Gold in Umlauf brachte, wurde sogar Kaiserin Maria Theresia auf ihn aufmerksam und lie√ü ihn verhaften. Er wurde verh√∂rt und sogar gefoltert, doch er verriet das Geheimnis seiner Kunst nicht. Schlie√ülich erfuhr Kaiser Franz die Geschichte, lie√ü Sehfeld frei, aber er wurde st√§ndig von zwei Offizieren begleitet, die dem Kaiser √ľber alles Bericht erstatteten. Pl√∂tzlich war aber Sehfeld samt seinen beiden Bewachern verschwund en. Noch zweimal h√∂rte man von ihm. Einmal schenkte er dem Sohn eines Apothekers in Amsterdam ein Fl√§schchen mit einer Tinktur, ein andermal gab er in Halle einem Apothekergehilfen ein wenig graues mattes Pulver, das er ‚ÄěGradirglas‚Äú nannte. Er gab die Anweisung, Silber zu schmelzen und dieses Pulver darauf zu geben. Der Apothekergehilfe befolgte die Anweisung und zu seinem Erstaunen wurde aus dem Silber Gold, f√ľr das er 36 Reichstaler erhielt.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? ‚Äď Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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