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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Aberglauben im Jahrkreis: Herbst

Allerseelentag: An diesem Tag haben, nach Volksvorstellung, die Armen Seelen Urlaub und dürfen das Fegefeuer verlassen. In St. Marienkirchen im Innkreis buk man Wecken aus feinem Mehl für die Dienstboten und welche aus dunklem Mehl für die Armen. Diese holten die Brote bei den Bauernhäusern ab, man nannte diesen Brauch „Seelweckengehen“. Auch die Patenkinder erhielten an diesem Tag Geschenke.

Nikolaus: Schon einige Zeit vor dem Nikolaustag mahnte man die Kinder besonders brav zu sein, weil die „Nikolausfrau“, „der hoamliche Niglo“,„da Losate“ oder die „Hobergoaß“ mit Einbruch der Dämmerung draußen herumschleichen und an den Fenstern lauschen würde. Der „heimliche Niglo“ war es dann auch, der Kindern, auf ihre aufgestellten Teller die Gaben legte. Die Figuren des Nikolo und des Krampus haben sich unverändert bis in die heutige Zeit erhalten.
In 100 Orten in Oberösterreich antwortete man für den Volkskundeatlas auf die Frage nach dem Nikolaus allerdings, dass der Nikolaus früher mit den Masken nicht mitgezogen sei, nur die „Schwarzen“ seien umgegangen, den Kindern hätte der „heimliche Niglo“ die Gaben gebracht. Die Nikolausfigur dürfte erst ab 1880 zu den Masken getreten sein. Daher wird der Nikolaus auch immer wieder als Niglo bezeichnet, diesen Namen trägt in gleicher Weise aber auch der Krampus. Sie werden durch Zusätze wie der „brave“, „schöne“ und „schiarche“, „wilde“ unterschieden. Manchmal heißt er auch „Miglo“ oder „Nigl“. Es gab aber einen Vorgänger des Nikolos, einen „Weißen“, dessen gute Rolle der Bischof dann übernahm. Es gab auch eine „schöne, weiße“ „Nikolausfrau“. Es war eine ganz in Weiß gekleidete Frau, deren Gesicht auch weiß war oder die eine weiße Maske trug. Sie dürfte ihrer Herkunft nach auf die „Holde“, auf Frau Holle zurückgehen, also auf die helle Seite der Perchta. Wie diese prüfte sie in manchen Gegenden nämlich das von den Mägden gesponnene Garn. Sehr urtümlich war auch die Habergeiß, die in fast allen Gegenden mitzog.
Besonders im Sauwald kannte man auch einen sichelschwingenden Tod und verschiedene „Körblweiber“. Die „Weißen“ in den Umzügen waren in große weiße Hosen und Hemden gekleidet und trugen hohe Spitzmützen. Sie ließen Ruten, die beim ersten Viehaustrieb Glück bringen sollten, zurück. Die „Wilden“ bestanden aus drei pelzgekleideten Teufelsgestalten.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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