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Glaube? Aberglaube? - Volksfrömmigkeit | Kulturgut Hausruck


Aberglauben im Leben: Initiation

BrĂ€uche rund um das Erwachsenwerden sind bei uns nicht so wichtig, wie in manchen anderen Kulturen. Erstkommunion und Firmung erfĂŒllen aber diese Funktion. In Ottnang gab es einen urtĂŒmlichen Initiationsritus, bei dem der Vater den jungen Mann durch einen gespaltenen Baum einem „Paten“ reichte. Der heute in Vergessenheit geratene Spruch dazu endete mit den Worten: „
So Boidsbua, iatzt kriagst de Kraft vo an Bam - iazt gheast za ins MannsbĂŒda!“. Der Baum wurde nun wieder zusammengefĂŒgt und mit Weiden verbunden, der junge Mann pflegte den „Mannwerdungsbaum“ bis an sein Lebensende. Manchmal machte man sich auch den Scherz und ließ den Baum zu einem „Feigenbaum“ werden, indem man das Loch im Baum nicht heilen ließ. Der Zusammenhang mit Baumkulten, WiedergeburtsbrĂ€uchen und die starke Sexualsymbolik sind unĂŒbersehbar.
 


Dokumentation der Ausstellung "Glaube? Aberglaube? – Volksfrömmigkeit" im Kulturgut Hausruck vom 26. April bis 2. November 2014.

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