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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Der Tod

Vorstellungen und Personifikationen des Todes vom Mittelalter bis in den Barock

Der Sensenmann ist die bekannteste Allegorie des Todes. Schon 1220 wurde er im „Dialogus miraculorum“ mit einer Sense dargestellt, und im ausgehenden Mittelalter, in Johannes Tepels „Ackermann aus Böhmen“, als „Schnitter“ bezeichnet. In den Totentanzdarstellungen des SpĂ€tmittelalters wird er zum nackten oder mit einem Leichentuch bekleideten Skelett. Nach dem 14. Jahrhundert trug er manchmal ein Stundenglas, z.B. auf DĂŒrers Stich „Ritter, Tod und Teufel“. Im Laufe des 17. Jh. wurde das Leichentuch zu einem Umhang oder einer Kutte mit Kapuze.

In der makaberen Kunst zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert gab es sehr drastische Bilder des Todes. Verwesende Leichen wurden ebenso dargestellt, wie von WĂŒrmern zerfressene oder mit Kröten bedeckte Körper. Das Entstehen dieser Darstellungen fĂ€llt in die Zeit der Pest-epidemien und dĂŒrfte durch sie veranlasst worden sein.


Die Totentanzdarstellungen entstanden ab dem 15. Jh. durch TheaterstĂŒcke, in denen 24 verschiedene Personen, nach ihrem Rang absteigend, Wechselreden mit dem Tod fĂŒhrten. Szenen dieser StĂŒcke wurden an Kirchhofmauern gemalt und gelangten schließlich in die Kirchen. Besonders in Deutschland hielt der Totentanz Einzug in die Buchmalerei.

Ab dem 17. Jahrhundert setzte sich eine neue Sicht des Todes durch, er wird hauptsĂ€chlich als belebtes Skelett dargestellt, als etwas Fremdes und Erschreckendes, das weder Himmel, Erde noch Hölle angehört. Er taucht hinter Menschen auf, schaut ihnen ĂŒber die Schulter, packt sie an den Haaren oder fasst einer jungen Frau auf einem Bild von Nikolas Deutsch sogar lĂŒstern zwischen die Beine.

Das Skelett, das Spaß daran hat, den Menschen zu jagen, wird zur Hauptgestalt der barocken Bilderwelt.

In Kirchen und auf Kanzeln, in Friedhöfen aber auch auf Spieluhren, Ringen, Broschen und AlltagsgegenstĂ€nden, der Tod war allgegenwĂ€rtig. Reisetödlein entstanden, die man immer bei sich trug, damit sie an das „Memento mori“, das „Gedenke des Todes“ erinnerten.

Der Vanitas Gedanke, der Gedanke an die VergÀnglichkeit alles Irdischen, prÀgte die Bildsprache des Barocks. Auf vielen GemÀlden findet man Symbole der VergÀnglichkeit wie niederbrennende Kerzen, Sanduhren oder Wendeköpfe, die auf einer Seite ein Gesicht, auf der anderen einen TotenschÀdel zeigen.



Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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