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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Adel und Tod

Der glĂ€ubige Adelige sah im Tod nicht das Ende, sondern einen Übergang in eine andere, bessere Welt. Deshalb bereitete man sich auf das Sterben vor. Dies sieht man nicht nur an den Mementi Mori, den Reisetödlein und den Wendeköpfen, es gab auch viele GebetsbĂŒcher, die die „Kunst des Sterbens“, die „Ars Moriendi“ lehren sollten. Es waren meist kleine gedruckte BĂŒcher, deren Texte sich an Gebildete richteten, deren Bilder aber auch Analphabeten verstehen konnten.


Darstellungen von Sterbenden, Engeln und Teufeln, die um deren Seele stritten, Höllenbilder und Fegefeuerdarstellungen prĂ€gten dabei die Vorstellung der Menschen vom Jenseits. Eines der bekanntesten war das „Hortulus animae“ (SeelengĂ€rtlein), von dem sich ein Exemplar auch in der Bibliothek der Jörger in Schloss Tollet befunden hat. Im Buch wurde dem Sterbenden geraten, an seinem Glauben festzuhalten und seine Sorgen um Familie und weltlichen Besitz hinter sich zu lassen.

Wie sehr die Adeligen diese RatschlĂ€ge zu beherzigen versuchten, zeigen die Einleitungen und Formulierungen in den Testamenten. Karl Jörger schrieb um 1620: „Gedenke des Todes, alles kommt von Gott, bedenke die Ewigkeit.“ Dorothea Jörger, als Evangelische der ersten Stunde, legte in ihrem Testament um 1550 ihren Kindern die Verbreitung von Luthers Lehre ans Herz und bat Jesus um Kraft und StĂ€rke „aus diesem Jammertal zu scheiden“.

Der katholische Besitzer des Schlosses Aistersheim, Otto Achaz von Hohenfeld, bestimmte 1685, „nachdem er betrachtet und zu GemĂŒthe gefĂŒhrt die VergĂ€nglichkeit dieser Welt“, dass fĂŒr ihn 2000 Seelmessen gelesen werden. Um seine Seele möglichst schnell aus dem Fegefeuer zu befreien, sollten zudem noch 700 Gulden an arme Leute verteilt werden.

Auch Quintin Jörger, ein wieder katholisch gewordener Jörger, der um 1650 KĂ€mmerer Kaiser Ferdinand III. war, traf in seinem Testament 1701 Vorkehrungen fĂŒr seine „arme Seele“. Nach seiner Bestattung bei seinen beiden bereits verstorbenen Gemahlinnen, in der Kirche Kleinhain, wo er eine Gruft errichten hatte lassen, sollten 1.000 Messen gelesen und 3.000 Arme mit einem Groschen beschenkt werden.

Das BegrĂ€bnis eines Adeligen lief nach bestimmten Regeln ab. Die Zeit zwischen Tod und BegrĂ€bnis konnte manchmal einige Wochen betragen, wenn man die Leiche zum Heimatsitz ĂŒberfĂŒhrte. Dies machte bestimmte EinbalsamierungsvorgĂ€nge nötig. Im 18. Jahrhundert wurden auch die Eingeweide, besonders das Herz, an anderen Orten als der restliche Körper bestattet, die EingeweidegrĂ€ber entstanden.

Adelige BegrÀbnisse verursachten oft enorme Kosten, weil z.B. die ganze Familie und die Dienstboten neu eingekleidet wurden, Epitaphe, Totenschilde, Bahren, Kerzen und SÀrge bezahlt werden mussten.

Die aufwendigen LeichenzĂŒge berĂŒhmter Persönlichkeiten wurden oft in Bildern festgehalten. Voran schritten Knaben, die fĂŒr den geistlichen Stand bestimmt waren, mit einem schwarzen Kreuz. Es folgten Bruderschaften, Hausgesinde, Kleriker und Adelige mit Trauerfahnen.

Erst danach kam die Bahre mit dem Verstorbenen und dahinter schritten die eigentlichen Leidtragenden. MĂ€nner und Frauen gingen in Schwarz, MĂ€nner trugen eine Klagebinde aus Taft, mit der man das Gesicht wĂ€hrend der „Klage“ verhĂŒllte. Die Frauen gingen verschleiert. Ab dem 16. Jahrhundert entstand der Brauch ein „Castrum doloris“, ein TrauergerĂŒst, aufzustellen. Ein solches „Castrum doloris“ findet man z.B. auf den Bildern des Leichenzugs Ferdinand I.

Nach dem BegrĂ€bnis blieb der Totenschild zurĂŒck und die Epitaphe, GrabdenkmĂ€ler mit Inschriften.

Wie teuer solche BegrĂ€bnisse waren, zeigen die noch erhaltenen Rechnungen fĂŒr das BegrĂ€bnis des Sohnes Hans Jörgers 1623. Sie brachten den letzten Besitzer Tollets aus dem Geschlecht der Jörger an den Rand des Ruins.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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