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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


MAGIE UND ZAUBEREI IM ALLTAGSLEBEN

Das Wesen der Magie

Das magische Weltbild ist bestimmt durch vier magische Prinzipien:

1. Ähnlichkeit (Sympathieglaube): Alles ist mit allem verbunden. Dieser Glaube fĂŒhrt zu der Annahme, dass Gleiches wieder Gleiches bewirkt. Man bedient sich dieses Gesetzes, wenn man mit einer Nadel in eine Wachspuppe sticht, um einem Feind damit Schmerz zuzufĂŒgen oder einen roten Stein zum Blutstillen verwendet.
2. Gegensatz, Antipathie: Durch eine gegenteilige Handlung kann man ein Gleichgewicht wieder herstellen, durch KĂŒhlen eine Verbrennung lindern.
3. KontiguitĂ€t oder Übertragungsmagie: Ein Teil wird fĂŒr das Ganze genommen. Eine Hexe braucht nur ein Haar, um die ganze Person zu verhexen, der GlĂ€ubige nur eine Reliquie des Heiligen, um in den Genuss seiner segensreichen Kraft zu kommen.
4. Nachahmung oder mimetische Magie: Durch Nachahmen eines Vorgangs erzeugt man dasselbe wie mit dem Vorgang selbst. Das Melken aus einem Axtstiel gehört in diese Gruppe.


Einzelne Prinzipien ĂŒberschneiden sich oft oder sind in einem Zauber gleichzeitig wirksam.

Eine Einteilung in Schwarze (Goetie) und Weiße Magie (Theurgie) besteht schon seit dem Mittelalter. Weiße Magie hat ein gutes Ziel, Schwarze ist antisozial, zu ihr gehören alle Arten des Schadenszaubers. FĂŒr sie benötigt man einen Teufelspakt. Volksmagie und Gelehrtenmagie beeinflussten einander wechselseitig. Die Gelehrtenmagie hat eine wesentlich kompliziertere Theorie, die Volksmagie basiert auf den oben genannten Prinzipien, besonders auf dem der Ähnlichkeit. Oft sank die Gelehrtenmagie ins Volk ab und wurde dort stark vereinfacht.

Magie und Religion sind oft schwer zu trennen und waren in vorchristlicher Zeit auch nicht voneinander getrennt. Viele Àltere religiöse Praktiken, wie z.B. das Waffensegnen, beinhalten magische Elemente, dagegen bediente sich z.B. das Schatzbeten christlicher Gebetsformeln.

Der ganz große Unterschied ist, dass Magie die ĂŒberirdischen MĂ€chte zwingen will, das Gebet dagegen die letzte Entscheidung immer Gott ĂŒberlĂ€sst. Um Grenzen, was erlaubt und was verboten ist, rang die Kirche schon seit frĂŒhester Zeit. In Bußordnungen aus dem 8. Jh. werden verbotene Praktiken aufgezĂ€hlt, der Hexenhammer aus dem 15. Jh. erklĂ€rt z.B., das Tragen von Reliquien sei erlaubt, das von Zetteln und SprĂŒchen sei verboten.
 

FĂŒr die Erlaubtheit von Segen sind sieben Bedingungen notwendig:

1. Die Worte dĂŒrften nichts enthalten, was auf eine ausdrĂŒckliche oder schweigende (dem Sprecher ist egal, wer die Hilfe bewirkt) Anrufung der DĂ€monen hinauslĂ€uft.
2. Die SprĂŒche oder Segen dĂŒrften keine unbekannten Namen enthalten. Dazu gehört z.B. das im Schlangensegen vorkommende Wort „Osig“.
3. Der Wortschatz dĂŒrfte keine TĂ€uschungen enthalten, z.B. durch Reime, Sprachrhythmus oder durchgefĂŒhrte Handlungen. Beim Wurmsegen verwendete man z. B. einen Pfeil, in den man durch Gesten den „Wurm“ (die EntzĂŒndung) zog und den man dann in den Wald schoss, beim Wenden wurden Trogscherer oder Äpfel verwendet.
4. Es sollten keine Zeichen enthalten sein, außer dem Zeichnen des Kreuzes. DrudenfĂŒĂŸe etc. gehörten in die Gruppe der verbotenen Zeichen.
5. Die Art der Schrift sollte keine Rolle spielen. Man solle nicht glauben, dass eine besondere Art der Schrift etwas bewirke. Diese Forderung wendet sich gegen die magischen SprĂŒche mit Buchstabenkombinationen wie die Sator-Formel. Der von der katholischen Kirche geduldete Benediktussegen enthĂ€lt zwar auch Buchstaben, sie sind aber nur AbkĂŒrzungen fĂŒr Gebete und Heiligennamen.
6. Man mĂŒsse beim Sprechen heiliger Worte nur auf deren Sinn achten.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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