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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Oberösterreichische Astronomen

Johannes von Gmunden, die Kalender und der Weltuntergang

Johannes von Gmunden, auch Johannes de Gamundia, wurde um 1380 in Gmunden, Oberösterreich geboren und starb am 23. Februar 1442 in Wien. Er hieß eigentlich Johannes Kraft, studierte in Wien Mathematik und Astronomie und wurde 1417 zum Priester geweiht. Er war Pfarrer in Laa an der Thaya und spĂ€ter Domherr zu St. Stephan in Wien, wo er nach seinem Tod 1461 auch begraben wurde.

Besonders beschĂ€ftigte ihn das Gedankengut des PtolemĂ€us. Er berechnete Sternenörter und stellte dafĂŒr Tafelwerke her. FĂŒr Friedrich III. fertigte er astronomische und astrologische Instrumente, z. B. den elfenbeinernen Quadranten, der das erste Mal den Wahlspruch der Habsburger, das AEIOU trug. 1429 baute er sein „Instrumentum Solemne“, das man als ersten Analogrechner der Welt bezeichnen kann. Seine Kalender fĂŒr den Zeitraum 1439 - 1514 erfuhren weite Verbreitung.

Er wandte sich gegen Aberglauben und Astrologie und bewies, dass die damals zirkulierende Weltuntergangsprophezeiung, die auf einer bestimmten Planetenkonstellation basierte, auf Fehlberechnungen beruhte. Er vertrat aber dennoch die Ansicht, dass die Planeten Einfluss auf den menschlichen Körper haben.
 

Georg von Peuerbach und der Aberglaube der Könige

Georg Aunpeckh von Peuerbach wurde 1423 in Peuerbach geboren. Der Pfarrer Heinrich Barucher förderte das begabte Kind und ließ es vermutlich im Stift Klosterneuburg ausbilden. Mit 21 Jahren inskribierte er an der UniversitĂ€t in Wien, bereiste Italien und stand nach Ablegung des Magister artium mit berĂŒhmten Gelehrten seiner Zeit wie Aeneas Silvius Picolomini, dem spĂ€teren Papst Pius II., Paolo Pozzo Toskanelli, einem Geographen und dem Humanisten Nicolaus Cusanus in Verbindung. Sein berĂŒhmtester SchĂŒler und Freund war Regiomontanus. Zuerst war er bei König Ladislaus Posthumus in Böhmen tĂ€tig, nach dessen Tod wurde er Hofastronom bei Friedrich III. FĂŒr diesen hatte er zuvor schon astronomische GerĂ€te gebaut, nun sollte er ihm auch in astrologischen Fragen beistehen. So musste er, wenn auch widerwillig, ein Horoskop fĂŒr die Braut Friedrichs, Eleonora von Portugal stellen. Er sagte darin aus der Sternenkonstellation bei ihrer Geburt voraus, dass das erste Kind kurz nach der Geburt sterben werde, was auch eintrat. Ihren Tod sah er allerdings erst im Alter von 49 Jahren voraus, sie starb aber schon 31-jĂ€hrig.

Wie sehr Friedrich III. an Astrologie glaubte, zeigt, dass er den Vollzug der Ehe mit Eleonore immer wieder verschob. Schon frĂŒhere Habsburger hatten sich bemĂŒht, ihre Heirat an dem astrologisch am besten geeigneten Termin vorzunehmen, nĂ€mlich bei einer Konjunktion von Sonne und Venus. Das hatte auch Friedrich vorgehabt, doch die Ankunft der Braut verzögerte sich, sodass nur die zweitbeste Variante, eine Konjunktion von Venus und Merkur als Heiratstermin möglich war. Offensichtlich wollte nun Friedrich aber den Vollzug der Ehe solange hinauszögern, bis wieder eine Sonne-Venus Konjunktion herrschte, das war aber erst einige Monate nach der Hochzeit. Da er niemandem seine BeweggrĂŒnde anvertraute, drĂ€ngte ihn schließlich der ĂŒber die Verzögerung verstörte Onkel Eleonores dazu, endlich die Hochzeitsnacht zu feiern. Friedrich tat es widerwillig, allerdings nicht in dem dafĂŒr vorgesehenen Bett, weil er dachte, dieses sei verhext.

Auch fĂŒr Ferdinand und Eleonores Sohn, Maximilian I., wurde ein Geburtshoroskop erstellt, dieses dĂŒrfte aber schon Peuerbachs SchĂŒler, Regiomontanus, ausgearbeitet haben.

Friedrichs Astronom und Astrologe Georg von Peuerbach war weit weniger ĂŒberzeugt von der Treffsicherheit der Sternendeutung. Er versuchte ĂŒberhaupt zwischen erlaubter und unerlaubter Astrologie zu unterscheiden und distanzierte sich von vielem, was damals noch als wissenschaftliche Standardliteratur galt, z.B. von der Schriftensammlung, die man dem geheimnisvollen Hermes Trismegistus zuschrieb.
 

Johannes Kepler, die Hexerei und das Wallensteinhoroskop

Johannes Kepler wurde 1571 im Herzogtum WĂŒrttemberg geboren. Als Protestant kam er nach Graz, unterrichtete dort an der protestantischen Stiftschule und heiratete eine MĂŒllerstochter. Wegen der einsetzenden Gegenreformation musste er Graz verlassen und trat in Prag an der Seite Tycho Brahes in die Dienste Rudolph II. Nach Brahes Tod 1601 wurde er kaiserlicher Hofmathematiker.
Diesen Posten behielt er auch unter Matthias I. und Ferdinand II. Unter Rudolph II. begann er die Rudolphinischen Tafeln zu erstellen, Tafeln zur Vorhersage der Planetenstellungen. 1609 veröffentlichte er die „Astronomia nova“, die das erste und zweite Keplersche Gesetz beinhaltet. Um den religiösen Spannungen in Prag zu entfliehen, nahm er 1612 die Stelle eines Mathematikers in Linz an, die er bis 1626 behielt. Er heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau in zweiter Ehe die Eferdinger BĂŒrgerstochter Susanne Reuttinger. Bei Regierungsantritt Ferdinand II. setzte auch in Linz die Gegenreformation ein. Kepler erlebte noch die Belagerung von Linz durch die aufstĂ€ndischen Bauern, schließlich flĂŒchtete die Familie jedoch nach Ulm. Ab 1627 holte Albrecht von Wallenstein Kepler nach Sagan in Schlesien, wo er ihm eine Druckerei fĂŒr seine Werke zur VerfĂŒgung stellte. 1630 reiste Kepler nach Regensburg, wo er im Alter von 58 Jahren verstarb.

Kepler war ein Vertreter des heliozentrischen Systems und Verteidiger des kopernikanischen Weltbildes. Auch wenn er immer wieder von der Astrologie vereinnahmt wird, stand er dieser eher kritisch und sehr zwiegespalten gegenĂŒber. Die Astrologie war fĂŒr ihn ein Forschungsfeld. Oft Ă€rgerte er sich, wie man in Randnotizen auf Horoskopen sehen kann, wenn Horoskop und Schicksal nicht ĂŒbereinstimmen wollten.

1608 wurde Kepler in Prag von einem ihm bekannten Arzt gebeten, fĂŒr einen anonym bleiben wollenden Adeligen ein Horoskop zu erstellen. Erst als er herausfand, dass das Horoskop fĂŒr Wallenstein war, willigte er ein. Wie in vielen Horoskopen, trifft einiges zu, anderes war schlichtweg falsch: Kepler selbst ĂŒberprĂŒfte es immer wieder und versah es mit Randnotizen. Wallenstein scheint trotz mancher Unstimmigkeiten mit ihm zufrieden gewesen zu sein. 16 Jahre spĂ€ter wollte er nochmals ein ĂŒberarbeitetes Horoskop haben, doch als er ein drittes, noch mehr erweitertes verlangte, lehnte Kepler ab.

Kepler selbst sah sich auch mit dem Aberglauben konfrontiert, als seiner Mutter ein Hexenprozess gemacht wurde. Diese hatte natĂŒrlich, wie auch ihre anderen Kinder bestĂ€tigten, ihren Teil dazu beigetragen. Keplers Schwester schrieb: „Weißt ja wie wunderlich sie ist. [
] Auch Mixturen und Medicinen gegen allerhand Gebrest weiß die Mutter, sammelt KrĂ€uter und murmelt SegenssprĂŒche darĂŒber.“

Auch Kepler selbst meinte ĂŒber sie: „Sie ist klein, mager, schwarz, von beißendem Witz, streitsĂŒchtig, von schlimmem Wesen
“. Dennoch setzte er sich sehr fĂŒr sie ein, holte sie fĂŒr einige Zeit nach Linz, wo sie allerdings nicht bleiben wollte, ließ alle seine Beziehungen spielen und schaffte es schließlich, sie frei zu bekommen. Von der Haft war sie aber so geschwĂ€cht, dass sie schon bald darauf starb. Vorgeworfen hatte man ihr die ĂŒblichen Dinge: Vergiften durch ZaubertrĂ€nke, Krankmachen durch den Bösen Blick, Murmeln von Segen, Verzaubern einer Sau. Sogar durch WĂ€nde hĂ€tte sie gehen können und sie habe ein Kalb zu Tode geritten.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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