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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Einleitung

Der Wunsch, die Welt zu verstehen und sich ĂŒber Krankheit, Leid und Tod hinwegzutrösten, fĂŒhrte zum Entstehen der Religionen. Ebenso lange versuchte man aber auch, nicht durch Gebete und Bitten Götter und Schicksal gnĂ€dig zu stimmen, sondern durch magische Praktiken den eigenen Willen durchzusetzen und Macht ĂŒber die schicksalhaften KrĂ€fte zu gewinnen.
Dazu benutzte man in Adelskreisen die Gelehrtenmagie, aus der spÀter die modernen Wissenschaften entstanden, in der aber auch heutige Geheimwissenschaften und die Esoterik ihre Wurzeln haben.
Das einfache Volk ĂŒbernahm das gelehrte Wissen, vereinfachte es, passte es seinen LebensumstĂ€nden an und vermischte es mit eigenen magischen Praktiken zur Volksmagie.

Die Doppelausstellung „Glaube/ Aberglaube/ Volksfrömmigkeit“ bzw. „Glaube/ Aberglaube/ Gelehrtenmagie“ befasste sich an zwei Ausstellungsorten mit der Beziehung von Glauben und Aberglauben in Adelskreisen und im einfachen Volk.


Glaube? Aberglaube? Gelehrtenmagie

Im „Kulturama Schloss Tollet“ stand dabei die Gelehrtenmagie, die auch von den Besitzern des Schlosses zeitweise praktiziert wurde und ihr Leben beeinflusste, im Blickpunkt:
Schon die Ritter waren mit Hexen, Tod und Teufel konfrontiert. SpektakulĂ€re Hexereiprozesse in Oberösterreich geben davon ebenso Zeugnis wie der Exorzismus, den ein St. Georgner Pfarrer 1723 versuchte. Der Tod war gerade in Krisenzeiten allgegenwĂ€rtig, wurde personifiziert und sein Herannahen oft durch Geister angekĂŒndigt.
Alchemie, Spagyrik und Astronomie bewegten die GemĂŒter des Adels spĂ€testens seit der Zeit der Renaissance, auch wenn man immer die nahe bevorstehende Apokalypse fĂŒrchtete. Aber der Mensch ersann auch Schutzmittel gegen die Angst, er begab sich auf Wallfahrten, rief Engel um Beistand an und legte sein Schicksal in die HĂ€nde von Wunderheilern.
 


Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit

In den AusstellungsrĂ€umen des „Kulturgut-Hausruck“, eines Hausruckhofes in Geboltskirchen, wurde die bĂ€uerlich-volkstĂŒmliche Seite des Themas beleuchtet:
In einer Welt voll Entbehrungen und Bedrohungen nahmen Ängste und SehnsĂŒchte der Menschen Gestalt an. Die Percht, die Habergeiß, der Bilwiss, die Trud und viele andere unheimliche Gestalten Ă€ngstigten die Menschen. Mit Praktiken der Weißen und Schwarzen Magie wollte man Gesundheit, Liebe, Reichtum oder Macht erzwingen. Elementeopfer sollten Wind, Feuer und Wasser gnĂ€dig stimmen, verschiedene Riten den Armen Seelen im Fegefeuer helfen. Aus Galgenketten wurden Suppen gebraut und durch SprĂŒche und Rituale glaubte man verborgene SchĂ€tze finden zu können. Magische Schriften, z.B. die Arkana, lieferten die Anleitung dafĂŒr. In Kriegszeiten ĂŒbte man sich in der Kunst kugelfest zu werden.
Reliquien, Fraisenketten, Schluckbildchen und Votivgaben sollten Krankheiten verhindern oder heilen.

All diese Dinge lassen sich in Oberösterreich nachweisen und prÀgen auch heute noch unser Brauchtum und viele unreflektierte Vorstellungen und Handlungen des Alltagslebens. Selbst beim noch so rational denkenden Menschen halten sich hartnÀckig aberglÀubische Denkweisen und beeinflussen oft unbewusst unser Verhalten.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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