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Glaube? Aberglaube? - Gelehrtenmagie | KULTURAMA Schloss Tollet


Die Verehrung von Maria, Jesus und der Dreifaltigkeit in Oberösterreich

Die meisten Marienwallfahrten entstanden in der Zeit der Gegenreformation, als Reaktion darauf, dass die Protestanten nichts von einer Marienverehrung gehalten hatten. Vor der Reformationszeit gab es in 37 Kirchen 39 verehrte Marienstatuen und ein „heilbringendes“ GemĂ€lde.

Die hĂ€ufigste Mariendarstellung war die stehende Statue mit dem Jesuskind, z.B. in Scharten aus dem Anfang des 16. Jh., in Schauersberg bei Wels aus der ersten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts, in Steinerkirchen am Innbach von 1481 und in Waizenkirchen befand sich eine Marienstatue, die heute verschwunden, aber auf einer Abbildung festgehalten ist. Darstellungen Marias als „Nikopoia“, als dem Betrachter frontal gegenĂŒberstehende Maria mit Kind, gab es z.B. in St. Marienkirchen bei Eberschwang.


Das Vesperbild, die PietĂĄ, entwickelte sich in Deutschland ab dem 13. Jahrhundert. Es wurde z.B. in Ottensheim verehrt.

In der zweiten HÀlfte des 16. Jh. bis in die Gegenwart kamen 174 neue Marienwallfahrten mit 111 Statuen und 70 GemÀlden dazu. Auch Àltere Kulte wurden durch die Marienverehrung ersetzt, so entstand in Hehenberg anstelle der Verehrung des St. Veit ein Marienkult. Auch die Kolomankirche in Altenhof am Hausruck erhielt 1729 eine Marienstatue, die ihr den Namen Maria-Altenhof und den Status einer Wallfahrtskirche eintrug.

Zu den alten Darstellungsformen kamen nun auch Nachahmungen von „auslĂ€ndischen“ Gnadenbildern, besonders die der „schwarzen“ Madonna von Altötting und der Maria Loreto aus Salzburg.

WÀhrend sich die Altöttinger Madonna im ehemals bayrischen Innviertel verbreitete, fand man die Loreto-Madonna vorwiegend in Altösterreich.

Die spÀteste Mariendarstellung war die Maria-Lourdes, die als Modeerscheinung erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand.

Ganz spezielle Mariendarstellungen waren die „Àgyptische Maria“ aus Altschwendt, deren Körper ganz behaart ist und eine MarienbĂŒste in Kallham, mit eingesetzten Haaren.

Mit der Gegenreformation entstanden auch Gnadenbilder als GemĂ€lde. Besonders das Passauer Mariahilfbild setzte sich durch. Ein solches ist z.B. in Peuerbach und in St. Thomas zu sehen, beide wurden durch Pfarrer Josef Graf ThĂŒrnheim um 1750 gestiftet.

Ein der Sage nach wundertĂ€tiges Marienbild befindet sich am Kalvarienberg in Grieskirchen, es ist eine Maria-Landshut-Darstellung, eine Maria mit gesenktem Haupt. KultstĂ€tten Christi gibt es in 35 Orten mit 37 KultgegenstĂ€nden. Sie sind alle relativ jung und stammen aus dem Beginn des 18. Jh. Meist stellen sie die Passion und den Tod am Kreuz dar. Ein Kreuz, das 1693 von der Donau angeschwemmt worden war, wurde z.B. in Aschach an der Donau und in Hofkirchen an der Trattnach eine Kopie des Ährenchristus aus SiebenbĂŒrgen verehrt. Auch als Kalvarienberg erfuhr der Kreuzestod Christi Wallfahrten. Der bekannteste ist wohl der von 1665 in Linz.

Im Innviertel war, vermutlich durch Einfluss des Heilands auf der Wies, der Schmerzensmann, der Ecce homo, besonders beliebt. Er wurde z.B. in Andrichsfurt verehrt.

Oft in kostbare GewĂ€nder gekleidet, erfuhr das Jesuskind, besonders in Frauenklöstern, liebevolle Pflege durch die Nonnen. Z.B. in Christkindl bei Steyr, und bei den Karmeliterinnen in Linz verehrte man das „holdseliges Jesukindlein“.


Die Dreifaltigkeit wurde besonders bei Katastrophen oder Seuchen wie der Pest angerufen. Von Sonntagsberg in Niederösterreich ausgehend, fand sie auch bei uns Verbreitung. Der wichtigste Kultbau ist die Dreifaltigkeitskirche in Stadl Paura. Sie ist durch die Dreizahl geprĂ€gt, drei TĂŒrme, drei Tore, drei AltĂ€re, drei Fenster
 und wurde von Abt Maximilian Pagl gestiftet, weil die Pest Lambach und Stadl Paura 1713 verschont hatte. Auch Andrichsfurt hat eine Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit mit Gnadenstuhlfiguren und in Pötting bei Andrichsfurt, in der MariabrĂŒndlkapelle befand sich auch ein Gnadenstuhl, beide aus der Schwanthaler-WerkstĂ€tte.

Wallfahrten zu wundertĂ€tigen Hostien sind meist sehr alt. Die Ă€lteste Hostienwallfahrt war in Heiligenstatt bei Friedburg, wo sich eine Hostie im Wald nicht von weltlichen HĂ€nden aufheben lassen wollte. Dieser Vorfall fĂŒhrte um 1400 zur GrĂŒndung des Stiftes Mattighofen. In Hart bei Pischelsdorf waren es geraubte Hostien, die beim Heurechen entdeckt wurden und 1515 zum Bau einer Wallfahrtskirche fĂŒhrten. In Bad Hall wurde vom Hostienwunder in Deggendorf ein Blutstropfen gespendet.


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Gelehrtenmagie" im KULTURAMA Schloss Tollet vom 26. April bis 2. November 2014 und 2017.

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