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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Aberglauben im Jahrkreis: FrĂŒhling

Ostern: Der erste Vollmond nach FrĂŒhlingsbeginn wurde 325 am Konzil von Nicaea als Tag des Osterfestes bestimmt. FrĂŒher feierte man an diesem Termin ein heidnisches FrĂŒhlingsfest und die Wiederauferstehung der Natur. Im Althochdeutschen hieß der April „ostarmanoth“.

Palmsonntag: Palmzweigen wurden im Volksglauben magische KrĂ€fte zugeschrieben, die traditionelle Zusammensetzung des Palmbuschens variiert von Ort zu Ort. Die erste Palmweihe fand in Deutschland im 9. Jahrhundert statt. Dabei wurde um Schutz fĂŒr jene gebetet, die den Palmbuschen in ihren Wohnungen aufbewahrten.

Die PalmkĂ€tzchen warf man in die Hauslake, damit niemand ertrinkt, die Palmbuschen steckte man gegen Hagel in Wiesen und Felder. FrĂŒher hĂ€ngte man dazu noch eine dreifache Abschrift des Johannesevangeliums an den Palmbuschen. In Aistersheim wurden KĂŒhen beim Kalben Palmbuschen mit in Schnaps getauchtem Brot gegeben, in Rottenbach aßen die Menschen PalmkĂ€tzchen, „Palmnudeln“, am Palmsonntag in der Mittagssuppe. An Stalltiere verfĂŒtterte man sie, damit GlĂŒck im Stall sei. Teile des Palmbuschens wurden manchmal noch unters Dach gesteckt zum Abwenden der Feuergefahr. In Weibern glaubte man, wenn man mit dem Palmbuschen dreimal ums Haus gehe, sollte man auch jedes Mal ein PalmkĂ€tzchen schlucken.

GrĂŒndonnerstag: Er hieß „Antlasstag“ oder „Antlasspfingsta“ und war im Volksglauben ein besonders heiliger Tag. Die Eier, die an diesem Tag gelegt wurden, hatten magische KrĂ€fte und wurden als „Antlass(pfingsta)eier“ bezeichnet. Sie sollten gegen Krankheiten helfen. Man mischte sie dem Vieh unters Futter, hĂ€ngte sie in den Stall, zerstieß sie, vermischte sie mit Schmalz und gab sie KĂŒhen zum leichteren Kalben. Im Innviertel wies man ihnen die Macht zu, das ganze Jahr ĂŒber vor Hexen zu schĂŒtzen. Antlasseier blieben auch immer frisch. Ein am Ostersonntag geweihtes, in Papier gewickeltes Antlassei sollte gegen Feuer helfen. Stellte man es auf der Spitze stehend auf den Dachfirst, verhinderte es das Einschlagen des Blitzes, es durfte aber nicht gefĂ€rbt sein.
Wenn man am GrĂŒndonnerstag das erste grĂŒne GemĂŒse aß, musste man einander in Aistersheim, Haag, Rottenbach und Grieskirchen am OhrlĂ€ppchen zupfen. Dies geht auf alte RechtsbrĂ€uche zurĂŒck, bei denen man jemanden am Ohr zog, damit er sich etwas merkte. Hinterm Ohr vermutete man den Sitz des GedĂ€chtnisses.

Ostersonntag: Das Ei war das wichtigste Nahrungsmittel. Aufgesprungene durften MĂ€nner nicht essen, sonst wĂŒrden sie sich einen Bruch heben. In MĂŒnzkirchen spuckte man den ersten Bissen des geweihten Fleisches ins Feuer. Im Gebiet von Ottnang, in der Simmering und Arming bauten die Kinder unter Anleitung Ă€lterer Geschwister aufwĂ€ndige Osternester aus Moos, Ästen vom Haselnussstrauch, Weide und Baumrinde.

Georgitag, 23. oder 24. April: Die KĂŒhe bekamen das erste Mal etwas GrĂŒnes ins Futter, das man an der Grenze dreier HerrengrĂŒnde mit drei SensenschlĂ€gen geschnitten hatte. Am Georgitag gab es sowohl WasserbrĂ€uche, als auch solche zur Hexenabwehr. Bis etwa 1800 ging man taufischen und gab den Tau dem Vieh gegen Verhexung ins Futter. Aber auch die Hexen fingen den Tau fĂŒr die Herstellung der Hexensalbe. Mit MĂ€rzenwasser wurden vor Sonnenaufgang TĂŒr und Torschwellen gewaschen, im Innviertel schöpfte man die Brunnen aus. Gegen Hexen kehrte man in Laakirchen mit frischen Reisigbesen aus, am Morgen putzte man die Kuhnursche mit Krötenlaich und in

der Nacht lĂ€utete man die Kirchenglocken. In der FrĂŒh gab es einen Wettritt. In Geboltskirchen fĂŒhrte man die Pferde vor Sonnenaufgang aufs Feld in den FrĂŒhtau, damit sie keine Kehlkopfkrankheiten bekamen, in Kimpling fanden Flurumritte statt. Man schoss dazu noch, wie 1715 Abraham Mayr zu Vorder-Arming bei Ottnang, gegen die Hexen, auch wenn dies verboten war.

In Haag am Hausruck gab es das „BockhĂ€uteln“ bei dem in der Georginacht mehrere Burschen einen Wiesbaum (lange Stange, mit der man das Heu auf einem Wagen fixierte) nahmen, im Takt aufschlugen und bei bestimmten HĂ€usern Lieder sangen.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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