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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


EinfĂŒhrung

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war es in Adelskreisen Mode, sich mit Spiritismus zu befassen.
Doch woher kommt der Glaube an Geister und an Arme Seelen und welche Geistergeschichten ranken sich um Schloss Tollet und andere Schlösser der Umgebung?

  • Ritter und Edelleute fĂŒhlten sich bedrĂ€ngt durch Tod, Teufel und Hexen. Welche Vorstellung verband man in Adelskreisen mit dem Tod?
  • Glaubte man an den Teufel und wurden bei uns Exorzismen durchgefĂŒhrt? Wie entstand der Hexenglaube und gab es Hexenprozesse in Oberösterreich?
  • Aus der Gelehrtenmagie sollten spĂ€ter die Wissenschaften entstehen, aber in der Zeit der Renaissance waren Alchemie und Chemie, Astrologie und Astronomie noch nicht getrennt.
  • Erstellten die oberösterreichischen Astronomen der Renaissance auch Horoskope?
  • Beherrschten Alchemisten wie der in Oberösterreich geborene Alexander Seefeld wirklich die Kunst des Goldmachens?
  • Auch die Apokalypse erregte immer wieder die GemĂŒter der Menschen. Wann sollte das Ende der Zeiten nun wirklich kommen?
  • Was hatte der Priester Thomas Pöschl mit dem Weltuntergang und dem Massaker in Vorderschlage zu tun?
     

Glaube, Aberglaube, Gelehrtenmagie

Nicht nur das einfache Volk verwendete magische Praktiken. Auch in Adelskreisen bediente man sich der Magie zur LebensbewÀltigung.
Die Volksmagie entstand oft unter dem Einfluss der Gelehrtenmagie.
Das gelehrte Wissen, das schriftlich tradiert wurde, sank, besonders ĂŒber Vermittlung von Geistlichen, in die unteren Schichten des Volkes ab. Dort wurde es vereinfacht und mĂŒndlich weitergegeben. In der Volksmagie findet man mehr Sympathieglauben, die Vorstellung, dass Gleiches Ähnliches bewirkt. Das GebĂ€ude der Gelehrtenmagie ist meist wesentlich komplizierter aufgebaut.
Alfred Lehmann vergleicht Volksmagie mit einem Haus aus rohen Mauern, bei dem die Steine ohne weitere Bearbeitung ĂŒbereinander liegen. Die Gelehrtenmagie und die Geheimwissenschaften dagegen sieht er als PrachtgebĂ€ude, an dem jedes Element mit Kunst bearbeitet und am rechten Ort eingefĂŒgt ist. Ein sehr treffender Vergleich, gerade, wenn man an die volkstĂŒmliche Deutung der Sterne im Gegensatz zu Astronomie und Astrologie oder an die volksmedizinischen Rezepte im Vergleich zur Spagyrik denkt.

Die Geheimwissenschaften und die Gelehrtenmagie in Europa wurden schließlich zur Basis der modernen Wissenschaften. Aus der Astrologie entstand nach und nach die moderne Astronomie, aus der Alchemie und Spagyrik die moderne Chemie und Medizin. Die seit der Zeit der Renaissance mehr und mehr abgelegten magischen Vorstellungen, deren Lehre an den UniversitĂ€ten verboten wurde, waren allerdings, z.B. durch ZauberbĂŒcher wie die FaustbĂŒcher, ins Volk abgesunken und hatten dort den Wandel zu einem rational wissenschaftlichen Denken ĂŒberdauert.

Ein weiterer großer Unterschied bestand zwischen Gelehrten- und Volksmagie. Das, wofĂŒr der einfache Mann oder die einfache Frau am Scheiterhaufen landen konnte, war in Adelskreisen oft Zeitvertreib und den KaiserhĂ€usern gestattet. Gerade in der Renaissance beschĂ€ftigten Kaiser Astrologen und Alchemisten. Kaiser Maximilian I. ließ den Geist seiner verstorbenen Gattin rufen und Rudolph II. war bekannt fĂŒr seine alchemistischen Experimente, besonders fĂŒr die Versuche Gold zu machen. Er beschĂ€ftigte zuerst Tycho Brahe und dann Johannes Kepler als Hofastronomen aber auch fĂŒr astrologische Deutungen. In seiner Sammlung befanden sich mehrere magische GegenstĂ€nde, z.B. schön gefasste Bezoarsteine, BĂ€lle aus verschluckten Haaren aus TiermĂ€gen, denen man magische Wirkung zuschrieb. Außerdem besaß er zwei Alraunwurzeln, eine mĂ€nnliche und eine weibliche, mit den Namen Maryon und Trudacyos, die in Samt gekleidet sind und heute in der Wiener Hofbibliothek verwahrt werden.

Dies allein hĂ€tte einen einfachen Volksmagier schon in grĂ¶ĂŸte Schwierigkeiten bringen können, ganz zu schweigen von den Dingen, die Rudolphs missratener, unehelicher Sohn, Don Julio Cesare von Österreich, praktizierte. Er kaufte sich den Hexenhammer, betrieb geheime Rituale und geriet in einen solchen Wahn, dass er schließlich seine Geliebte ermordete, seinen Diener erstach, ihnen die Ohren abschnitt, die Augen herausriss, die Körper zerlegte und die StĂŒcke in der Krumauer Burg verteilte - ein Skandal, den selbst der Kaiser nur mit MĂŒhe vertuschen konnte.

Magie wurde den Höhergestellten also allgemein eher gestattet, Wissenschafter konnten aber dennoch manchmal in Gefahr einer Anklage wegen Hexerei geraten. Auch sie mussten vorsichtig sein im Umgang mit dem geheimen Wissen. Johannes Kepler bekam Schwierigkeiten wegen eines Buches ĂŒber einen getrĂ€umten Mondflug und seine Mutter wurde als Hexe angeklagt. Selbst Rudolph II. wurde hinter vorgehaltener Hand nachgesagt, ein Hexer oder vom Teufel besessen zu sein. Ein Vorwurf, den sein Beichtvater Johannes Pistorius dadurch zu entkrĂ€ften suchte, dass er verlauten ließ, der Kaiser sei nicht besessen, sondern leide an Melancholie.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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