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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


SAGENFIGUREN

Bercht/Percht/Hulda/Holle

Frau Percht ist ein mythisches Wesen mit guten und bösen ZĂŒgen und taucht als AnfĂŒhrerin von MaskenumzĂŒgen auf. Man glaubte, dass sie in den RaunĂ€chten in Begleitung der Wilden Jagd oder des Totenheers umgehe. Vielleicht war sie in frĂŒheren Zeiten eine TodesdĂ€monin.

In christlicher Zeit dachte man, die ungetauft verstorbenen Kinder zögen mit ihr.

Fleißige Spinnerinnen belohnte und faule bestrafte sie, daher trug sie in MaskenumzĂŒgen oft ein Spinnrad. Ihre gute, freundliche Seite wird durch Frau Holle (Hulda) verkörpert und auch in den MaskenumzĂŒgen kann sie als eine der „Schönen“ auftreten.

Meist wird aber ihre dunkle Seite gezeigt: Sie ist hĂ€sslich, mit großer, oft eiserner Nase und eisernen BrĂŒsten. Man muss ihr nach dem Volksglauben besonders fette Speisen bereitstellen und auch selbst genug von diesen essen, damit man seinen Bauch von innen schmiert. Frau Percht schneidet einem sonst nĂ€mlich den Bauch auf und fĂŒllt ihn mit HĂ€ckerling und nĂ€ht ihn mit Pflugeisen wieder zu. Hat man genug Fettes gegessen, rutscht aber ihr Messer ab.

In Weibern glaubte man, sie ziehe in der Metten- oder Dreikönigsnacht umher und schaue beim Fenster hinein. Man nannte sie dort auch die „Hex“ und klebte fĂŒr sie Kletzenbrotteig an die ZĂ€une, um sie gnĂ€dig zu stimmen.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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